Nach Besuch von Tierschutz-Aktivisten in einer Volksschule in Niederösterreich herrscht dicke Luft: Eltern üben heftige Kritik am vermittelten Inhalt, der Ortschef organisierte sogar einen Bauernhofbesuch als Gegenprogramm.
Ein anschaulicher Sachunterricht mit kritischer Auseinandersetzung zur Tierhaltung in Österreich – das war der Plan, als der Verein gegen Tierfabriken in der Volksschule Guntersdorf im Bezirk Hollabrunn zu Gast war. Doch der rund eineinhalb Stunden lange Vortrag hat für gehörig Wirbel gesorgt.
„Schon am Abend haben mich mehrere erzürnte Eltern angerufen“, berichtet Bürgermeister Roland Weber. Denn viele der sechs bis zehn Jahre alten Kinder hätten verstört auf die gezeigten Bilder und den vermittelten Inhalt reagiert.
„Sehr überspitzte Darstellung“
Neben Fotos blutverschmierter Tiere sei ihnen laut Eltern auch vermittelt worden, dass der Fleischkonsum in Österreich viel zu hoch sei und jene, die Fleisch essen, schuld seien, dass Tiere leiden müssen. „Die Darstellung war sehr überspitzt. Einige Kinder essen bis heute kein Fleisch mehr“, erklärt Weber.
„Kann nicht ausgeschlossen werden ...“
Der VGT weist die Vorwürfe zurück. Im Mittelpunkt der Workshops stünden zwar die Tiere und deren Bedürfnisse, der Inhalt werde aber altersgerecht vermittelt. Es würden bei solchen Vorträgen die gesetzlichen Mindeststandards der konventionellen Tierhaltung besprochen und gegebenenfalls Bildmaterial dazu gezeigt werden. „Dass allein das Wissen um die vorherrschenden Haltungsbedingungen emotionale Reaktionen hervorruft, kann nicht ausgeschlossen werden“, so der VGT, der davon spricht, dass die Reaktionen der Kinder wie auch der Eltern und Lehrpersonen normalerweise durchwegs positiv ausfallen. „Die meisten Kinder nehmen den Unterricht begeistert an, diskutieren angeregt mit, sind wissbegierig und stellen viele Fragen, die kindgerecht und ehrlich beantwortet werden“, erklärt der Verein.
Besuch als Gegenmaßnahme
Weil Weber, selbst Landwirt, die Informationen auch aufgrund der vielen Rückmeldungen zu einseitig erschienen, hat er einen Ausflug der 45 Kinder zu einem Schweinebetrieb im Nachbarort organisiert. „Das ist ein gut geführter Stall. Und es wurde den Schülern auch gesagt, dass die Tiere einmal zu Schnitzel verarbeitet werden“, erklärt der Bürgermeister.
Vortrag wird geprüft
Seitens der Bildungsdirektion betont man, dass Vorträge externer Organisationen im Rahmen der Schulautonomie prinzipiell zulässig sei. Der konkrete Vortrag werde aber noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Sollte er nicht altersadäquat gewesen sein, dürfe er in dieser Altersklasse nicht mehr eingesetzt werden. Auch ein Gespräch mit der Schulleitung ist angedacht.
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