Eine frühe Diagnose kann Entzündungen eindämmen, Komplikationen verhindern und die Lebensqualität deutlich verbessern – durch gezielte Therapie und regelmäßige Kontrollen. Wer rechtzeitig handelt, erlebt oft weniger Schübe, weniger Schmerzen und mehr Stabilität im Alltag. Worauf Sie achten sollten!
Wiederkehrende Bauchschmerzen, anhaltender Durchfall, Erschöpfung – viele Betroffene schieben solche Beschwerden lange vor sich her. Dabei können sie Hinweise auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sein. Hier gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich die Erkrankung kontrollieren.
Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen, entzündet alle Wandschichten und verläuft sprunghaft, während Colitis ulcerosa ausschließlich den Dickdarm befällt, nur die oberste Schleimhaut entzündet und sich kontinuierlich vom Enddarm aus ausbreitet.
Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten
„Jede Patientin und jeder Patient mit wiederholten Bauchschmerzen und chronischen Durchfällen, die länger als vier Wochen andauern, sollte sich untersuchen lassen“, betont Gastroenterologe Prof. Dr. Clemens Dejaco.
Besonders bei Menschen unter 40 Jahren müsse man an eine mögliche CED denken. CED können grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Während Kleinkinder nur selten betroffen sind, steigt die Häufigkeit ab dem Jugendalter deutlich an. Zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr beginnt die Kurve der Erkrankungen anzusteigen, der Höhepunkt liegt zwischen 18 und 28 Jahren.
Eine Befragung von 380 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zeigt deutlich, wie stark Morbus Crohn und Colitis ulcerosa das tägliche Leben beeinflussen. Viele Betroffene berichten von einer hohen und anhaltenden Krankheitslast, die ihre Lebensqualität sowie Schule oder Beruf erheblich einschränkt.
Gleichzeitig entwickelt sich die Versorgung weiter, da immer mehr Menschen in spezialisierten CED-Ambulanzen betreut werden und regelmäßige Untersuchungen zum Standard gehören. Dennoch bestehen weiterhin Informationslücken und Vorbehalte gegenüber modernen Therapien.
Behandlungsmöglichkeiten haben sich stark weiterentwickelt
Neben klassischen Infusionstherapien stehen heute auch Pens zur Selbstinjektion, On-Body-Injektoren – kleine, auf die Haut geklebte Geräte zur automatischen Medikamentenabgabe – sowie Tabletten zur Verfügung. Viele dieser Therapien gehören zu den sogenannten Biologika, also biotechnologisch hergestellten Eiweißstoffen, die gezielt bestimmte Entzündungsfaktoren blockieren, oder zu den JAK-Inhibitoren.
Moderne Medikamente sind wirksamer und nebenwirkungsärmer als Cortison, das früher die Standardbehandlung war.

Ao.Univ.-Prof. Dr. Clemens Dejaco, Gastroenterologie und Hepatologie, AKH Wien
Bild: Univ. Prof. Dr. Clemens Dejaco
Letztere wirken in Tablettenform und unterbrechen, indem sie gezielt Januskinasen hemmen, die Entzündungssignale des Immunsystems direkt an der Quelle. Viele Betroffene können selbst wählen, ob sie Infusionen erhalten oder sich die Präparate zu Hause verabreichen.“
Medikamente sind heutzutage gut verträglich
Die modernen Medikamente sind gut verträglich und meist mit nur wenigen Nebenwirkungen verbunden. „Sie sind wirksamer und nebenwirkungsärmer als Cortison, das früher die Standardbehandlung war“, so der Mediziner. Eine langfristige Cortisontherapie sei heute nicht mehr zeitgemäß. Ziel jeder Behandlung ist es, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Bei einem Teil der Patienten gelingt sogar eine vollständige Rückbildung der Entzündung.
„Wir sprechen dann von einer Tiefenremission, wenn in der Endoskopie keine Entzündung mehr sichtbar ist“, erklärt der Gastroenterologe. Der Darm befinde sich dann in einem Zustand wie bei gesunden Menschen, allerdings nur unter fortgesetzter Therapie. Ob Medikamente lebenslang notwendig sind, hängt vom Verlauf ab. Nach einer stabilen Remission von mehr als zwei Jahren könne man über einen Absetzversuch nachdenken.
Das Rückfallrisiko sei jedoch hoch: mindestens 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Viele leiden auch unter psychischen Belastungen, die durch die Einschränkungen im Alltag entstehen. Die Plattform CED Kompass (www.ced-kompass.at) bietet umfassende Informationen, Anlaufstellen sowie psychosoziale Unterstützung.
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