Sirenen im ganzen Land

Unwetter-Chaos: Blitz traf Schloss, Berg evakuiert

Österreich
01.06.2026 08:36

Sturm, Starkregen und Blitzschläge haben am Sonntag weite Teile Österreichs lahmgelegt. Eine heftige Gewitterlinie zog von Deutschland ins Land und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Feuerwehren, Wasserrettung und Einsatzkräfte standen im Dauereinsatz. Allein in Oberösterreich wurden rund 1000 Einsätze gezählt.

Von Oberösterreich bis ins Burgenland sorgte die Unwetterfront für dramatische Szenen. Orkanartige Böen mit bis zu 115 km/h wurden in Enns gemessen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Autos wurden getroffen, Züge mussten stoppen und sogar Menschen aus Gewässern gerettet werden.

Blitz schlug in Schlossturm ein
Besonders spektakulär war ein Einsatz im niederösterreichischen Dobersberg. Gegen 16 Uhr schlug ein Blitz in den Turm des Schlosses ein und setzte ihn in Brand. Mehrere Feuerwehren rückten mit Drehleitern an, Atemschutztrupps durchkämmten das historische Gemäuer auf der Suche nach Glutnestern. Nach eineinhalb Stunden konnte schließlich Entwarnung gegeben werden.

(Bild: BFK Waidhofen / R. Leyrer-Schlosser)

In Niederösterreich wurden rund 140 Feuerwehreinsätze registriert. Vor allem das Wald- und Mostviertel waren betroffen. Auf der B5 bei Pfaffenschlag krachte ein Baum auf das Auto einer Lenkerin. Die Frau wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.

Heftige Gewitter, Starkregen und Sturmböen sorgten am Sonntag österreichweit für hunderte ...
Heftige Gewitter, Starkregen und Sturmböen sorgten am Sonntag österreichweit für hunderte Einsätze.(Bild: Krone-Collage/Schöffmann, FF Altmünster, FF Aigen im Ennstal)

Hunderte Notrufe binnen Minuten
Besonders turbulent verlief der Sonntagnachmittag in Ernsthofen im Bezirk Amstetten. Als die Gewitterfront über die Region hinwegzog, gingen binnen nur 20 Minuten hunderte Notrufe ein. Rund 50 Feuerwehreinsätze mussten gleichzeitig abgearbeitet werden.

(Bild: FF Pfaffenschlag)

Mehrere Menschen mussten aus Gewässern gerettet werden. Im Bezirk Scheibbs lösten die enormen Regenmengen sogar eine Mure aus. In St. Valentin stürzte ein Baum auf eine Bahnoberleitung, löste einen Brand aus und brachte einen Zug zum Stillstand.

Frau von Ast am Kopf getroffen
Auch Tirol blieb nicht verschont. In Kitzbühel wurde eine 68-jährige Frau bei einem kurzen, aber heftigen Sturm von einem herabstürzenden Ast am Kopf getroffen. Trotz ihrer Verletzung konnte sie selbst noch den Notruf wählen. Die Rettung brachte sie mit einer Platzwunde ins Krankenhaus St. Johann in Tirol.

In der Steiermark sorgten Starkregen und heftige Windböen ebenfalls für zahlreiche Einsätze. Besonders betroffen war der Bezirk Leoben. Am Wilden Berg Mautern mussten insgesamt 387 Besucher in Sicherheit gebracht werden. Auch Knittelfeld wurde nach den Unwettern vom Vortag erneut von Sturm und Starkregen getroffen.

Wasserrettung im Dauereinsatz
Dramatische Szenen spielten sich auch auf Salzburgs Seen ab. Am Wallersee, Mattsee, Wolfgangsee und Mondsee mussten Boote geborgen werden. Am Fuschlsee sank ein Segelboot teilweise. Zeitweise galten sogar mehrere Wassersportler als vermisst. Nach dem Gewitter konnten sie jedoch wohlauf aufgefunden werden.

(Bild: APA/WASSERRETTUNG LV SALZBURG)

In Vorarlberg führte ein Blitzeinschlag zu einem größeren Stromausfall. Rund 590 Haushalte in Gaißau und Teilen von Höchst waren zeitweise ohne Strom.

Meteorologe Nikolas Zimmermann verweist auf eine bemerkenswerte Entwicklung: Nach dem äußerst blitzarmen Jahr 2025 brachte der heurige Mai ein kräftiges Comeback der Gewittersaison. Rund 150.000 Blitzentladungen wurden österreichweit registriert – etwa 20 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre.

Wetter beruhigt sich – aber nur kurz
Nach den schweren Unwettern vom Sonntag entspannt sich die Wetterlage zu Wochenbeginn zumindest vorübergehend. Der Montag startet in weiten Teilen Österreichs noch mit dichten Wolken und Regen. Die Sonne zeigt sich zunächst nur selten. Im Laufe des Tages lockert es jedoch zunehmend auf, besonders im Westen und Süden des Landes. Ganz trocken bleibt es dennoch nicht: Immer wieder sind Regenschauer möglich. Die Temperaturen erreichen 18 bis 25 Grad.

Österreich
Wetterdaten:

Am Abend lassen die letzten Schauer rasch nach. In der Nacht auf Dienstag klart der Himmel vielerorts auf, regional wird es sogar sternenklar. Der Wind flaut deutlich ab, die Temperaturen sinken auf 4 bis 14 Grad. 

Der Dienstag bringt vor allem in der Osthälfte Österreichs deutlich freundlicheres Wetter. Dort dominiert bis zum Abend meist der Sonnenschein, ehe hohe Schleierwolken aufziehen. Regenschauer bleiben die Ausnahme. Anders präsentiert sich die Lage im Westen: Dort zieht im Tagesverlauf eine neue Störungszone auf, die erneut dichte Wolken, Regenschauer und vereinzelt auch Gewitter mit sich bringt. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 7 und 15 Grad, tagsüber wird es mit 18 bis 28 Grad wieder deutlich wärmer.

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