Gewaltwelle im Land

Rechter Außenseiter liegt bei Kolumbien-Wahl vorn

Außenpolitik
01.06.2026 08:25
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien geht nach der ersten Runde in eine Stichwahl. Überschattet wird die Wahl jedoch von einer schweren Gewaltwelle. Vor der Abstimmung war er zu mehreren Anschlägen gekommen, bei denen dutzende Menschen gestorben sind.

Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien geht in die zweite Runde. Weder der rechtsgerichtete Anwalt Abelardo de la Espriella, noch der linke Senator Iván Cepeda erreichten bei der Wahl die absolute Mehrheit. Nach Auszählung von knapp 99,5 Prozent der Stimmen kam De la Espriella auf 43,7 Prozent und Cepeda auf knapp 41 Prozent, teilte die Wahlbehörde mit. Am 21. Juni kommt es deshalb zur Stichwahl.

Entscheidung über Nachfolge Petros
Rund 41 Millionen Bürger waren aufgerufen, einen Nachfolger Petros zu wählen. Dieser durfte nach der Verfassung nicht erneut kandidieren. Petro war 2022 als erster linker Präsident in der Geschichte Kolumbiens gewählt worden. Während seine Anhänger auf sinkende Armutszahlen, höhere Sozialausgaben und Mindestlohnerhöhungen verweisen, werfen Kritiker ihm vor, mit seinem Vorhaben eines „totalen Friedens“ keinen entscheidenden Durchbruch gegen bewaffnete Gruppen erreicht zu haben.

Der rechtsgerichtete Anwalt Abelardo de la Espriella erreichte 43,7 Prozent der Stimmen.
Der rechtsgerichtete Anwalt Abelardo de la Espriella erreichte 43,7 Prozent der Stimmen.(Bild: AFP/RODRIGO BUENDIA)
Der linke Senator Iván Cepeda kam auf knapp 41 Prozent.
Der linke Senator Iván Cepeda kam auf knapp 41 Prozent.(Bild: AP/Matias Delacroix)

Die Wahlkampfthemen
Eines der wichtigsten Themen bei der Wahl ist die Sicherheitslage im Land.  In vielen Regionen kontrollieren bewaffnete Gruppen weiterhin die informelle Wirtschaft, Schmuggelrouten und Kokaanbaugebiete. Auch wirtschaftliche Fragen prägen den Wahlkampf. Viele Menschen arbeiten etwa als Straßenhändler, Lebenshaltungskosten stiegen zuletzt wieder. Linke Kandidaten setzen stärker auf Umverteilung und Sozialprogramme, konservative Bewerberinnen und Bewerber werben mit Strategien für wirtschaftliches Wachstum, Investitionen und stabile Rahmenbedingungen für Unternehmen.

“Kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen“
Die konservative Senatorin Paloma Valencia, die vor der Wahl ebenfalls zu den aussichtsreichsten Bewerbern gezählt hatte, landete mit knapp sieben Prozent der Stimmen deutlich hinter den beiden Spitzenkandidaten. Der 63-jährige Cepeda, hatte in den Umfragen vor der Wahl noch geführt und gilt als Verbündeter Petros. Er will dessen Reformkurs fortsetzen. Der 47-jährige De la Espriella wirbt dagegen für einen harten Sicherheitskurs, einen schlankeren Staat und ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen.

Niedrige Wahlbeteiligung
Umfragen zufolge dürfte Cepeda in der Stichwahl einen schweren Stand haben, da sich die Wähler des rechten und der Mitte zuzuordnenden Lagers nun hinter De La Espriella vereinen könnten. Die niedrige Wahlbeteiligung im ersten Durchgang könnte beiden Kandidaten jedoch Spielraum bieten, zusätzliche Wähler zu mobilisieren. Nur etwa die Hälfte aller Wahlberechtigten hatte ihre Stimme abgegeben.

Wahlkampf überschattet von angespannter Sicherheitslage
Im Vorfeld der Abstimmung war es in Kolumbien zu mehreren Anschlägen gekommen, bei denen Zivilisten, Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt wurden. Bei Kämpfen zwischen zwei Splittergruppen der früheren Farc-Guerilla im Amazonasgebiet seien nach Angaben eines Bürgermeisters 48 Menschen getötet worden. Die Toten seien „auf einem Haufen“ gelegen und müssten geborgen werden, so der Bürgermeister.

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