Die Zeit des Welpenschutzes ist vorbei – Harley-Davidson hat seine erste Premium-Reiseenduro, die Pan America 1250, seit mittlerweile fünf Jahren am Markt. Für 2026 legen die Herrschaften aus Milwaukee ein dickes Scheit nach: die Pan America Limited.
Wobei „limited“ hier offenbar mit „unbegrenzt“ zu übersetzen ist, denn es ist so ziemlich alles drauf und dran, was gut und teuer ist und Harleys Regal hergibt, basierend auf der Special.
Auffälligstes Extra: Seitenkoffer und Topcase aus Alu, die insgesamt 120 Liter Stauraum bieten. Maximal robust – aber auch maximal unpraktisch. Vielleicht ist es vermessen, sich zu wünschen, dass die Kofferschlösser ins Keyless-System integriert sein sollen, aber ein einigermaßen geschmeidiges Schließsystem darf man schon erwarten.
Tatsächlich hat man jedoch bei jedem Auf- und Zusperren Angst, das kleine Schlüsselchen abzubrechen, weil die Schlösser so schwergängig sind. Und Sperren muss man oft, weil man die Deckel nicht unversperrt schließen kann. Das ist unterwegs auf Tour extrem lästig.
Nur in Sachen Gewicht negativ, sonst aber absolut positiv wirken sich andere Features aus: massive Sturzbügel seitlich vorn und hinten sowie ein stabiler Unterfahrschutz. Fürs Stehendfahren kann man Schalt- und Fußbremshebel umstellen. Ebenfalls gut fürs Gelände sind die Handprotektoren. Pads am Tank sind gut für die Knie, die Griffheizung gut gegen kalte Hände.
Achtung, Umfallgefahr!
Was man leider nicht verstellen kann, ist der Seitenständer, der in seinen Dimensionen absolut nicht zur serienmäßigen automatischen Höhenverstellung (von der Special übernommen) passt. „Adaptive Ride Height“ senkt beim Langsamfahren oder Anhalten das Fahrwerk ab, damit man mit den Füßen leichter den Boden erreicht. Will man nun den Seitenständer ausklappen, muss man das Bike leicht nach rechts neigen – sonst funktioniert das nicht. Zu allem Überfluss steht das Motorrad dann viel zu aufrecht und neigt zum Umkippen nach rechts, wenn der Untergrund nicht wirklich eben oder leicht nach links geneigt ist. Schon das Abstellen in einer Spurrille ist unmöglich. Da freut man sich über die Sturzbügel unter Umständen früher, als einem lieb ist.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Aussage, mit der Harley-Davidson auf der Website wirbt: „Beim ersten Mal bin ich umgefallen. Ich musste lachen. Ich habe das Motorrad wieder aufgehoben und den Anlasserknopf gedrückt. Es fühlte sich an, als ob es mich aufforderte, es noch einmal zu versuchen. Da wusste ich, dass es das richtige Motorrad für mich war.“
Tadellos funktioniert hingegen das adaptive Fahrwerk, auch der hier serienmäßige Quickshifter ist okay, wenn auch nicht der Geschmeidigste seiner Art. Das adaptive Kurvenlicht wird von mächtigen LED-Zusatzscheinwerfern unterstützt.
Der 6,8 Zoll große TFT-Touchscreen lässt sich mit dem Handy verbinden, seine Anzeigen sind teils etwas klein dargestellt. Die Bedienung gibt jedoch keine allzu großen Rätsel auf. Es stehen neun Fahrmodi inklusive Offroad-Programmen sowie ein umfangreiches Arsenal an kurvensensiblen Assistenzsystemen und ein Tempomat zur Verfügung.
Unverändert bollert der 1252 ccm große wassergekühlte V2-Motor mit variabler Ventilsteuerung, vier Ventilen pro Zylinder und Doppelzündung. Er liefert 152 PS sowie bei 6750/min. ein maximales Drehmoment von 128 Nm. Er geht sanft ans Gas und bietet von unten heraus genug Kraft für souveränes Fahren.
Der Preis
Preislich drückt sich dieses Schöpfen aus dem Vollen in einem Preis von 31.900 Euro aus, an die 7500 Euro mehr als bei der Special. Auch auf der Waage drückt es sich aus: 299 kg fahrfertig.
Fahrzit:
Die Harley-Davidson Pan America 1250 Limited ist ein ganz dicker Brummer, der so ziemlich alles hat, was man sich wünschen kann, ohne es extra draufkonfigurieren zu müssen. Ob man sich für weit über 30.000 Euro von einem Minischlüssel mit hakeligen Schlössern an den Koffern und einem völlig vermessenen Seitenständer nerven lassen will, das muss jeder für sich selber entscheiden. Gut zu fahren ist sie ja, die Pan Am Ltd., und mit den ganzen Bügeln hält sich der Schaden wenigstens in Grenzen, wenn sie umfällt. Und außerdem hat sie einen großen Vorteil: Man wird auf seiner Tour kaum in Gegenden kommen, wo jedes zweite Motorrad aussieht wie das eigene. Aber das gilt auch schon für das Basismodell.
Warum?
Absolut komplett ausgestattet
Sehr gut fahrbar
Wohl die exklusivste unter den großen Reiseenduros
Warum nicht?
Umfallgefahr beim Abstellen
Oder vielleicht …
… GS, Multistrada und wie sie alle heißen
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