Causa Legionäre

„Müsste Massives passieren, ehe es Umdenken gibt“

Eishockey
27.05.2026 19:00

Österreichs Eishockey-Team hat es in Zürich eindrucksvoll vorgezeigt: Die Mannschaft hat trotz namhafter Ausfälle souverän den Klassenerhalt geschafft. Einige junge Spieler bekamen nach den Absagen von Teamchef Roger Bader eine Chance, nutzten sie. In Österreich dürfen sie selten aufzeigen – denn im Alltag der win2day ICE Hockey League droht ihnen kommende Saison wieder ein Schattendasein.

Verteidiger Bernd Wolf wurde nach dem Aus in Zürich richtig emotional, als das Thema wieder einmal zur Sprache kam: „Die Jungs haben super gespielt, super gekämpft. Wieder eine gute Werbung für das österreichische Eishockey betrieben. Hoffentlich ist es jetzt mal ein Ausrufezeichen, dass allen klar ist, dass wir wirklich gute Spieler in Österreich haben“, meinte der Schweiz-Legionär, der „seit dem Saisonende in der Schweizer Liga auch bereits am Zahnfleisch ging. Aber mir war es sehr wichtig, bei der WM für Österreich dabei zu sein.“

Er wünscht sich, dass heimische, junge Spieler in der ICE-League „die Möglichkeit erhalten, Eiszeit zu bekommen. Nicht in der vierten Linie, sondern dass sie in der zweiten, dritten Linie spielen und auch Fehler machen dürfen. Dann hast du die Möglichkeit zu wachsen, das ist extrem wichtig.“

Bernd Wolf appelliert an die ICE-Liga, mehr auf Österreicher zu setzen
Bernd Wolf appelliert an die ICE-Liga, mehr auf Österreicher zu setzen(Bild: GEPA)

Der Schritt in die richtige Richtung wäre eine weitere Reduktion der Legionärs-Anzahl pro Team: „Lasst uns doch endlich mal die Anzahl der Ausländer reduzieren. Warum nicht?“, verband Wolf die Frage mit einem Seufzer. „Dann wird vielleicht einmal das Niveau für – lass es vier Jahre sein – schlechter. Aber das gibt anderen jungen Spielern, die du vielleicht nicht auf dem Schirm hast, die Möglichkeit reinzuwachsen, besser zu werden. Dann bekommen wir auch im Nationalteam eine größere Breite.“

„Wir müssen aufwachen“
Als Beispiel führte der Routinier Tim Harnisch an: „Er spielt vierte Linie in Graz. Schauts euch an, wie er hier bei der WM für Österreich allein gegen die USA gespielt hat. Und es gibt so viele, er ist nur ein Beispiel.“ Sein Appell: „Wir müssen aufwachen, seien wir doch mehr patriotisch! Wenn du durch die Schweiz gehst, sieht du an jeder Ecke eine Flagge. In Österreich wirst gefragt: Warum hast eine österreichische Flagge da hängen?“

Tim Harnisch war eine der rot-weiß-roten Entdeckungen dieser A-WM
Tim Harnisch war eine der rot-weiß-roten Entdeckungen dieser A-WM(Bild: GEPA)

Der ÖEHV-Teamchef pflichtete ihm bei: „Harnisch wird vom Sportdirektor in Graz geschätzt. Doch er hatte so viele Spiele als 13. Stürmer im Kader. Und hier bei der WM spielte er am Ende gegen die USA sogar in der 1. Sturmlinie.“ Roger Bader will dies zugleich nicht falsch verstanden wissen: „Das ist jetzt nur eines von mehreren Beispielen, soll jetzt nicht als Kritik an Graz verstanden werden. Weil Graz ist auch ein guter Boden für Österreicher geworden.“

Dass die ICE-League völlig anders denkt, wieder über eine Erhöhung der Legionärsanzahl pro Verein nachdenkt, sei laut Bader „ein wirklich trauriges Thema. Ein Spieler wie Leon Kolarik muss ins Ausland, wenn er sich empfehlen will“, führt der 61-Jährige ein weiteres Beispiel an. Und der Schweizer fürchtet nach rund 13 Jahren in Österreich: „Das Thema wird sich nie lösen lassen. Da müsste zuvor wohl etwas Massives passieren, ehe ein Umdenken einsetzt.“

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