24.02.2020 10:23 |

„Konzentrationskiller“

Lehrer setzen sich für Handyverbot in Schulen ein

Schon in der Volksschule ist das Smartphone heute oft ständiger Begleiter der Schüler. Den Pädagogen ist das ein Dorn im Auge: Sie sehen in den Geräten immer öfter einen Störfaktor und fordern deshalb klare Regeln gegen aus dem Ruder laufende Smartphone-Nutzung in der Schule. Dabei seien auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen.

Der oberste Pflichtschul-Lehrergewerkschafter Paul Kimberger im Ö1-„Morgenjournal" am Montag: „Die Rückmeldungen meiner Kolleginnen und Kollegen sagen mir, dass Handys immer mehr zu Konzentrationskillern und Störfaktoren im Unterricht werden. Sie müssen sich nur eine Runde vorstellen, in der Stoff vermittelt wird, wo dann die Kinder permanent auf das Handy schauen, es piepst und klingelt.“

Schon im Kindergarten gibt es Handys
Die Problematik betreffe nicht nur ältere Schüler, sondern fange schon im Kindergartenalter an, „wo Kinder da sind, die von den Eltern mit einem Handy ausgestattet werden“, erzählt Kimberger. Sein Urteil: „Das halte ich für völlig skurril!“ In der Volksschule sei die Situation oft nicht besser, hier fordert der Gewerkschafter einen „äußerst restriktiven“ Umgang mit dem Smartphone.

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Es muss völlig handyfreie Bereiche geben in der Schule. Nur, wenn es dem Stoff und der Wissensvermittlung dient, ist es durchaus einmal sinnvoll, Handys im Unterricht einzusetzen, ansonsten haben sie dort nichts verloren.

Paul Kimberger, Vorsitzender Pflichtschul-Lehrergewerkschaft

Unabhängig vom Alter der Schüler empfiehlt Kimberger: „Es muss völlig handyfreie Bereiche geben in der Schule. Nur, wenn es dem Stoff und der Wissensvermittlung dient, ist es durchaus einmal sinnvoll, Handys im Unterricht einzusetzen, ansonsten haben sie dort nichts verloren.“

Schulen können selbst Regeln festlegen
Kimberger empfiehlt, Kindern den richtigen Umgang mit dem Handy beizubringen und sie für die Risiken der Geräte zu sensibilisieren, statt Handys in der Schule komplett zu verbieten. „Gesetzlich ist das im Moment so geregelt, dass jede Schule in der Hausordnung dementsprechende Regeln verordnen kann, auch ein Handyverbot.“

Er selbst halte es für sinnvoll, dass die Schulen gemeinsam mit den Eltern und Schülervertretern klare Regeln und Sanktionen festlegen, was den Umgang mit dem Handy im Unterricht betreffe.

Bildungsdirektor warnt vor „digitalem Stress“
Teilweisen Handyverboten in den Schulen kann auch der niederösterreichische Bildungsdirektor etwas abgewinnen. Johann Heuras: „Sobald Kinder Smartphones besitzen, sind sie digitalem Stress ausgesetzt, und das muss die Schule meiner Meinung nach nicht unterstützen.“

Im Gegenteil: Handys in der Schule stören die Konzentration, die Aufmerksamkeit und durch die Verlagerung der Kommunikation ins Digitale die Klassengemeinschaft, ist der Bildungsdirektor überzeugt. Das wirke sich oft genug schädlich auf den Lernerfolg aus, was durch Studien belegt sei. „Daher haben Handys und Smartphones aus meiner Sicht im Unterricht wirklich nichts verloren, zumindest bis zu einer gewissen Altersstufe, bis etwa zur sechsten Schulstufe.“ Danach könne man durchaus punktuell das Handy zur Wissensvermittlung einsetzen.

Gemeinsam erdachte Regeln für „mehr Akzeptanz“
Auch Heuras spricht sich trotz aller Probleme, die durch Smartphones im Klassenzimmer entstehen, gegen ein generelles gesetzliches Verbot aus. Die Schulgemeinschaft solle sich mit diesen Fragen beschäftigen und Regeln vereinbaren, die für alle Beteiligten sinnvoll seien. „Das hat wesentlich größere Akzeptanz als große Verbote.“ Er selbst empfehle jedenfalls, rigorose Regeln zu erlassen und das Handy möglichst aus dem Unterricht zu verbannen.

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Wenn ich an die Volksschulen denke, dann haben die meisten ein Handyverbot durchgesetzt, auch in Absprache mit den Eltern.

Johann Heuras, NÖ. Bildungsdirektor

„Die meisten haben Handyverbot durchgesetzt“
In vielen Schulen passiere das bereits. „Wenn ich an die Volksschulen denke, dann haben die meisten ein Handyverbot durchgesetzt, auch in Absprache mit den Eltern. Auch die meisten Mittelschulen und die Sekundarstufe 1 gehen sehr rigoros mit dem Störfaktor Handy und dem Smartphone um.“ Im Unterricht sei das Handy in den meisten Schulen tabu. „Viele Schulen legen auch Wert darauf, dass das Handy auch in der Pause nicht verwendet wird, weil es die Kommunikation, das Spielen und die Begegnung zwischen den Kindern unterbindet.“

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Ich lade die Eltern auch ein, zu Hause auch selber Regeln für den Umgang mit dem Handy zu erstellen. Es sollte handyfreie Zeiten und Zonen geben, zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen.

Johann Heuras, NÖ. Bildungsdirektor

Heuras appelliert an die Eltern, Verständnis für solche Maßnahmen zu zeigen: „Es gibt natürlich Situationen, wo die Eltern für diese Vorgangsweise kein Verständnis haben. Ich bitte die Eltern aber zu verstehen: Die Schule ist erreichbar, im Notfall ist das Kind erreichbar.“ Letztlich seien Handyverbote in der Schule zum Wohle der Kinder und zum Wohle ihrer Entwicklung. Heuras: „Ich lade die Eltern auch ein, zu Hause auch selber Regeln für den Umgang mit dem Handy zu erstellen. Es sollte handyfreie Zeiten und Zonen geben, zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen.“

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