Anfang April feierte Austrian Airlines das zehnjährige Jubiläum der Direktverbindung zwischen Wien und Shanghai. Ein guter Grund für einen Kurzbesuch in der Metropole – zwischen Skyline, Superlativen und der Frage, warum hier auch Schnitzel serviert wird.
Rund 25 Millionen Menschen leben in Shanghai, Vorstädte dazugerechnet sogar 30 Millionen. Die Stadt kleckert nicht, sie klotzt: über 200 Wolkenkratzer, einer der größten Containerhäfen der Welt, rund 100.000 Restaurants, etwa 8000 Kaffeehäuser oder die Magnetschwebebahn Transrapid, die mit bis zu 400 km/h vom Flughafen ins Zentrum fährt. Trotz des enormen Verkehrs überrascht die Metropole im Osten Chinas mit einer gewissen Ruhe.
Nicht nur, weil Menschen vormittags im Park Tai-Chi praktizieren. Auch, weil mehr als die Hälfte der Pkw mittlerweile elektrisch fährt. Grund: Die Zulassung von E-Autos ist einfacher und günstiger. Das sorgt für weniger Lärm und spürbar bessere Luft. Gleichzeitig prägen unzählige E-Roller das Straßenbild, vor allem Essenszusteller sind unterwegs. Beim Queren der Straße lohnt es sich, zweimal zu schauen, auch bei Grün.
Ein Stück Österreich über den Wolken
Tag 1 startet mit der Landung kurz nach 6 Uhr Früh Ortszeit am Flughafen Pudong und der Erledigung der Einreiseformalitäten (siehe „Einreise & Tipps“). Rund 10 Stunden, 40 Minuten dauert der AUA-Jubiläumsflug mit der Boeing 777. Er verbindet zwei gastfreundliche Städte und Kulturen. Die gesamte Crew sorgt für ein sicheres Flugerlebnis und verwöhnt in allen Reiseklassen mit Getränken, Mahlzeiten, Snacks – sowie perfektem Service. Neu in der Premium Economy an Bord der Triple Seven: Virtual-Reality-Brillen, mit denen man mitten in der Kabine 3D-Puzzles bauen, Schach spielen oder Kurzfilme schauen kann.
In der Business Class trägt man Wiener Kaffeehauskultur, die UNESCO-Welterbe ist, in die Welt hinaus – vom Einspänner bis zur Melange. Das „Kaffeehaus über den Wolken“ der AUA ist zum Jubiläum in Form eines Pop-up-Cafés im Flambe Bistro von David Zeng in Shanghai „gelandet“. Warum hier? Der 34-Jährige betreibt im Xiantandi-Viertel seit fast fünf Jahren sein Restaurant, in dem auch österreichische Küche kredenzt wird.
Schnitzel und Ripperl finden sich genauso auf der Karte wie Melange oder Apfelstrudel. David hat als Kleinkind einige Jahre in Wien gelebt, wo seine Eltern ein China-Restaurant betrieben haben. Der Vorliebe für österreichisches Essen, eine geliebte Kindheitserinnerung, hat er im Lokal ein Denkmal gesetzt. Deutsch spricht David zwar nicht mehr, aber sein Vater, der in einem spontanen Telefonat zugeschaltet wird und hörbar stolz auf seinen Sohn ist – zu Recht.
Über den Dächern der Mega-City
Mit Didi, dem chinesischen Pendant zu Uber, geht es direkt zum Shanghai Tower. Majestätisch und imposant ragt der Turm in der modernen Skyline des Finanzviertels Pudong empor. Er ist mit 632 Metern das dritthöchste Gebäude der Welt und das höchste Chinas. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Metern pro Sekunde bringen die Aufzüge Besucher auf die Aussichtsplattform im 118. Stock.
Zu einem 360-Grad-Blick, der seinesgleichen sucht. Hier oben fühlt man erst so richtig die immense Größe dieser spannenden Stadt, die einem nun zu Füßen liegt. Auch dass viel in der Stadt gebaut wird, erkennt man, „City Update“ wird das genannt. Ebenso empfehlenswert ist ein Besuch der Rooftop-Bar Flair im Hotel Ritz-Carlton bei Sonnenuntergang. Der gegenüberliegende Fernsehturm Oriental Pearl Tower ist zum Greifen nahe.
Sightseeing macht hungrig. Teigtaschen und Dumplings, kleine Knödel, gefüllt mit Schweinefleisch, Trüffel, Garnelen, dazu gebratener Reis sowie Gemüse, sind ein kulinarischer Höhepunkt. Dazu gibt’s Lob von Einheimischen für die geübte Stäbchen-Haltung. Obwohl das vielfältige Nachtleben mehr als verlockend wäre, wiegt der direkte Blick auf den Shanghai Tower vom Bett des Zimmers im 21. Stock des Amara Hotels in den Schlaf.
Yu-Garten: China wie im Bilderbuch
Tag 2: Guide Kai Liu führt heute zu bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Den Weg zum Yu-Garten säumen kleine Läden, Restaurants und Straßenverkäufer, die „echte“ Luxusuhren anpreisen. Ein einfaches „Bú“ (Nein) genügt, um zu vermitteln, dass man nicht interessiert ist.
Wenig später eröffnet sich die Schönheit des über 400 Jahre alten „Gartens der Zufriedenheit“ aus der Zeit der Ming-Dynastie. Ein klassischer chinesischer Garten mit kleinen Brücken, Felsen, Wasserbecken und verschlungenen Wegen. Die heutigen Gebäude stammen jedoch aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Für den Kauf der Eintrittskarte benötigt man den Reisepass, den man deshalb immer mit sich führen sollte.
Wo Zukunft auf den Kolonialstil trifft
Besonders eindrucksvoll zeigt sich der historische Kontrast der Metropole am Bund, der rund 1,5 km langen Promenade am Westufer des Huangpu-Flusses. Hier treffen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite die prächtigen Gebäude aus der Kolonialzeit wie etwa das Zollhaus mit seinem markanten Glockenspiel im Turm, auf der anderen die moderne Skyline des Finanzdistrikts Pudong mit ihren Wolkenkratzern, darunter der Shanghai Tower.
Shanghai war aber nicht nur Handelsplatz, sondern auch Zufluchtsort: Während der NS-Zeit fanden hier tausende europäische, darunter auch österreichische Juden Schutz, da für die Einreise zeitweise weder Pass noch Visum erforderlich waren. Funkelnde Lichter an den Hochhäuser-Ensembles sorgen abends am Bund für besondere Stimmung. Nicht weit entfernt lädt die berühmte Nanjing Road zum Flanieren und Einkaufen ein. Geschäfte internationaler Marken reihen sich an lokale Läden. Oder man besucht einen der Untergrundmärkte, wo Fälschungen von der Sonnenbrille bis zur Tasche angeboten werden.
Anschließend bleibt Zeit für Erkundungen auf eigene Faust – im bestens ausgebauten U-Bahn-Netz ein Leichtes. Shanghai Museum, historischer Longhua-Tempel oder doch ein Abstecher nach Shanghai Disneyland? Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Metropole selbst.
Zum Schluss steht fest: 48 Stunden sind zwar zu wenig, um diese Stadt wirklich gut kennenzulernen. Aber genug, um viele Eindrücke zu sammeln und die Sehnsucht zu wecken, bald wiederzukommen, länger zu bleiben und tiefer in diese spannende Metropole und das Land, das sie umgibt, einzutauchen.
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