„Noch nie erlebt“

Theaterbesucher flüchteten in der Pause nach Hause

Salzburg
16.04.2026 08:00

Am Landestheater Salzburg fiel das Stück „Berlin Alexanderplatz“ beim Publikum durch. Bei ohnehin schon nicht ausverkauftem Haus verließen viele Besucher nach der ersten Hälfte das Theater. Am Ensemble lag es nicht. 

„Es gibt keinen Grund, zu verzweifeln!“ Diese Worte, mit denen das Stück „Berlin Alexanderplatz“ nach der Pause wieder begann, bringt am Dienstagabend einige Zuschauer im Salzburger Landestheater zum Lachen. Die Darsteller vermutlich eher zum Weinen: Denn bei der zweiten Aufführung des Stückes nach der Premiere verließen viele Besucher in der Pause fluchtartig Parkett und Ränge.

„Noch mehr als bei der Premiere“
Eine Platzanweiserin ist ganz bestürzt: „Heute sind ja noch mehr Leute abgezogen als in der Premiere! So etwas habe ich noch nie erlebt!“ Dabei war die Vorstellung ohnehin bei Weitem nicht ausverkauft.

An der Kulisse und den Schauspielern lag es nicht.
An der Kulisse und den Schauspielern lag es nicht.(Bild: SLT / Christian Krautzberger)

Die „Krone“ hat mit einigen der Flüchtenden gesprochen. „Es war toll gespielt und eine wunderbare Kulisse, aber viel zu düster!“, findet eine Pensionistin. Eine andere Frau stöhnt über die Langatmigkeit. Viele betonen, dass es nicht am Können der Schauspieler oder am Bühnenbild liege. Viel mehr an dem Stück. Eine düstere Geschichte aus der Weimarer Republik, in der es um einen Mann geht, der eigentlich anständig bleiben will – und daran scheitert.

Für die „Krone“ ist die Inszenierung als Musiktheater gewöhnungsbedürftig. Etwa, wenn ein britischer Hauptdarsteller mit ebenso einem Akzent im Berliner Dialekt opernhaft singt.

In der zweiten Hälfte sind die Plätze nur noch gefühlt zu einem Fünftel besetzt. Ein Mann im Parkett schläft, ein anderer spielt mit seinem Handy. Zwei Frauen schlüpfen 20 Minuten vor Schluss aus dem Saal. Die verbliebenen Besucher applaudieren immerhin.

Landestheater Salzburg

  • In der bisherigen Saison sahen über 100.000 Besucher 302 Vorstellungen.
  • Knapp ein Viertel des Publikums sind junge Menschen.
  • Die Auslastung liegt laut Landestheater bei 83 Prozent. 
  • Besonders beliebt ist bei den Zusehern das Ballett. 

Für die kommenden Vorstellungen ist das Stück auch nur mäßig gebucht. Schade, denn das Landestheater präsentierte am Mittwoch sein Programm für die kommende Spielzeit unter dem Motto „Kunst der Versöhnung“. Unter anderem werden Rossinis „L‘italiana in Algeri“ und das Ballett „Giselle“ gezeigt. In der aktuellen Spielzeit sei man zufrieden mit der hohen Auslastung und steigenden Abonnements. 

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