27.09.2019 11:39 |

Test in Australien

Daumen weg: Facebook schafft „Likes“-Anzeige ab

Facebook-Nutzer in Australien sehen bis auf Weiteres nicht mehr die Zahl der „Gefällt mir“-Angaben für die Beiträge anderer Nutzer. „Wir wollen nicht, dass sich Facebook wie ein Wettbewerb anfühlt“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Mit dem Test reagiert Facebook auf Vorwürfe, wonach soziale Netzwerke der psychischen Gesundheit schaden.

Durch den Klick auf den „Gefällt mir“-Button bekunden Facebook-Nutzer, dass ihnen Kommentare, Fotos oder Videos anderer Nutzer gefallen. Während der Testphase in Australien sehen Nutzer nun nur noch die Zahl der Reaktionen auf die eigenen Beiträge. Nach Abschluss des Tests will Facebook nach eigenen Angaben entscheiden, ob die „Gefällt mir“-Angaben künftig auch in anderen Ländern versteckt werden sollen. Zur Laufzeit des Experiments äußerte sich das Unternehmen nicht.

Wachsende Kritik
Weltweit nutzen mehr als zwei Milliarden Menschen Facebook. Allerdings sieht sich das Netzwerk wachsender Kritik ausgesetzt, wonach die Reaktionen anderer auf Nutzerbeiträge einen hohen sozialen Druck erzeugen.
Nach Angaben des australischen Beauftragten für Sicherheit im Internet hat eines von fünf Kindern in Australien schon einmal Cyber-Mobbing erlebt. Für landesweites Aufsehen sorgte der Suizid eines 14-jährigen Mädchens im vergangenen Jahr, nachdem es online gemobbt worden war.

Die zu Facebook gehörende Foto-Plattform Instagram testet derzeit bereits in mehr als einem halben Dutzend Ländern das Modell, dass nur noch der Inhaber des jeweiligen Kontos die Zahl seiner Likes sehen kann, nicht aber die anderen Nutzer. Facebook teilte mit, es gehe davon aus, dass die Testergebnisse bei beiden Netzwerken unterschiedlich ausfallen würden.

„Skepsis und Anerkennung“
Die auf Cyber-Psychologie spezialisierte Wissenschaftlerin Jocelyn Brewer sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie nehme das Facebook-Experiment mit einer Mischung aus „Skepsis und Anerkennung“ zur Kenntnis.
Sie warnte allerdings davor, dass sich durch das Verstecken der „Gefällt mir“-Angaben ein neues Statussymbol in dem Online-Dienst entwickeln könne. Es sei wahrscheinlich, dass die Nutzer sich der neuen Situation anpassten und auf andere Weise digitale Anerkennung ausdrücken würden - und so wieder sozialer Wettbewerbsdruck entstehe.

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