Kliens Dienstwagen

Honda Legend, Christian Kliens neuer Dienstwagen

Motor
14.01.2009 13:50
Christian Klien hat sich bei Honda, seinem neuen Formel-1-Team, schon richtig gut eingelebt. Ab sofort fährt er nicht nur dienstlich Honda (als Testfahrer in der Formel 1), sondern auch privat. Er hat sich einen Honda Legend als Dienstwagen abgeholt. Der Legend ist voll- bis überausgestattet und stürzt sich mit 295 PS auf die Piste. Wir haben ihn Probe gefahren.

Er hat so ziemlich alles serienmäßig an Bord, was gut und teuer ist, technisch wie ausstattungsseitig. Besonders aufwendig ist der Allradantrieb, der jedes Rad einzeln ansteuert und wenn nötig auch ein einzelnes Rad beschleunigt, und sogar eng mit dem ESP zusammenarbeitet. Dadurch verspricht Honda ein besonders tolles Handling. In der Praxis ist der Legend aber dennoch eher schwerfällig, das Fahrwerk ist einfach zu weich, um die angekündigten „Handlingeigenschaften, wie Sie sie nur von einem Sportwagen erwarten würden“, darzustellen. Am Display unter dem Tacho lässt sich sogar ablesen, wie viel Kraft gerade an welches Rad geschickt wird – nur wer braucht das? 

Geht ganz schön ab
Sportliche Eigenschaften hat dagegen zweifellos der 3,5-Liter-V6-Motor. Er leistet 295 PS bei 6.200 U/min und legt ein maximales Drehmoment von 351 Nm bei 5.000 U/min in die Waagschale. Hohe Drehzahlen sind also gefragt, und die lassen den ansonsten angenehm ruhig agierenden Leichtmetallmotor laut und angestrengt wirken. Zu allem Überfluss dreht die erste Fahrstufe der 5-Gang-Automatik gnadenlos hoch, wenn man das Gaspedal nicht nur sanft streichelt. Hier wäre zumindest eine wahlweise Komfortabstimmung auf Knopfdruck wünschenswert. Man kann mit den Lenkradtasten aber auch manuell schalten. Am Rande bemerkt: Der Automatikhebel dürfte durchaus näher an den markierten Stufen einrasten, dann wüsste man besser, wo man sich gerade befindet.

Positiv fällt auf, dass der Legend aus dem Stand abgeht wie die Feuerwehr, da gibt es keine Automatik-Gedenksekunde, wie man sie bisweilen bei Autos aus Stuttgart oder München erleben kann. Gibt man ihm die Sporen, ist er in 7,3 Sekunden auf 100, bei 250 km/h wird wie üblich abgeregelt.

Sportlich kommod
Die Sitze haben Kinoqualität und bieten dennoch ausreichend Seitenhalt, zwei Memory-Tasten speichern die Fahrereinstellungen. Platz genommen also für das Mäusekino, man braucht auch ein bisschen, um sich in Sachen Bedienung zurechtzufinden. Die Knöpfe sind zahlreich und verstreut, Heizung und Lüftung lassen sich (abgesehen von der Temparatureinstellung) ausschließlich über das Menü bedienen, dafür muss man sich dann von der Durchschnittsverbrauchsanzeige auf den Arm nehmen lassen. Die zeigt nämlich nur maximal 20,0 Liter auf 100 Kilometer an, was wirklich ein Witz ist. Im Stadtverkehr wurden ausschließlich 20 Liter angezeigt, tatsächlich dürfte der Verbrauch deutlich höher gelegen haben. Da kann ich auf die Verbrauchsmessung generell und erst recht getrennt für zwei Tages-Kilometerzähler wirklich verzichten.

Die Außenspiegel sind angenehm groß, warum sie getönt sein müssen, bleibt mir verschlossen, der Bose-Sound ist angemessen für diese Fahrzeugklasse, der Abstandsregeltempomat ist nett, reguliert aber etwas hektisch und die Sprachsteuerung ist eine Spielerei, die in diesem Auto so notwendig ist wie der Umschaltknopf für Mittelwelle/UKW am Multifunktionslenkrad. Der Bremsassistent nervt durch häufiges Piepsen, wenn es ihm im normalen Stadtverkehr zu eng wird. Das Rückfahrkino ist nett, bringt’s aber nur, wenn man relativ gerade auf ein Hindernis zu rollt. Was an den Ecken passiert, ist schwer einzuschätzen.

Das Navigationssystem hat eine besonders tolle Funktion: Es schlägt fünf verschiedene Routen vor, aus denen man sich eine aussuchen kann.

Den soliden Eindruck, den der gefällig gestylte Legend eigentlich hinterlässt, hat der Testwagen leider gleich getrübt: Beim Zuschlagen der Fahrertür klappert’s und ein Lamperl der Temperaturregulierung ist ausgefallen.

Fazit: Keine Legende
Für 66.800,-- Euro gibt es also ein topausgestattetes Auto, das eine ganze Menge Stückl’n spielt (vielleicht sogar ein paar zu viel), dem echte Stärken jedoch fehlen. Das gilt auch für den Dieselmotor, den es nicht gibt, was das Fußfassen auf dem europäischen Markt schwer machen wird. Hauptmarkt für den Legend ist natürlich der amerikanische (daher auch der MW-Knopf am Lenkrad). Die Aufpreisliste ist sehr kurz, was den Honda zum Sonderangebot im Vergleich zur Konkurrenz macht, wenn man sie entsprechend ausstattet. Viel mehr als Parksensor, Holzlenkrad und Dachträger lässt sich nicht extra ordern. Image leider auch nicht, dafür gibt’s Understatement gratis.

Von einem legendären Auto, wie es der Name erwarten lässt, kann man leider nicht sprechen. Aber vielleicht entwickeln sich ja Auto und Formel-1-Fahrer weiter - und schreiben beide bald Geschichte...

Stephan Schätzl

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