So, 19. August 2018

i3- und i8-Knowhow

19.04.2015 13:50

Auf Abnahmefahrt mit dem neuen 7er-BMW

"Ich habe das Gefühl, in einem viel kleineren Auto zu sitzen." Was für den Laien nicht nach einem Kompliment für eine Oberklasse-Limousine klingt, freut den obersten Fahrwerksentwickler auf dem Beifahrersitz des neuen 7er-BMW: Vor allem dann, wenn dieser Satz nach einer schnellen Hatz durch enge Kurven und Slalom-Parcours ausgesprochen wird, bei dem weder das rund fünf Meter lange Auto noch der Fahrer ins Schwitzen gekommen sind.

Noch ist der neue 7er-BMW in der Feinabstimmung, nach der IAA im September kommt er auf den Markt. Auf der BMW-eigenen Teststrecke in Miramas fahren die Limousinen deshalb getarnt mit schwarz-weißer Beklebung, der Innenraum ist mit Tüchern verhängt. Dass man nicht so viel vom neuen Auto sieht, ist für den Moment nicht so schlimm, geht es doch vor allem um das, was man spürt.

Allradlenkung und Allradantrieb
Um das gute Gefühl bei dynamischer Fahrt um die Kurven zum Beispiel, wenn die Hinterräder mitlenken und die Stabilisatoren das Wanken der Karosserie aktiv verhindern. Die weiterentwickelte Allradlenkung kann in der neuen Generation 7er auch mit Allradantrieb kombiniert werden. "Beim Handling kaschieren wir die Größe des Fahrzeugs", erklärt BMWs oberster Fahrwerksentwickler Peter Langen seine Freude über den eingangs erwähnten Satz. Zur perfekten Handlichkeit hat auch der drastische Leichtbau beigetragen, der dem neuen 7er – unter anderem durch ein Einsatz von Carbon - 130 kg einspart und zudem den Schwerpunkt senkt.

Carbon-Knowhow aus i3 und i8 macht den 7er leicht
So sind unter anderem Kardantunnel oder Querleisten im Dach aus dem sehr festen, aber besonders leichten Werkstoff. In Hybridbauweise – also zusammen mit Stahl – haben die Münchner CFK auch beispielsweise an der B-Säule eingesetzt.

Eingeflossen in die als "Carbon Core" bezeichnete Karosseriestruktur ist die Erfahrung der BMW-Ingenieure bei i3 und i8. Laut BMW wird CFK im 7er zum ersten Mal im Karosseriebau im Verbund mit Stahl, Aluminium und Kunststoff verwendet. Weitere Gewichtsoptimierungsmaßnahmen umfassen beispielsweise den vermehrten Einsatz von Aluminium, wie bei Hinterachsquerlenkern oder Bremssätteln, aber auch 12 kg Einsparungen an Dämmmaterialien.

Insgesamt haben die Gewichteinsparungen sogar ein Minus von 200 kg eingebracht, allerdings kommen 70 kg durch zusätzliche Sicherheits- und Komfortfeatures wieder hinzu. Das genaue Gewicht gibt BMW noch nicht bekannt, die Oberklasse-Limousine dürfte aber bei etwa 1,7 Tonnen liegen, was relativ wenig ist für ein Fahrzeug der Fünf-Meter-Liga.

Neues Zeitalter der BMW-Bedienung
Rund 340.000 Exemplare der aktuellen Generation der Chef-Limousine sind seit 2008 verkauft worden, zurzeit geht knapp die Hälfte der Produktion nach China. Dort ist das Münchner Stufenheck Statussymbol für junge Erfolgstypen: Im Schnitt 38 Jahre alt ist der chinesische 7er-Käufer. Das globale Durchschnittalter liegt bei Mitte/Ende 50.

Eine Bandbreite an kulturellen und altersspezifischen Geschmäckern, die die neue Generation befriedigen muss. Ein Beispiel: Die junge, technikaffine chinesische Kundschaft erwartet eine Bedienung, die sie aus der Unterhaltungselektronik kennt: Touchscreens. Die gesetzten Fans haben sich mit Müh und Not an das Scrollen mit dem Dreh-Drück-Steller gewöhnt. Um allen gerecht zu werden, können die Funktionen nun redundant über den Touchscreen oder das Drehrädchen angewählt werden. Ach ja, die Schriftzeicheneingabe funktioniert natürlich auch noch. Nicht zu vergessen die verbesserte Spracheingabe, für die man nun keine Befehle mehr lernen muss, sondern mit der man laut BMW ganz normal reden kann.

Als weitere Bedien-Option ist die Gestensteuerung, die auch ohne Übung fast auf Anhieb funktioniert, brandneu: Vier verschiedene Handzeichen gibt es, vor der Mittelkonsole ausgeführt werden sie von der Kamera erkannt. Lässt man beispielsweise den Zeigefinger rechts herum kreisen, dreht man die Musiklautstärke lauter (links rum leiser). Einen Anruf nimmt man mit dem Tippen eines Fingers in die Luft an oder lehnt ihn mit einer Wisch-Bewegung ab. Die vierte Geste – das Tippen mit zwei Fingern in die Luft – lässt sich frei belegen.

Neuer Fahrmodus: Adaptive
Aus der Notwendigkeit, verschiedenste Geschmäcker mit einem sehr auf sie zugeschnittenen Produkt zu bedienen, haben die BMW-Entwickler auch in anderen Hinsicht eine Tugend gemacht und den Fahrmodus "Adaptive" am serienmäßigen Fahrerlebnisschalter erfunden. Denn: Natürlich muss ein 7er allein schon aus Image-Gründen auf dem Rundkurs bestehen können ("Das ist das Versprechen unseren Kunden gegenüber", so Langen). Für die meisten Selbstfahrer wichtiger dürfte aber die Performance auf einer kurvigen Landstraße sein, das Spezialgebiet des "Adaptive Mode".

Denn während bei Comfort+ das serienmäßige Luftfahrwerk (in der neuen Generation vorn und hinten) auf dem Holperstück des Testgeländes die Unebenheiten so fein wegbügelt, dass es sich anfühlt, als säße man auf einem Daunenkissen, und auch der Modus Comfort seinem Namen alle Ehre macht, macht "Sport" zwar einen Heidenspaß, ist aber auf Dauer nichts, wenn die Frisur der Gattin nicht verrutschen soll. Der Kompromiss-Knopf (im besten Sinne) "Adaptive" reagiert auf Fahrpedal- und Lenkradbewegungen sowie Navidaten und stellt Antriebs- und Fahrwerkssysteme automatisch passend zur Situation ein.

"Folgen Sie dem Wagen!"
Ein weiteres Argument dafür, vom Platz rechts hinten öfter mal an das Steuer der Chauffeurslimousine zu wechseln, sind neue Assistenzsysteme, die vor allem das Langstreckenfahren angenehmer machen: Der Lenkassistent (bis 210 km/h) hält das Fahrzeug in der Spurmitte und funktioniert auch noch, wenn die Kamera die Fahrspurmarkierungen nicht mehr erkennt, indem der 7er sich dann am vorausfahrenden Auto orientiert. Nicht zu verwechseln mit dem weiterentwickelten Spurassistenten, der das Auto erst einfängt, wenn es über die Markierung zu driften droht – und neuerdings auch gegenlenkt, wenn er auf der Nebenspur Kollisionsgefahr erkennt. Selbst das Aussteigen macht der 7er dem Fahrer angenehm: Neben dem Fahrzeug stehend kann er mit einem Tipp auf den Schlüssel, der neuerdings ein Display hat, das ferngesteuerte Parken aktivieren und das Schiff rollt und lenkt selbstständig in die Lücke.

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