Ein neues Gehaltssystem, das erfahrene Mitarbeiter in Gesundheitsberufen zum Teil massiv benachteiligt: In Tirol wollen das Betroffene nicht mehr hinnehmen. Der Frust ist groß, wie Pflegekräfte berichten: „30 Jahre bin ich jetzt dabei, aber da fühlt man sich echt verarscht.“ Die „Krone“ hat sich umgehört.
Es rumort seit geraumer Zeit. Doch jetzt könnte sich der Widerstand – ausgehend von den Tirol Kliniken – auf ganz Tirol ausweiten. „Wir werden nicht locker lassen, bis das Zwei-Klassen-Entlohnungssystem bei den öffentlichen Gesundheitsberufen abgeschafft ist“, zeigte sich am Freitag Birgit Seidl, Zentralbetriebsratsvorsitzende der Tirol Kliniken, bei einer Betriebsversammlung vor der Klinik kämpferisch.
Einige überlegen sogar eine Kündigung. Bei einer Wiedereinstellung mit neuem Vertrag würden sie dann besser aussteigen.
Ein Pfleger
Viele ihrer Zuhörer sind Pflegekräfte. „30 Jahre bin ich jetzt hier. Es ist schon bitter, wenn man trotz dieser Erfahrung deutlich weniger als neue Kollegen verdient. Man fühlt sich – ich muss es so sagen – verarscht“, beschreibt eine der Teilnehmerinnen ihre Gefühlslage. Ein anderer berichtet von Kollegen, die an Kündigung denken: „Bei einer Wiederanstellung würden sie dann deutlich besser aussteigen, als mit dem alten Vertrag. Das ist doch absurd.“
Umstieg in neues System ist nicht mehr möglich
Worum geht es? Das Land hat das Gehaltssystem der öffentlichen Gesundheitsberufe vor einigen Jahren reformiert. Mitarbeiter mit Altverträgen konnten einige Zeit ins neue System wechseln. „Vielen wurde abgeraten, weil die Bedingungen im neuen Entlohnungssystem schlechter waren“, erklärt Seidl. 2025 besserte das Land bei Neuverträgen nach. Das Problem nur: Die Möglichkeit für einen Umstieg gab es da nicht mehr. „Zahlreiche Mitarbeiter mit Erfahrung steigen jetzt deutliche schlechter aus als neue Kollegen. Der Unterschied macht zum Teil hunderte Euro im Monat aus. Zuletzt hatten wir einen Fall mit 700 Euro Gehaltsunterschied“, rechnet Seidl vor und betont, „dass diese Ungerechtigkeit nicht nur Spitäler betrifft, sondern auch Pflegeheime“.
Der Betriebsrat fordert eine gesetzliche Überführung aller in das bessere Gehaltssystem. „Oder zumindest die Option darauf“, formuliert es Seidl. Andere Bundesländer mit ähnlichen Problemen hätten dies geschafft: „Tirol ist säumig.“
Gesundheitslandesrätin: „Keine Änderung geplant“
Den Vergleich mit anderen Bundesländern hält Gesundheits-LR Cornelia Hagele (ÖVP) nicht für zulässig: „Die Gehaltssysteme sind nur bedingt vergleichbar.“ Eine generelle gesetzliche Überführung aller Beschäftigten in das neue Gehaltssystem sei derzeit nicht vorgesehen, hält die Landesrätin fest. Und sie verweist auf andere Verbesserungen, etwa für Nacht- und Wochenenddienste. Das wiederum ist für die Teilnehmer der Betriebsversammlung kein Argument: „Nicht jeder macht solche Dienste und fällt damit um diese Verbesserungen auch noch um.“
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