Sollte Model T heißen

Tesla Roadster: Noch vieles offen beim Flugauto

Motor
20.10.2026 15:23

Nachdem sich der Rauch verzogen hat und das Netz bereits voll ist von echten und KI-generierten Videos mit dem fliegenden Tesla Roadster, landen wir mal kurz auf dem Boden der Tatsachen. Und auf dem ist der „Rdstr“ nun ganz einfach über die österreichische Tesla-Website bestellbar. Nur eben nicht die Version, die wirklich abhebt.

Ein besseres Marketing kann man sich kaum vorstellen. Allein der durch die Präsentation des Fahr- bzw. Kurzzeitflugzeugs generierte Werbewert wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Ein Bruchteil der wahrscheinlichen Entwicklungskosten des Roadsters, kann doch schon die Entwicklung eines normalen Autos samt Plattform eine Milliarde Euro kosten. Ohne die aufsehenerregenden Gimmicks.

Flügel haben alle Tesla Roadster – fliegen können nur die wenigsten.
Flügel haben alle Tesla Roadster – fliegen können nur die wenigsten.(Bild: Tesla)

Warum heißt er eigentlich nicht Model T?
Also, das Auto, das jeder bestellen kann, wird nicht fliegen – und es wird auch kein Roadster sein. Man kann zwei Dachteile herausnehmen, dann bleibt eine Längsstrebe stehen. Ein T-Top also. Ebenso naheliegend wie passend wäre also der Name Tesla Model T, jedenfalls richtiger als Roadster. Das wird aber wohl nicht nur daran scheitern, dass Ford etwas dagegen haben könnte – die Company erneuert die Markenrechte regelmäßig.

Was kommt wirklich?
Derzeit sind drei Versionen angekündigt, wovon man zwei bestellen bzw. genauer gesagt vorreservieren kann. Eine Version, die zusätzlich zu erwarten ist, wird jedoch nicht erwähnt: ein ganz normales Elektroauto mit vier Sitzen, das die Massen kaufen können. Davon ist aber auszugehen, denn Teslas Geschäftsmodell sind nicht teure Einzelstücke, sondern Stückzahlen.

Aber für ein normales E-Auto wird man jetzt noch keine Bestellung abgeben wollen. Schließlich steht in den Sternen (ja, dort wo Musk ein Exemplar des ersten Tesla Roadsters hingeschossen hat), wann die Serienproduktion startet. Eigentlich war sie für 2020 angekündigt, jetzt für 2028.

Was kann man schon bestellen?
Reservieren kann man folgende zwei Versionen Performance und Thrust, ganz normal auf der österreichischen Website. In beiden Fällen werden sofort 5000 Euro fällig, innerhalb von zehn Tagen dann 45.000 Euro für den Performance und 245.000 Euro für den Thrust. Die Version „Rocket“ steht da nur als Appetitanreger „auf Einladung“.

50.000 beziehungsweise 250.000 Euro sind jedoch keine Kaufpreise. Wie viel die Autos letztlich kosten werden, weiß niemand, denn die Preise stehen noch gar nicht fest.

Die Reservierung sichert laut Tesla lediglich eine ungefähre Position in der Reihenfolge. Sie ist weder Fahrzeugkauf noch verbindliche Bestellung. Auch der Zeitpunkt der Auslieferung bleibt offen. Erst näher am Produktionsstart will Tesla die Kunden zur Konfiguration einladen und einen Kaufvertrag ausstellen. Die bereits bezahlte Reservierungssumme wird dann auf den Fahrzeugpreis angerechnet – oder zurückgezahlt, wenn man storniert. Man kann das auch als riesiges Darlehen mit offener Laufzeit sehen.

Tesla Roadster Performance
Am klarsten ist derzeit der Roadster Performance definiert. Tesla bezeichnet ihn als „straßentauglich“ und sieht zwei Sitzplätze vor. Er besitzt aktive Aerodynamik und ein elektrisch betriebenes Saugsystem unter dem Auto. Mehrere Lüfter erzeugen Unterdruck und damit hohen Abtrieb bereits im Stand. Sie sollen insgesamt rund 80 Kilowatt Leistung aufnehmen und bis zu 2G zusätzlichen Abtrieb erzeugen.

Die Rede ist von einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter zwei Sekunden oder sogar unter 1,6 Sekunden für die Beschleunigung auf 60 mph (knapp 97 km/h).

Die Antriebstechnik soll auf der Technik des Model S Plaid basieren. Die zwei E-Motoren an der Hinterachse sollen rund ein Megawatt leisten. Tesla bezeichnet das gezeigte Fahrzeug allerdings ausdrücklich als „prototype with production intent“, also „Einzelstück mit Produktionsabsicht“. Zu Deutsch: Wer weiß, was kommt.

So funktioniert der Düsenantrieb des Tesla Roadster

Die Kaltgas-Düsen werden mit komprimierter Luft bzw. Gas betrieben, das in einem von SpaceX entwickelten Hochdrucktank (COPV – Composite Overwrapped Pressure Vessel) bei rund 700 bar) gespeichert ist.

Das System lässt den komprimierten Druck über Ventile gezielt in die Kaltgas-Triebwerke (Cold-Gas-Thruster) strömen, wo die rasche Expansion des Gases den Schub erzeugt.

Eine vom Fahrzeug-Akku angetriebene Pumpe bzw. ein Onboard-Kompressor sorgt dafür, den Tank unter Druck zu halten.

Vollen Schub gibt es für drei bis fünf Sekunden, dann muss für einige Stunden nachgefüllt werden.

Tesla Roadster Thrust
Der Thrust besitzt ebenfalls zwei Sitze und das Saugsystem. Zusätzlich montiert Tesla Kaltgastriebwerke am Heck. Sie liefern zusätzlichen Schub beim Beschleunigen. Tesla gibt für die Hecktriebwerke mehr als 80 Kilonewton Schub an. 0 auf 100 km/h soll in weit weniger als einer Sekunde möglich sein. 

Tesla Roadster Rocket
Der Rocket ist die extremste Ausführung. Er hat nur einen Sitz. Der Platz des Beifahrers wird unter anderem für die Hochdrucktechnik benötigt. Kaltgastriebwerke rund um das Auto ermöglichen zusätzlichen Schub nach vorne und oben sowie Drehbewegungen in der Luft. Der wird in keinem Land der Welt eine Straßenzulassung erhalten (die schon beim Thrust zweifelhaft ist). Aber wenn Geld keine Rolle spielt und jemand eine Privatinsel hat, warum nicht?

Brief ans Christkind
Sieht man sich das Kleingedruckte des Reservierungsvertrages an, merkt man, dass das Ganze nach einem veritablen Schuss ins Blaue aussieht. Tesla schreibt ausdrücklich, dass man nicht garantieren kann, wann er ausgeliefert wird. Nicht einmal, ob er überhaupt ausgeliefert wird. Aber bis sich das herausstellt, träumen wir weiter vom fliegenden Auto.

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