Zum Ukraine-Krieg

Studie: Mehr Desinformation auf X nach Musk-Kauf

Digital
06.11.2026 08:03
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Zahl schwerwiegender Desinformationen zum Ukraine-Krieg ist in der Umbruchphase der Kurznachrichten-Plattform Twitter hin zu X sprunghaft gestiegen. Das geht aus einer Analyse des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW zusammen mit den Universitäten in Rotterdam und Mannheim hervor.

Dabei wurden im Zeitraum von Ende März bis Mitte Mai 2023 rund 1,9 Millionen englischsprachige Tweets zu dem militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine unter die Lupe genommen, zudem 6,5 Millionen Re-Tweets. Ein winziger Anteil von 0,08 Prozent der Accounts produzierte dabei fast ein Drittel der als moderat oder schwer eingestuften Desinformationen.

Ein Großteil der auffälligen Accounts wurde demnach am 28. Oktober 2022 erstellt, als Musk Twitter offiziell übernahm. Allein an diesem Tag wurden über 2400 solcher Accounts aktiv – fast 60-mal so viel wie an durchschnittlichen Tagen.

Am 6. April 2023 wurden Beschränkungen aufgehoben, die die Sichtbarkeit staatlich kontrollierter Medienkonten auf der Plattform einschränkten. Dadurch erhöhte sich deren Reichweite. Außerdem wurde vom 5. bis zum 8. April die Kennzeichnung „staatlich kontrolliert“ fälschlicherweise auch auf unabhängige westliche Medien wie National Public Radio (NPR) und die British Broadcasting Corporation (BBC) angewendet.

Laut ZEW-Forscherin Raphaela Andres kam es daraufhin „zu einem deutlichen Anstieg an Desinformations-Accounts und entsprechenden Beiträgen. Wir beobachten, dass viele Accounts, die später Falschinformationen verbreiteten, genau während der Plattform-Umbruchphasen neu erstellt wurden.“ Das könnte auf ein strategisches Vorgehen hinweisen.

„Ohne wirksame Gegenmaßnahmen droht ein Teufelskreis“
Die gestiegene Menge an Desinformationen auf X kann den Autoren zufolge Auswirkungen auf KI-Systeme haben. Künstliche Intelligenz könne Falschinformationen als Fakten wiedergeben und damit noch verstärken. „Ohne wirksame Gegenmaßnahmen droht ein Teufelskreis“, so Studienautorin Olga Slivko von der Erasmus-Universität Rotterdam.

Zu den oft verwendeten Narrativen gehört vor allem, die von Russland angegriffene Ukraine als gescheiterten, korrupten und extern kontrollierten Staat darzustellen. Eine weitere Erzählung ist, dass im Westen und in den dortigen Medien die Eliten des Landes gegen einfache Bürger arbeiten. Außerdem wurde vielfach dargelegt, dass Russland nur defensiv auf Handlungen des Westens reagiert. Ferner wurden westliche Institutionen als heuchlerisch, ineffektiv und moralisch auf dem Abstieg dargestellt.

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