




218 PS, nur 196 Kilogramm und bis zu 283 km/h: BMW hat das stärkste serienmäßige Naked Bike der Welt vorgestellt. Die neue M 1000 RS übernimmt den Motor des Superbikes M 1000 RR und ist auf 1000 Exemplare limitiert. Auch der Preis ist ziemlich exklusiv.
Bei 283 km/h möchte man auf einem Motorrad eigentlich ganz gern hinter einer Verkleidung verschwinden. BMW hält das offenbar für überbewertet und präsentiert mit der neuen M 1000 RS einen ziemlich radikalen Ansatz: die volle Leistung eines Superbikes, ein breiter Lenker und eine weitgehend unverkleidete Maschine. Das Ergebnis ist das nach eigenen Angaben stärkste Hyper Naked Bike der Welt. Und möglicherweise eines der unvernünftigsten Motorräder, die derzeit für den Straßenverkehr gebaut werden.
218 PS leistet der Einliter-Reihenvierzylinder, der direkt aus der BMW M 1000 RR stammt. Und die hat bekanntermaßen ihre Wurzeln im Rennsport, Stichwort World SBK. Die Höchstleistung liegt bei gewaltigen 14.500 Umdrehungen an, das maximale Drehmoment von 113 Newtonmetern bei 11.000 Touren. Der Motor verlangt also durchaus nach Drehzahl, wenn es richtig zur Sache gehen soll.
Die variable Einlassnockenwellensteuerung ShiftCam soll dafür sorgen, dass der Vierzylinder auch in niedrigeren Drehzahlregionen ordentlich arbeitet. Für die Übertragung der Leistung sorgt ein Sechsganggetriebe mit umkehrbarem Schaltschema samt Quickshifter.





Viel mehr PS als Kilogramm
Besonders eindrucksvoll ist das Leistungsgewicht. Fahrfertig und vollgetankt bringt die BMW gerade einmal 196 Kilogramm auf die Waage. Damit stehen jedem Kilogramm Motorrad rund 1,11 PS gegenüber. Oder umgekehrt: Ein PS muss lediglich 900 Gramm Motorrad bewegen. Der Fahrer kommt allerdings noch dazu.
Für den Sprint auf Tempo 100 gibt BMW 3,2 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 283 km/h. Dass die Beschleunigungszeit trotz der enormen Leistung nicht noch spektakulärer ausfällt, liegt auch an den physikalischen Grenzen eines Motorrads: Irgendwann will sich das Vorderrad lieber in die Luft heben als auf dem Asphalt bleiben.
Die M 1000 RS basiert technisch auf der bereits bekannten M 1000 R mit Competition-Paket, geht aber bei der Motorleistung noch einen Schritt weiter. Die bisherige M 1000 R bringt es auf 210 PS. Selbst die aktuelle Ducati Streetfighter V4 mit ihren 214 PS muss sich bei der serienmäßigen Motorleistung knapp geschlagen geben. Mit einer speziellen, nicht straßenzugelassenen Rennsportauspuffanlage kommt die Italienerin allerdings auf bis zu 226 PS. Die KTM 1390 Super Duke R bleibt mit 190 PS leistungsmäßig darunter, setzt mit 145 Nm aber stärker auf gewaltigen Drehmomentdruck.







Carbon, Titan und ein Superbike-Heck
Auch bei der Ausstattung greift BMW ganz oben ins Regal. Carbonräder gehören ebenso zur Serie wie eine komplette Titan-Auspuffanlage und aerodynamische Winglets aus mattem Carbon. Letztere sollen bei hohen Geschwindigkeiten helfen, das Vorderrad auf dem Asphalt zu halten. Angesichts der Kombination aus Leistung, Gewicht und Sitzposition erscheint das durchaus sinnvoll.
Das Heck stammt von der vollverkleideten M 1000 RR, der Aluminiumtank zeigt seine gebürstete Oberfläche. Dazu kommen reichlich weitere Carbonteile und ein dunkles Erscheinungsbild. Wer bunte M-Streifen erwartet, wird enttäuscht. Die neue RS gibt sich optisch eher düster und martialisch.
Auch die Sitzposition wurde gegenüber der M 1000 R verändert. Die Fußrastenanlage stammt vom Superbike, die Sitzhöhe wurde um 20 Millimeter auf 850 Millimeter angehoben. Dadurch sitzt der Fahrer stärker nach vorne orientiert. Die Fußrastenanlage ist einstellbar.
Das elektronisch geregelte Fahrwerk DDC passt die Dämpfung an die jeweiligen Bedingungen an. Gebremst wird vorne mit zwei 320-Millimeter-Scheiben und radial montierten Vierkolbensätteln. Dazu kommen Kurven-ABS, Traktionskontrolle, verschiedene Fahrmodi und ein umfangreiches Elektronikpaket für den Rennstreckeneinsatz.

Bemerkenswert: Trotz der kompromisslosen Ausrichtung sind sogar Heizgriffe und Tempomat serienmäßig. BMW scheint also zumindest theoretisch mit der Möglichkeit zu rechnen, dass jemand mit diesem Geschoss auch einmal gemütlich unterwegs sein möchte.
50.000 Euro für 1000 Glückliche
Wobei Gemütlichkeit bei einer Maschine mit 218 PS, praktisch ohne Windschutz und einer derart sportlichen Sitzposition wohl relativ ist. Immerhin bietet BMW gegen Aufpreis einen kleinen Windschild, eine Lenkererhöhung und sogar ein Soziuspaket an. Serienmäßig ist die M 1000 RS auf den Fahrer konzentriert.
Die Exklusivität ist jedenfalls garantiert. Weltweit will BMW exakt 1000 Exemplare bauen, die ab März 2027 bei den Händlern stehen sollen. In Deutschland kostet die Maschine stolze 40.000 Euro. Ein österreichischer Preis wurde noch nicht bekannt gegeben, man kann aber angesichts von NoVA und höherer Mehrwertsteuer von rund 50.000 Euro ausgehen.
Zum Vergleich: Die reguläre BMW M 1000 R beginnt hierzulande bei 28.590 Euro, die M 1000 RR bei 43.890 Euro. Böse gesagt: 6000 Euro für das Weglassen der Vollverkleidung – und eine Extraportion Wahnsinn.
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