Österreich bekommt eine weitere chinesische Automarke: Great Wall Motor startet nach dem jüngsten Europa-Fahrplan im ersten Quartal 2027 bei uns. Den Anfang sollen der kompakte Ora 5 und das kantige SUV Haval H7 machen. Gleichzeitig beginnt GWM mit der Autoproduktion in Europa.
Eigentlich hätte Great Wall Motor schon in diesen Wochen in Österreich loslegen sollen. Im August hatte der künftige Importeur Grand Automotive den Marktstart noch für das vierte Quartal 2026 angekündigt und mit dem Aufbau eines Händlernetzes begonnen. Der jetzt auf dem GWM Tech Day in Mailand vorgestellte Europa-Plan nennt für Österreich allerdings das erste Quartal 2027. Auch Tschechien, Rumänien, Ungarn und Griechenland sollen dann dazukommen.
Ein paar Monate hin oder her machen das Kraut allerdings auch nicht fett, schließlich hatte GWM den Österreich-Marktstart Ende 2023 bereits für Sommer 2024 angekündigt und uns auch schon erste Fahrzeuge testen lassen.
GWM ist hierzulande zwar weitgehend unbekannt, ein kleiner chinesischer Newcomer steckt hinter dem Namen jedoch keineswegs. Great Wall Motor wurde 1984 gegründet, baut seit Jahrzehnten vor allem SUVs und Pick-ups und ist inzwischen in mehr als 170 Ländern und Regionen vertreten. Unter dem Konzerndach stehen Marken beziehungsweise Produktlinien wie Ora, Haval, Wey und Tank.
Für Österreich sind zum Auftakt zwei sehr unterschiedliche SUV vorgesehen.
Ora 5 wird das Einstiegsmodell
Der Ora 5 ist ein 4,47 Meter langes Kompakt-SUV und dürfte den Volumenpart übernehmen. GWM verfolgt dabei eine ungewöhnlich breite Antriebsstrategie. In Deutschland gibt es ihn bereits als 160 PS starken 1,5-Liter-Turbobenziner und als Vollhybrid mit 223 PS Systemleistung. Eine Elektroversion folgt Anfang 2027, auch ein Plug-in-Hybrid ist angekündigt.
Damit lässt GWM dem Kunden die Wahl des Antriebs, während viele neue chinesische Marken in Europa stark auf Elektroautos setzen.
Interessant ist auch das Preisniveau im Nachbarland. In Deutschland startet der Benziner bei 26.990 Euro, der Vollhybrid bei 28.990 Euro; zum Marktstart gewährte GWM jeweils 2000 Euro Aktionsrabatt. Österreichische Preise stehen noch aus.
Haval H7 mit bis zu 435 PS
Deutlich größer und kantiger tritt der Haval H7 auf. Das 4,68 Meter lange SUV zielt stärker auf Familien und Freizeitfahrer und kommt mit mehreren Hybridvarianten. Besonders interessant ist der Plug-in-Hybrid mit dem von GWM entwickelten Hi4-Allradantrieb.
Für Europa werden bis zu 435 PS und rund 129 Kilometer elektrische Reichweite genannt. Unterhalb gibt es unter anderem einen Vollhybrid mit rund 247 PS. Der H7 war ursprünglich bereits für das vierte Quartal 2026 in Europa angekündigt.
Welche Motorisierungen Grand Automotive tatsächlich nach Österreich bringt und wie viel sie kosten werden, wurde noch nicht bekannt gegeben.
Ora 5 wird in Europa gebaut
Fast zeitgleich mit dem Österreich-Start beginnt GWM auch mit der Produktion in Europa. Im ersten Quartal 2027 soll der elektrische Ora 5 in Bulgarien vom Band laufen.
Partner ist Bulgarian Automotive Industry, produziert wird nahe Lovech (150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Sofia). Die geplante Kapazität beträgt zunächst bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr. Zum Start werden teilweise vormontierte Bausätze verwendet, einzelne Komponenten sollen von Beginn an aus Europa stammen. Später sind weitere Modelle und Antriebsarten vorgesehen.
Für GWM hat die Fertigung einen weiteren Vorteil: In China produzierte Elektroautos des Herstellers sind derzeit zusätzlich zum normalen EU-Autozoll mit einem Ausgleichszoll von 20,7 Prozent belegt. Lokale Produktion kann diesen Kostennachteil zumindest teilweise entschärfen.
Ob die in Österreich verkauften Ora 5 von Beginn an aus Bulgarien stammen werden, hat GWM bislang nicht konkretisiert.
China-Konkurrenz ist längst da
GWM trifft in Österreich inzwischen auf deutlich mehr chinesische Konkurrenz als noch vor wenigen Jahren. MG verfügt aktuell über 51 Vertriebspartner, BYD nennt mehr als 50 Standorte. Auch XPeng und Leapmotor haben mittlerweile österreichweite beziehungsweise stark ausgebaute Händlernetze.
Dazu kommt eine zweite Welle neuer Marken. Omoda und Jaecoo sind seit November 2025 am Markt und verfügen inzwischen über 35 Standorte. Chery bietet bei uns bereits Tiggo 4, 7, 8 und 9 an. Im Sommer 2026 startete außerdem GAC mit seiner Elektromarke Aion, inklusive eines besonderen Österreich-Bezugs: Aion V und Aion UT werden für Europa bei Magna Steyr in Graz endgefertigt.
Seit August ist auch die Geely-Kernmarke offiziell in Österreich vertreten. Geely startete mit dem Elektro-SUV E5 und dem Plug-in-Hybrid Starray EM-i sowie zunächst sieben Händlern. Die ebenfalls zum Geely-Konzern gehörende Premiummarke Zeekr soll noch Ende 2026 folgen; Bestellungen sind derzeit noch nicht möglich.
Damit kommt GWM in Österreich in einen Markt, in dem ein chinesisches Logo auf dem Kühlergrill längst keine Besonderheit mehr ist. Die Aufgabe wird für Ora und Haval daher darin bestehen, sich gegen Landsleute durchsetzen, die bereits Händler, Kunden und einen zeitlichen Vorsprung haben.
Zehn neue Modelle geplant
Beim Ora 5 und H7 soll es deshalb nicht bleiben. GWM kündigt für Europa mindestens zehn neue Modelle oder Modellvarianten innerhalb der kommenden zwei Jahre an. Dazu gehören unter anderem weitere Ora-5-Derivate, der Pick-up P500, der Geländewagen Tank 300 und der große Van Wey G9.
Parallel wächst das Vertriebsnetz. In Italien und Spanien gab es Ende Oktober zusammen bereits 96 Verkaufsstellen. Bis Ende 2027 peilt GWM europaweit mindestens 650 Verkaufs- und Servicestandorte an.
Der Österreich-Start Anfang 2027 wird damit auch zum Test, ob auf unserem inzwischen erstaunlich vollen China-Parkplatz noch ein Platz frei ist.
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