Die Straße von Hormuz ist nur wenige Kilometer breit – doch sie hat sich heuer zum teuersten Nadelöhr für Österreichs Haushalte entwickelt. Seit dem Iran-Krieg und der Blockade der Meerenge hat sich der Großhandelspreis für Gas mehr als verdreifacht: von unter 30 Euro auf rund 100 Euro pro Megawattstunde.
Was viele nicht wissen: Der Konflikt trifft nicht nur Sprit und Öl, sondern auch Gas – weil Katar, einer der größten Flüssiggas-Lieferanten der Welt, seine Anlagen nicht mehr beliefern kann und die Tanker oft nicht durch die Meerenge kommen.
Preisschock rollt jetzt auf die Haushalte zu
Und dieser Preisschock rollt jetzt erst richtig auf die Haushalte zu. „Die Gasversorger geben die Großhandelspreise mit Verzögerung weiter“, sagt Experte Leo Lehr von der Aufsichtsbehörde E-Control. Heißt: Was an der Börse schon längst Realität ist, kommt erst jetzt bei den Tarifen der Kunden an.
Die Zahlen sind dramatisch. Heuer ist der durchschnittliche Gaspreis für Österreichs Haushalte bereits von 5,58 auf 7,71 Cent pro Kilowattstunde gestiegen (siehe Grafik). Und selbst wer sich aktiv um ein günstiges Angebot bemüht: Das billigste Neukunden-Angebot ist von 3,22 auf 5,52 Cent geklettert. „Wenn das Großhandelsniveau bei 100 Euro bleibt, sind auch 10 Cent pro Kilowattstunde für Haushalte möglich“, warnt Lehr.
Wen es besonders hart trifft
Besonders hart trifft es drei Gruppen.
Der Herbst ist traditionell die stärkste Wechselzeit, und nach Ablauf der zwölf Monate schnellen die Tarife oft nach oben. „Viele landen dann in einem flexiblen Vertrag, der sich automatisch an die Börse anpasst“, so Lehr. Der Effekt: ein schleichender Preisschock, der viele kalt erwischt.
Immerhin: Noch gibt es Tarife von rund 6 Cent pro Kilowattstunde. Lehr rät dringend, jetzt zu vergleichen und zu wechseln – „denn dann hat man für die nächsten zwölf Monate eine Preisgarantie“. Die Wechselbereitschaft ist heuer ohnehin rekordverdächtig: Im ersten Halbjahr 2026 suchten sich 42.387 Haushalte einen neuen Gaslieferanten – so viele wie nie zuvor.
Auch die Gas-Netzkosten steigen nächstes Jahr weiter
Doch selbst wer beim reinen Gaspreis spart, wird 2027 zur Kasse gebeten. Die Netzkosten steigen österreichweit um durchschnittlich 7,2 Prozent – in Kärnten und Niederösterreich sogar um rund 20 Prozent. Der Grund: Immer weniger Haushalte heizen mit Gas, und der Transit durch Österreich ist eingebrochen. Die Fixkosten verteilen sich dadurch auf immer weniger Schultern.
Eine Entspannung beim reinen Energiepreis ist jedenfalls nur möglich, wenn der Iran-Krieg endet und die Straße von Hormus wieder frei passierbar wird. Bis dahin gilt für Österreichs rund eine Million Gaskunden: Rechnung prüfen, Tarif vergleichen, und nach dem Ende einer etwaigen Preisgarantie erneut den Anbieter wechseln!
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