Ein mit KI produzierter Wahlkampfspot der konservativen Volkspartei (PP) in Spanien sorgt derzeit für heftige Kontroversen. In dem Video gestehen zahlreiche, mittels Deepfake-Technologie generierte Politiker aus dem Umfeld von Ministerpräsident Pedro Sánchez Verfehlungen ein. Es geht um Fälle von Korruption, Prostitution, Freunderlwirtschaft, persönlicher Bereicherung und Schmiergeldzahlungen.
„Dummköpfe und stolz darauf“, heißt das Video, das in Spanien gerade grundsätzliche Fragen nach den Grenzen politischer Satire, dem Missbrauch von KI und der Manipulationsgefahr durch Deepfakes im Wahlkampf aufwirft. Die KI-generierten Figuren sprechen in dem rund 50 Sekunden langen Video selbstironisch über Vorwürfe, die derzeit mit den wirklichen Personen in Verbindung gebracht werden.
Eine KI-Version von Sánchez früherem und derzeit in Untersuchungshaft sitzenden Verkehrsminister José Luis Ábalos sagt etwa: „Wenn es links ist, zu Prostituierten zu gehen und illegale Provisionen zu kassieren, dann bin ich eben links.“
Wahlkampfthema Wohnungsnot
Die digitale Darstellung von Begoña Gómez, der Ehefrau von Pedro Sánchez, behauptet stolz, ihre Professur erhalten zu haben, weil ihr Mann Ministerpräsident sei. Unterdessen prahlt eine täuschend echte KI-Version von Spaniens ehemaligem sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero: „Wenn es links ist, Schmuck in einem Tresor zu verstecken, dann bin ich eben links.“ Derzeit untersucht die spanische Justiz die Herkunft von wertvollem Schmuck, der in Zapateros Büro in der Parteizentrale der Sozialisten (PSOE) in einem Safe gefunden wurde.
Strategisch griffen die Konservativen in ihrem Deepfake-Wahlkampfvideo auch das große Wahlkampfthema der Sozialisten auf – die Wohnungsnot in Spanien – und bezichtigen sie der Heuchelei. „Wenn es links ist, Wohnraum als politisches Thema zu instrumentalisieren und gleichzeitig zu verschweigen, dass mein Freund mehr als 30 Wohnungen besitzt, dann bin ich eben links“, sagt eine KI-Version der ehemaligen PSOE-Sprecherin Montse Mínguez.
Vor wenigen Wochen versuchten Sánchez‘ Sozialisten mit ihrem linken Koalitionspartner Sumar nach der umstrittenen Delogierung einer 87-jährigen Pensionistin neue Mietgesetze zur Bekämpfung der Wohnungsnot zu verabschieden. Die linke Minderheitsregierung scheiterte jedoch an der rechtskonservativen Parlamentsmehrheit. Sánchez rief daraufhin vorgezogene Neuwahlen für den 29. November aus.
Sozialisten empört – ausreichende Kennzeichnung sei nicht gegeben
Die Sozialisten reagierten empört auf das KI-Video. Die sozialistische Organisationssekretärin Rebeca Torró kritisierte, die PP setze ihre Strategie aus Beleidigungen und Lügen nun mit Künstlicher Intelligenz fort. Ihre Partei prüft derzeit, ob sie juristisch gegen das Video vorgehen soll.
Die PP wies die Kritik zurück. Parteisprecher Borja Sémper erklärte, das Video solle nicht den Eindruck erwecken, die dargestellten Personen hätten die Aussagen tatsächlich gemacht. Es gehe vielmehr darum, die aus Sicht der Konservativen bestehende Heuchelei der Sozialisten sichtbar zu machen. Unterdessen verteidigte PP-Wahlkampfsprecherin Ester Muñoz den Einsatz Künstlicher Intelligenz und wies zudem darauf hin, dass die Verwendung der KI klar gekennzeichnet wurde. Zahlreiche Medien sehen eine ausreichende Kennzeichnung allerdings nicht gegeben.
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