Prozess im Liveticker

Kammerer-Mord vor 21 Jahren: Spannung um Urteil

Tirol
23.10.2026 08:15

7793 Tage sind vergangen, als Daniela Kammerer (19) in einer Telefonzelle beim Innsbrucker Rapoldipark kaltblütig ermordet wurde. Nach mehr als 21 Jahren sitzt ein ehemaliger Studienkollege (42) am Landesgericht auf der Anklagebank. Nach dem Prozessstart am Montag wird die Verhandlung heute, Freitag, fortgesetzt. Ein Urteil wird mit Spannung erwartet.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Angeklagte beteuerte unter Tränen seine Unschuld, auch sein Verteidiger argumentierte, dass es keine belastbaren Beweise gebe. Am ersten Prozesstag standen vor allem DNA-Spuren, insbesondere jene des 42-Jährigen auf einer am Tatort gefundenen Zigarette, im Fokus.

  • Die geladenen acht Zeugen – unter anderem ein ehemaliger Mitbewohner und ein Taxilenker – konnten weder zum Tathergang noch zu einem etwaigen Motiv für die Bluttat Licht ins Dunkel bringen.
  • Der erste Verhandlungstag endete mit zwei Beweisanträgen des Verteidigers. Dieser beantragte etwa weitere Zeugen, die beweisen sollen, dass ein anderer Täter die Studentin erstochen haben soll.
  • Ob die Beweisanträge zugelassen werden, entscheidet der Richtersenat erst heute. Die Staatsanwältin hatte sich dagegen ausgesprochen. Bei Abweisung der Anträge stünden die Schlussplädoyers, die Beratung der Geschworenen und schließlich das Urteil am Programm. 

Die „Krone“ tickert live aus dem Schwurgerichtssaal:

Partynacht endete in Tragödie
Der Prozess im Mordfall Daniela Kammerer hatte am Montag am Landesgericht Innsbruck begonnen. Die 19-jährige Studentin wurde im Juni 2005 nach einer ausgelassenen Partynacht in einer Telefonzelle beim Rapoldipark mit zwei Messerstichen in Brust und Rücken getötet. Der Park galt zumindest damals als einer der berüchtigtsten Drogenhotspots der Tiroler Landeshauptstadt.

21 Jahre später könnte ausgerechnet eine Zigarette den Täter überführen. Auf dem Filter eines am Tatort gefundenen, angerauchten Glimmstängels wurde nämlich die DNA des heute 42-jährigen Angeklagten nachgewiesen. Der Niederösterreicher war damals ein Studienkollege des Opfers.

Extra aus Australien angereist
Doch der Mann, der vor Jahren nach Australien ausgewandert ist (das war immer schon sein Plan), bestreitet bis heute die Tat. Vor Gericht kämpfte er am Montag mit den Tränen. „Ich bin unschuldig, bitte sprechen Sie mich frei und lassen Sie mich meinen Sohn aufwachsen sehen“, flehte der Vater eines Zweijährigen in Richtung der Geschworenen. Er sei freiwillig rund 15.000 Kilometer angereist, um seine Unschuld zu beweisen. „Das, was meiner Studienkollegin damals angetan wurde, ist absolut grausam. Aber ich habe keinen Grund gehabt, sie bestialisch zu erstechen“, so der Angeklagte. Es sei sehr schwer, mit dem Vorwurf zu leben.

Der Angeklagte (li.) mit seinem Verteidiger Mathias Kapferer (re.). In der Mitte: Albert Heiss, ...
Der Angeklagte (li.) mit seinem Verteidiger Mathias Kapferer (re.). In der Mitte: Albert Heiss, der den Mann 2013 vertreten hat und mittlerweile in Pension ist.(Bild: Johanna Birbaumer)

Sein Anwalt Mathias Kapferer attackierte die Anklage scharf. Trotz mehrerer DNA-Treffer – neben der Zigarette wurden unter anderem auch am Fahrrad, am Rock und in einer Blutspur des Opfers Spuren des Angeklagten entdeckt – gebe es im gesamten Akt keinen einzigen Beweis dafür, dass der 42-Jährige tatsächlich am Tatort gewesen sei. „Die DNA-Spur auf der Zigarette könnte auch lediglich aus einem Griff in die Schachtel resultieren – mein Mandant galt in der Studentenzeit als ein Zigaretten-Schnorrer“, argumentierte Kapferer.

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Als Anwalt und Steuerzahler staune ich, dass man damals einen Verdächtigen aus der Drogenszene hat laufen lassen.

Verteidiger Mathias Kapferer

Auch mit den Ermittlungen der Polizei ging der Verteidiger hart ins Gericht. Er verwies auf insgesamt 20 weitere Verdächtige und stellte die Frage nach einem möglichen Motiv. „Warum sollte mein Mandant seine Studienkollegin umgebracht haben?“, stellte sich der Anwalt die Frage. Vielmehr gehe er von einer Verwechslung aus. „Als Anwalt und Steuerzahler staune ich, dass man damals einen Verdächtigen aus der Drogenszene hat laufen lassen.“

Eine Zeugin, die in unmittelbarer Nähe des Rapoldiparks wohnte, hörte nämlich zum Tatzeitpunkt einen weithin hörbaren Streit zwischen einer jungen Frau und einem mutmaßlichen Dealer.

Festnahme bereits 2013
Ins Visier der Justiz geriet aber der Austro-Australier. Über ihn wurde bereits im Jahr 2013 – ausgerechnet rund um Weihnachten – die Untersuchungshaft verhängt, nachdem er am Flughafen in Wien-Schwechat von Cold-Case-Ermittlern festgenommen wurde. Sieben Wochen saß er im Gefängnis. Damals reichten die Indizien nicht für eine Anklage – im Mai 2026 dann die überraschende Wende.

Nun müssen die Geschworenen entscheiden, ob die DNA-Spuren den entscheidenden Durchbruch bringen oder ob Zweifel bleiben.

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