Ukrainer unter Druck

Teilevakuierung wichtiger Frontstädte angeordnet

Ausland
23.10.2026 12:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Während die ukrainische Armee seit geraumer Zeit mit einer eingeschränkten Funktionsweise des US-Satelliteninternets Starlink bzw. Starshield zu kämpfen hat, greift Russland mit unverminderter Härte weiter aus der Luft an. Da sich die Sicherheitslage in einigen wichtigen Frontstädten im Osten des Landes zunehmend verschlechtert, haben die ukrainischen Behörden nun ihre Teilevakuierung angeordnet.

Das Gebiet der sogenannten verpflichtenden Evakuierung werde ausgedehnt und umfasse nun „alle Ortschaften der Ballungsräume Kramatorsk und Slowjansk“, erklärte der Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, am Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Er gab nicht an, wie viele Menschen betroffen sind. Die Sicherheitslage in den genannten Gebieten verschlechtere sich ständig, gab Filaschkin an.

Die russische Armee greife beide Städte „jeden Tag“ an. „Mit Kindern vor Ort zu bleiben stellt ein nicht zu rechtfertigendes Risiko dar“, erklärte der Gouverneur weiter. Erst am Dienstag waren bei russischen Angriffen auf Kramatorsk drei Zivilisten ums Leben gekommen. Drei Einfamilienhäuser wurden beschädigt.

Stetige Geländegewinne der Russen
Kramatorsk und Slowjansk sind die zwei bedeutendsten Städte in der ostukrainischen Region Donezk, die noch unter ukrainischer Kontrolle sind. Der Kreml will die Region im Zuge seines Angriffskrieges gegen das Nachbarland vollständig einnehmen. Die russische Armee verbuchte dort zuletzt stetig Geländegewinne. In der Vergangenheit hatten die ukrainischen Behörden bereits Evakuierungen in Teilen der Großräume Slowjansk und Kramatorsk angeordnet.

Ungeachtet neuer US-Vermittlungsbemühungen gingen die gegenseitigen Luftangriffe im Krieg weiter. In Kiew schlugen am Donnerstag nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj insgesamt 21 ballistische Raketen ein. Mindestens zwei Menschen seien dabei getötet sowie Infrastruktur und Gebäude beschädigt worden, erklärte Selenskyj einen Tag nach dem Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff.

Selenskyj: „Fast unmittelbar nach Gesprächen kam Angriff“
„Fast unmittelbar nach einer weiteren Gesprächsrunde hat Russland einen gezielten Angriff gestartet“, schrieb Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram weiter. „Seit dem Abend haben die russischen „Humanisten“ drei Wellen ballistischer Angriffe auf Kiew abgefeuert.“ Er sprach von einem demonstrativen Schlag Moskaus nach den Verhandlungen vom Vortag. Nach Darstellung Selenskyjs setzte Russland 21 Raketen ein – vor allem auf Kiew.

Der Angriff zeige, dass Russland seine Haltung nicht ändere. „Doch wenn russische Raketen die Antwort auf Verhandlungen sind, muss echter Druck auf Russland ausgeübt werden“, sagte Selenskyj. Es brauche eine Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr und „die rasche Lieferung von Raketen, die Fähigkeit, Abschussrampen für ballistische Raketen zu zerstören, Sanktionen wegen des Krieges“. Die Ukraine verdiene Unterstützung, der Aggressor eine angemessene Behandlung, betonte er.

Russland stellt neue Dreier-Verhandlungen in Aussicht
US-Unterhändler Steve Witkoff hatte in St. Petersburg Kremlchef Wladimir Putin zu Gesprächen über den russischen Angriffskrieg getroffen. Er nannte Putin, den Selenskyj als Terroristen bezeichnet, einen „Humanisten“. Nach dem Treffen Putins mit Witkoff stellte der Kreml neue Dreier-Verhandlungen mit Vertretern Moskaus, Kiews und Washingtons für Mitte November in Aussicht.

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