Burgenland

Gefiederte Freunde in Sicht!

Reisen & Urlaub
23.10.2026 13:00

Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel ist auch im Herbst und Winter Bühne für faszinierende Naturschauspiele der vielfältigen Vogelwelt.

Zwischen Schilf, Salzlacken und unzähligen Zugvögeln zeigt sich die Landschaft rund um Illmitz im Burgenland jetzt von einer besonderen Seite. Alles, was es für eine Vogelbeobachtung braucht, sind eine warme Jacke, feste Schuhe und ein gutes Fernglas. Hier, ganz im Osten Österreichs, wo Ungarn nur einen Katzensprung entfernt ist und der Horizont scheinbar kein Ende kennt, spielt die Natur in der kalten Jahreszeit groß auf. Bis zu 35.000 Gänse können sich zu dieser Jahreszeit im Gebiet des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel versammeln. Vor allem Grau- und Blässgänse machen auf ihrem Zug Richtung Süden Rast oder verbringen hier den Winter.

348 Vogelarten kommen im Nationalpark vor
Besonders eindrucksvoll ist der „Gänsestrich“, wenn die Vögel in großen Formationen über den Himmel ziehen. Ihr lautstarkes Geschnatter ist von Weitem zu hören. Die gefiederten Gäste sind in bester Gesellschaft. Neben vielen anderen Vogelarten (insgesamt kommen 348 vor), lassen sich Krickenten, Silberreiher und mit Glück sogar der majestätische Seeadler beobachten.

Auf Erkundungstour geht man am besten mit einem Ranger oder wie am Bild auf eigene Faust.
Auf Erkundungstour geht man am besten mit einem Ranger oder wie am Bild auf eigene Faust.(Bild: Neusiedler See Tourismus/F. Hackl)

Ein guter Ausgangspunkt für Erkundungstouren ist das Nationalparkzentrum in Illmitz. Von hier führen verschiedene Wege durch die abwechslungsreiche Landschaft. Gleich in der Nähe bietet ein Aussichtsturm einen schönen Blick auf den Illmitzer Zicksee. Auch das angrenzende Gebiet Geiselsteller ist einen Besuch wert. Feuchte Senken wechseln sich hier mit Trockenrasen, Schilf, Weideflächen und kleinen Gewässern ab. Gerade die Vielfalt macht das Gebiet für zahlreiche Vogelarten so interessant. Eine rund acht Kilometer lange Runde lässt sich gemütlich in gut zwei Stunden erwandern. Zumindest theoretisch. Denn wer mit dem Fernglas unterwegs ist, bleibt immer wieder stehen, schaut, wartet und entdeckt dabei so manches, das ihm sonst entgangen wäre. Und ganz nebenbei vergisst man auch ein wenig die Zeit.

Mit dem Ranger auf Beobachtungstour
An den salzhaltigen Lacken zeigt sich deutlich, was den Seewinkel einzigartig macht: flache Gewässer, weite Wiesen und eine Landschaft, die beeindruckt. Noch mehr davon gibt es bei der Langen Lacke nahe Apetlon, einem der bekanntesten Vogelbeobachtungsplätze des Nationalparks. Hier wird schnell klar, warum der Seewinkel zu den wichtigsten Rastgebieten für Zugvögel in Mitteleuropa zählt. Wer die Vogelwelt näher kennenlernen möchte, ist bei einer geführten Tour mit einem Nationalpark-Ranger bestens aufgehoben. Die Ranger wissen, welche Arten gerade unterwegs sind, wo sich die besten Beobachtungsplätze befinden und worauf man besonders achten sollte.

Im Herbst & Winter auch zu beobachten

  1. Kaiseradler: Selten zu sehen, in der kalten Jahreszeit aber immer wieder Gast, der gefährdete Kaiseradler (oben links, rechts von ihm sitzt ein Seeadler). Umso schöner, wenn man ihn (Flügelspannweite bis 2,20 Meter) zu Gesicht bekommt.  
  2. Seeadler: Ebenfalls bedrohter, größter heimischer Greifvogel. Er hat eine Flügelspannweite von über 2 Metern und ist im Winter regelmäßig im Nationalpark.  
  3. Eisvogel: Sein Aussehen mit oranger Bauchseite und blau schillerndem Rücken brachte dem Eisvogel den Beinamen „fliegender Edelstein“ ein. Leibspeise: kleine Fische, die im schnellen Tauchgang fängt.  
  4. Silberreiher: Durch mildere Temperaturen ist der bis zu einem Meter große und 1,5 Kilo schwere Vogel zu einem Überwinterer in der Region geworden.  
  5. Krickente: Die Krickente kommt jetzt aus nördlich liegenden Brutgebieten u. a. zum Mausern und Rasten in den Seewinkel und ist mit ihren 34 bis 38 Zentimetern die kleinste Ente Europas.  
  6. Zwergscharbe: Sie brütet seit 2007 im Schilfgürtel des Neusiedler Sees. Exemplare findet man im Winter am südöstlichen Rand des Seewinkels an der österreichisch-ungarischen Grenze (Einserkanal).
Kaiseradler
Kaiseradler(Bild: Gerold Aberl)
Seeadler
Seeadler(Bild: Gerold Aberl)
Eisvogel
Eisvogel(Bild: Gerold Aberl)
Silberreiher
Silberreiher(Bild: Gerold Aberl)
Krickente
Krickente(Bild: Gerold Aberl)
Zwergscharbe
Zwergscharbe(Bild: Gerold Aberl)

So erfährt man ganz nebenbei jede Menge Wissenswertes über die Natur und ihre Bewohner. Natürlich lässt sich die eindrucksvolle Landschaft auch auf eigene Faust erkunden. Ich habe dabei einen besonderen Vorteil: Mein Bruder Gerold ist Hobbyornithologe und leidenschaftlicher Vogelfotograf (siehe links). Mit seiner Begeisterung steckt er auch andere an und verbringt oft selbst Stunden damit, die Tiere vor die Linse zu bekommen.

Während ich mich freue, überhaupt einen Vogel entdeckt zu haben, weiß er längst, welcher es ist, und hat seine Kamera parat. So wird aus einem gemütlichen Spaziergang schnell eine kleine ornithologische Exkursion. Eines lernt man dabei schnell: Neben der richtigen Ausrüstung braucht es vor allem eine gute Portion Geduld. Denn nicht jeder Vogel zeigt sich auf „Bestellung“.

INFOS

Allgemeine Auskünfte
www.burgenland.info

Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

Nach einem Tag an der frischen Luft belohnt man sich am besten mit einer ordentlichen Portion burgenländischer Gastfreundschaft und Gemütlichkeit. Zum Beispiel im Gowerl-Haus in Illmitz, einem Buschenschank, wo man bei einem Achterl Wein oder einem Glas Traubensaft und regionalen Schmankerln die Sichtungen des Tages noch einmal Revue passieren lassen kann. Viel mehr braucht es nicht für einen gelungenen Herbsttag.

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