Wer nach einem Unfall Ersatzteile braucht, muss (sich) immer tiefer in die Tasche greifen (lassen). Nach Berechnungen der deutschen Versicherungswirtschaft sind die Preise seit 2016 im Durchschnitt um mehr als 80 Prozent gestiegen. Einzelne Karosserieteile kosten inzwischen nahezu doppelt so viel.
Eine kaputte Tür, eine eingedrückte Seitenwand oder eine beschädigte Heckklappe können bei einem Unfall schnell teuer werden. Und die Preise steigen weiter: Allein zwischen August 2025 und August 2026 verteuerten sich die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) untersuchten Ersatzteile um mehr als vier Prozent.
Der GDV verfolgt die Entwicklung der Ersatzteilpreise seit Jahren – und sieht weiterhin nur eine Richtung. Seit 2016 legten die Ersatzteilpreise im Durchschnitt um mehr als 80 Prozent zu. Bei hinteren Seitenwänden, Vordertüren und Kofferraumklappen nähert sich die Verteuerung laut GDV sogar der 100-Prozent-Marke.
Deutlich stärker als die Inflation
Die Entwicklung liegt weit über der allgemeinen Teuerung. In den vergangenen zehn Jahren betrug die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland laut GDV 2,8 Prozent pro Jahr. Ersatzteile verteuerten sich im selben Zeitraum im Schnitt um 5,9 Prozent jährlich.
Das entspricht etwas mehr als dem Doppelten der allgemeinen Inflation. Bei sämtlichen 20 untersuchten Ersatzteilarten lag die langfristige Preissteigerung darüber. Zum Vergleich: Die Beiträge für Kfz-Haftpflichtversicherungen stiegen zwischen Anfang 2016 und August 2026 im Durchschnitt um 2,4 Prozent pro Jahr.
Teurere Teile treiben Reparaturkosten
Die Entwicklung schlägt unmittelbar auf Unfallschäden durch. Je mehr Türen, Kotflügel, Scheinwerfer oder Stoßfänger kosten, desto höher fällt die Werkstattrechnung aus.
Zusätzliche Kosten entstehen durch die zunehmende Ausstattung der Autos mit Sensoren, Kameras und Assistenzsystemen. Sie können zwar manche Unfälle verhindern, sind im Crashfall aber teuer. So müssen nach dem Austausch von Karosserieteilen oder Windschutzscheiben unter Umständen Kameras und Sensoren neu eingestellt werden. Oder müssen gar selbst ausgetauscht werden.
Für die Versicherer bedeutet das steigende Schadenkosten. Nach Angaben des GDV lagen diese in den vergangenen Jahren zeitweise über den Beitragseinnahmen. Die Folge waren steigende Versicherungsprämien. Damit betrifft die Entwicklung am Ende auch Autofahrer, deren Wagen bislang unfallfrei geblieben ist. Höhere Reparaturkosten fließen langfristig in die Kalkulation der Versicherungen ein.
Versicherer kritisieren Designschutz
Der GDV sieht einen Teil des Problems beim sogenannten Designschutz. Er gilt auch für sichtbare Ersatzteile wie Türen, Kotflügel oder Außenspiegel. Dadurch können unabhängige Anbieter solche Teile häufig nicht frei nachbauen und anbieten.
Aus Sicht des Versicherungsverbandes beschränkt das den Wettbewerb und stärkt die Position der Fahrzeughersteller im Ersatzteilgeschäft. Eine geplante Reform des europäischen Designrechts soll diesen Markt künftig stärker öffnen. Der GDV erhofft sich davon mehr Wettbewerb und langfristig niedrigere Preise.
Die Untersuchung stammt vom deutschen Versicherungsverband GDV. Für die jährliche Analyse werden Daten aus der Schadenkalkulations-Datenbank Audatex für 38 Fahrzeugmodelle vom Kleinwagen bis zur oberen Mittelklasse ausgewertet. Eigene Österreich-Zahlen enthält die Untersuchung nicht.
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