Schnell Motorrad fahren wollen viele. Manche machen das unter hohem Risiko auf der Straße, andere machen es vernünftig – und zwar auf einer Rennstrecke. Dafür muss man nicht einmal ein eigenes Race-Bike besitzen. Außerdem: Aller Anfang ist gar nicht so schwer …
… zumal wenn man klein anfängt. Meine erste Überraschung beim Supersport-500-Training: Ich passe mit meinen knapp 1,90 Meter auf eine Kawasaki Ninja 500 (die lediglich einen etwas höheren Sattel und einen breiteren Lenker bekommen hat)! Nicht sofort, aber mit der richtigen Technik: „Es muss immer eine Faust zwischen dir und den Tank passen, sonst hast du keine Bewegungsfreiheit“, sagt Motorradinstruktor Roland Resch, der Kopf hinter „Ride it up“. In der Szene ist der Niederösterreicher bekannt als ehemaliger Renn-Profi (World Superbike, IDM etc.), seit 15 Jahren unterrichtet er auch. Und zwar nicht nur (aber auch) den Renn-Nachwuchs, sondern ganz normale Biker: „Wir wollen eine Welt mit besseren und bewussteren Motorradfahrern“, sagt er.
Dazu tragen definitiv auch Fahrsicherheitstrainings bei ÖAMTC, ARBÖ und anderen Anbietern bei, aber auch sehr stark Rundstreckentrainings wie bei Ride ist up, die er in Kooperation mit Kawasaki mittlerweile nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland und Ungarn anbietet, weil man hierbei ein richtig gutes Gefühl für das Motorrad und seine Fahrzustände bekommt.
Zurück auf die Strecke:
Wenn ich ganz nach hinten rutsche, passe ich plötzlich mit dem Helm hinter die Verkleidung, vor allem habe ich mein Knie so am Tank, dass es mich hält und ich in der Kurve einen perfekten Hang-off fahren kann, ohne mich am Lenker festzuklammern. Das ist einer von vielen Tipps, die von Resch und seinen Mitarbeitern kommen (im Video oben erklärt er, worauf es ankommt).
Wer sonst auf einem 1000er-Superbike die Kalte Kuchl unsicher macht, wird ob des nur 45 PS starken 451-Kubik-Twins vielleicht die Nase rümpfen, aber richtig bewegt wird das kleine Ding zum Freudenspender, und das praktisch ohne Risiko. Eine 1000er, auf der Rennstrecke weggeworfen, wird gern gleich mal zum teuren Totalschaden. Die 500er aus Reschs Fuhrpark brauchen nach einem Sturz im Wesentlichen – wenn überhaupt – mal ein Plastikteil und werden wieder eingesetzt.
Man fährt damit ja nicht 250 km/h und mehr, sondern ist auf einer Kartstrecke unterwegs, in dem Fall auf der in Bad Fischau, wo ich zu Gast bin. Anbremsen, positionieren, umlegen, Wechselkurve, Gas geben, alles wie auf einem großen Motorrad, nur eben im Kleinen. Perfekt zum Lernen der Technik. Und der „Platzreife“, wie es Resch nennt. Man sollte schon wissen, wie man sich richtig verhält, bevor man zum ersten Mal an einem Trackday teilnimmt, wie etwa bei den Veranstaltungen von 1000PS.at.
Womit wir bei einem zentralen Punkt wären: Wissen allein reicht nicht, es geht ums „Erfahren“. Wenn man am Gashahn dreht und Adrenalin die Adern flutet, ist der Zugriff auf theoretisch Gelerntes extrem eingeschränkt. Man muss auf zu vieles gleichzeitig achten. Deshalb ist Training so wichtig. Für das Verhalten auf der Strecke, aber vor allem auch für die Abläufe am Motorrad. Beim Supersport-500-Training fährt man mehrere Turns und wird währenddessen immer wieder von einem Instruktor (oder Resch persönlich) kurz angehalten und bekommt Tipps. Denn man wird mit Argusaugen beobachtet und bekommt in gut verdaulichen Portionen glasklares Feedback.
Mit jedem Mal, wo man ein Detail umsetzt und merkt, es funktioniert geschmeidiger, speichert man das ab und es wird irgendwann zum Automatismus. Vielleicht nicht am ersten Tag, weil man irgendwann auch einfach nicht mehr kann.
Was es braucht, ist eine Lederkombi (Pflicht auf der Rennstrecke). Und Knieschleifer. Denn was für die einen normal ist, ist für andere ein Traum, der sich hier erfüllen lässt: mit dem Knie am Boden um die Kurve. Auf der Strecke, nicht auf der Straße.
Es darf auch mal rutschen
Auch das kann man mitnehmen: Spaßfahren geht am sichersten auf abgesperrter Strecke. Mit Roland Resch geht das in drei Bereichen: Neben dem Supersport-500-Training bietet er im Winter Hallentrainings mit 125ern in einer Karthalle an, bei denen man lernt, damit umzugehen, wenn Vorder- und Hinterreifen rutschen, und als Krönung Ringtrainings mit großen Motorrädern auf der richtigen Rennstrecke.
Wobei auch das Hallentraining so viel Spaß macht, dass man es als Krönung bezeichnen kann. Aber das ist eine andere Geschichte …
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