Im „Überlebensmodus“

Selenskyj und Klitschko streiten schon öffentlich

Außenpolitik
14.10.2026 11:41

Die Lage in der Ukraine spitzt sich immer weiter zu. Wieder haben russische ballistische Raketen Kiew ohne Vorwarnung der Verbündeten ins Visier genommen, zudem hat die Firma SpaceX den Starlink-Satellitendienst eingeschränkt. Die Angst vor dem Winter steigt: Staatschef Wolodymyr Selenskyj und Bürgermeister Vitali Klitschko gerieten sich öffentlich in die Haare.

Ballistische Raketen aus Russland sorgten auch in der Nacht auf Mittwoch für Angst und Schrecken in Kiew. Ein neunstöckiges Wohnhaus sei getroffen worden, berichtete Klitschko. Mindestens zwei Menschen mussten demnach einen grausamen Tod sterben, über 20 Verletzte gibt es zu beklagen.

Erneut hätten die internationalen Partner keine Warnhinweise auf einfliegende Raketen gegeben, hieß es vom Präsidentenberater Dmytro Lytwyn. Auch die ukrainische Luftwaffe habe dies bestätigt. Grundsätzlich hatte sich das Land seit 2022 stets vor allem auf die Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer NATO-Mitgliedsstaaten, verlassen.

SpaceX schränkt Starlink-Nutzung für Militär ein
Ebenfalls ohne Vorwarnung habe das US-Raumfahrtunternehmen die Nutzung seines Satellitennetzwerks Starlink für das ukrainische Militär eingeschränkt. Die militärische Version des Kommunikationsdienstes funktioniere nicht mehr bei Geschwindigkeiten von über 160 Kilometern pro Stunde, schrieb der Berater des ukrainischen Präsidenten, Serhij Beskrestnow, auf Telegram. Dadurch sei es zu einer Beeinträchtigung der Kampfeinsätze gekommen.

Moskau pfeift auf Energie-Waffenruhe
Hinzu kommt, dass die von US-Präsident Donald Trump verkündete „Energie-Waffenruhe“, bei der beide Seiten Angriffe auf derartige Anlagen unterlassen sollten, vom Kreml nicht ernst genommen wird.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden in der vergangenen Nacht sieben ukrainische Energieanlagen sowie ein Rechenzentrum, wo Geheimdienstinformationen über die russischen Streitkräfte gesammelt werden, angegriffen. Getroffen worden seien darüber hinaus zwei Heizkraftwerke in der Hauptstadt, ein weiteres in der umliegenden Region sowie ein Heizkraftwerk und ein Wärmekraftwerk in Charkiw.

Selenskyj ist sich sicher, dass der Schlag in seinem Ausmaß völlig absichtlich und demonstrativ gewesen sei: „Russland hat den Vereinigten Staaten gegenüber noch nie eine derart ostentative Respektlosigkeit gezeigt.“ Die Regierung in Moskau halte die Aussagen des US-Präsidenten nicht für stark, ist der ukrainische Präsident überzeugt.

Zitat Icon

Russland hat den Vereinigten Staaten gegenüber noch nie eine derart ostentative Respektlosigkeit gezeigt.

Wolodymyr Selenskyj

Selenskyj beklagt großflächige Störungen durch Drohnen
Angesichts der anhaltenden Kämpfe und des Drucks auf die Energieanlagen wird man laut Kiews Bürgermeister für den Winter in den „Überlebensmodus“ wechseln müssen. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtet, dass zwischen Selenskyj und Klitschko bereits ein öffentlicher Streit entbrannt sei.

Dabei wies der Staatschef auf die unzureichende Absicherung der Energieeinrichtungen der Hauptstadt hin und betonte, dass das Vorbereitungsniveau Kiews sogar hinter dem mancher Regionen zurückbleibe, die an der Frontlinie oder in Grenznähe liegen. Die Bewohner würden selbst die Folgen dieser Verletzlichkeit spüren: Sogar Drohnenangriffe führten zu großflächigen Störungen in der Strom- und Wasserversorgung.

Klitschko wies die erhobenen Vorwürfe zurück und ortete sie als einen Versuch, ihn von der Führung der Stadt zu entfernen. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass seine Befugnisse auf dem Willen der Bürger basieren, und dass er unter den aktuellen schwierigen Umständen das Maximum an Möglichkeiten ausschöpfe.

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