Verbrenner legt nach

Neue Mercedes C-Klasse: Viel Holz in der Hütt‘n

Motor
27.10.2026 00:01

Mercedes fährt in der C-Klasse neuerdings zweigleisig. Die elektrische wurde gerade eingeführt, die klassische (seit 2021 auf dem Markt) darf bleiben, bekommt aber eine tiefgreifende Frischzellenkur. Und das hat der zweitwichtigsten Baureihe mit dem Stern gutgetan.

Äußerlich wirken die Änderungen fast schon behutsam. Während sich bei BMW Verbrenner-3er und i3 zum Verwechseln ähnlich schauen, behalten die beiden Stuttgarter Konkurrenten ihre optische Eigenständigkeit. Der breite Plastikstreifen mit den integrierten Heckleuchten bleibt zum Glück dem Stromer vorbehalten, während der Verbrenner an Front und Heck nur leicht überarbeitet wurde. Die Linie an und für sich blieb komplett erhalten – und auch das T-Modell, das bei der elektrischen Variante nicht vorgesehen ist, lebt weiter.

Der Kühlergrill steht nun aufrechter, trägt ein Muster aus kleinen Chromsternen – und kann selbstverständlich leuchten. Schließlich scheint ein Kühlergrill im Jahr 2026 kaum noch seiner Arbeit nachkommen zu können, wenn er nicht zumindest irgendwo illuminiert ist.

Dazu kommen neue Scheinwerfer mit Doppelstern-Tagfahrlicht und bei der Limousine ebenfalls sternförmig inszenierte Rückleuchten. Auch die Stoßfänger wurden überarbeitet.

(Bild: Mercedes-Benz)
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Wer noch mehr Auftritt möchte, bekommt erstmals eine AMG Line Plus mit schwarzen Details, Sportsitzen, roten Nähten und roten Sicherheitsgurten. Zwei neue Lackfarben hören auf die Namen Lavender Silver und Moody Sky Grey.

Innenraum bleibt relativ klassisch
Im Cockpit hält die Glaswand mit Super- oder gar Hyperscreen NICHT Einzug, es bleibt bei zwei getrennten Screens, einem 12,3-Zoll-Instrumentendisplay hinterm Lenkrad, das Rundinstrumente anzeigen kann und auch sonst übersichtlich und informativ ist, sowie einem aufrechten Zentral-Touchscreen im Format 11,9 Zoll.

Das bedeutet, es gibt nach wie vor Platz für schöne Oberflächen, etwa für eine Auswahl an Holz, das nicht nur gut aussieht, sondern sich ebenso angreift. Kunststoffoberflächen sind auch erhältlich, wirken aber weniger hochwertig. Und sind es auch.

(Bild: Mercedes-Benz)
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Software-technisch zieht die Verbrenner-C-Klasse hingegen mit der elektrischen gleich. Sie bekommt das neue Mercedes-Benz Operating System MB.OS und damit auch Over-the-Air-Updates. ChatGPT, Gemini und Bing fahren mit. 

Besonders fleißig hat Mercedes beim Sprachassistenten aufgerüstet. Die vierte MBUX-Generation kombiniert ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini und soll je nach Fragestellung auf die Stärken der verschiedenen Systeme zurückgreifen.

Der Assistent kann mehrteilige Gespräche führen, sich innerhalb eines Dialogs Dinge merken und inzwischen auch Fragen zu Aktienkursen, Wetter oder sogar Schneeverhältnissen im Skigebiet beantworten. Für Navigation und Informationen zu Zielen kommt zusätzlich Googles Automotive AI Agent zum Einsatz. Die Navigation selbst basiert auf Google Maps. 

Probleme mit Google Maps
Die Freude über das Google-Navi wurde bei unseren Testfahrten allerdings getrübt: Die Routenführung hat uns direkt in einen Autobahnstau geführt, ohne ihn anzuzeigen. Das parallel am Handy geöffnete Google Maps zeigte den Stau jedoch an. Wie es dazu kommen konnte, konnte seitens Mercedes bisher niemand erklären.

Obwohl das Navi der C-Klasse die Daten von Google Maps nutzt, wird hier während der ein Stau ...
Obwohl das Navi der C-Klasse die Daten von Google Maps nutzt, wird hier während der ein Stau nicht angezeigt – in der Handy-App hingegen schon.(Bild: Stephan Schätzl)

Das haben nur die Verbrenner
Das T-Modell bleibt der Praktiker der Familie: 490 Liter passen hinter die Rücksitze, bei umgeklappten Lehnen sind es maximal 1510 Liter. Und noch etwas hat nur die C-Klasse mit Auspuff: Im Gegensatz zum Stromer können sich die Insassen an Haltegriffen am Dachhimmel festhalten.

Lenkrad wie in der E-Baureihe
Das neue Lenkrad verzichtet auch im Verbrenner auf einen Teil der Touchelemente, man hat „auf Kundenfeedback gehört“: Mercedes bringt für den Abstandstempomat eine Wippe und für die Lautstärke eine Walze. Die übrigen berührungsempfindlichen Flächen sind noch da. Warum nicht der komplette Touch-Mist rausgeflogen ist, bleibt unklar.

Überarbeitete, spritzige Antriebe
Der weiterentwickelte Zweiliter-Vierzylinder-Benziner hat einen elektrischen Zusatzverdichter bekommen. Zusammen mit dem integrierten Startergenerator der zweiten Generation (ISG 2.0), der kurzfristig bis zu 17 kW und 205 Nm zur Verfügung stellt, macht er jedes Turboloch vergessen und reagiert schon bei niedrigen Drehzahlen spontan mit souveräner Kraftentfaltung. Das 48-Volt-System ermöglicht außerdem Rekuperation und Segeln mit abgeschaltetem Verbrennungsmotor. Drei Leistungsstufen gibt es: Der C 200 kommt auf 177 PS, der C 250 auf 218 PS, der C 300 auf 258 PS.

(Bild: Mercedes-Benz)
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Auch der Diesel bleibt. Der Zweiliter-Vierzylinder OM 654 EVO wird mit 163 oder 200 PS angeboten. Ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und die Common-Rail-Direkteinspritzung mit 2.200 bar optimieren Ansprechverhalten, Verbrennung, Emissionen und Verbrauch. Zudem ist der Motor mit den Biokraftstoffen HVO100, B10 und B20 kompatibel. Und auch der Diesel spricht dank ISG 2.0 angenehm spontan an.

Plug-in-Hybrid fährt bis zu 100 Kilometer elektrisch
Wer sich zwischen Steckdose und Tank nicht entscheiden möchte, bekommt weiterhin den Plug-in-Hybrid, und zwar in zwei Leistungsstufen. Im C 300 4matic arbeitet ein 218-PS-Vierzylinder-Benziner mit einem 100 kW/136 PS starken Elektromotor zusammen – und das sehr geschmeidig, wie wir in unterschiedlichen Gangarten erfahren haben. Gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 326 PS und ein Systemdrehmoment von 550 Nm. Im C 400 e 4matic leistet der Benziner 258 PS. Mit dem identischen E-Motor liefert der Top-Hybrid 395 PS und 650 Nm.

Die Batterie besitzt netto 19,53 kWh und soll bis zu 100 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite ermöglichen. Wechselstrom fließt mit bis zu 11 kW, Gleichstrom sogar mit 55 kW. Damit lässt sich der Plug-in-Hybrid auch am Schnelllader sinnvoll nachladen – etwas, das bei dieser Antriebsart noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. 

Auch das Fahrwerk bekam Aufmerksamkeit
Mercedes hat außerdem das Fahrwerk neu abgestimmt. Straffere Anbindung und geänderte Verstelldämpfung reduzieren Aufbaubewegungen und machen die C-Klasse auf kurvigen Straßen präziser. Die neue Straffheit ist durchaus auffällig, aber nicht unangenehm.

Weiterhin erhältlich ist die Hinterachslenkung. Die Hinterräder schlagen maximal 2,5 Grad ein und reduzieren den Wendekreis um 43 Zentimeter auf 10,64 Meter. Unter 100 km/h lenken sie entgegen den Vorderrädern, darüber in die gleiche Richtung. Das sorgt für Agilität auf Landstraßen und überrascht mit Wendigkeit etwa in engen Parkhäusern.

Auf Reisen sind nicht nur Motor und Fahrwerk besonders angenehm, sondern auch der weiter verbesserte Geräuschkomfort. In der C-Klasse bleibt es auch bei Tempo 200 leise.

Auto bremst auch vor roten Ampeln
Bei den Assistenzsystemen rückt die C-Klasse ebenfalls näher an die größeren Mercedes-Baureihen. Bis zu zehn Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren liefern Daten an das zentrale Steuergerät.

Je nach Ausstattung kann das Auto unter anderem die Spur wechseln und selbstständig vor roten Ampeln oder Stoppschildern abbremsen. Neu ist auch eine Rückfahrfunktion, die einen Teil einer zuvor vorwärts gefahrenen Strecke automatisch wieder zurückfahren kann. 

Optional gibt es außerdem ein weiterentwickeltes Digital Light mit Mikro-LED-Technik. Das ausgeleuchtete Feld wächst laut Mercedes um rund 40 Prozent, gleichzeitig soll das System bis zu 50 Prozent weniger Energie benötigen als bisher. 

Die Preise
In Österreich ist die überarbeitete C-Klasse als C 200 Limousine ab 53.970 Euro bzw. ab 48.538 Euro mit abgezogenen aktuellen Rabatten bestellbar. Das T-Modell kostet rund 2000 Euro Aufpreis. Der C 200 d startet bei 55.025 bzw. 46.718 Euro, der C 300 e Limousine Plug-in-Hybrid liegt bei 63.600 (bzw. 57.240 Euro).

Fahrzit
Die Überarbeitung hat der Verbrenner-C-Klasse ausgesprochen gutgetan. Mercedes hat es nicht übertrieben und den Innenraum im Wesentlichen gelassen, wie er war - aber dennoch die neuesten Software-Errungenschaften impliziert. Das Fahrwerk wurde verfeinert und leicht gestrafft, ohne den Reisekomfort zu kompromittieren. Auch das spontane Ansprechverhalten der Verbrenner (Benziner UND Diesel) und die geschmeidige Hybridabstimmung sind lobend zu erwähnen. Ebenso wie die Verfügbarkeit des Kombis. Damit hat sich Mercedes ein gutes Stück Zeit erkauft, bis ein Nachfolger kommen muss.

Warum?
Sehr gut nachgeschärfte Motoren
Insgesamt subtiles, aber doch tiefgreifendes Update

Warum nicht?
Einzig ein Beifahrerdisplay fehlt – oder auch nicht.

Oder vielleicht …
… BMW 3er, Audi A5, Volvo S60/V60

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