Laden wir bald alle ohne Ladestopp? So bald wohl nicht, aber der Plan ist konkret: Honda entwickelt eine Straße, die Elektroautos während der Fahrt mit Strom versorgt. Bis zu 150 kW Ladeleistung sind vorgesehen.
Laden während der Fahrt könnte eines der großen Probleme der Elektromobilität entschärfen. Honda arbeitet gemeinsam mit zwei japanischen Baukonzernen an einem Dynamic Wireless Power Transfer System, kurz DWPT.
Dabei liegen Spulen unter der Fahrbahn, eine Empfangseinheit sitzt im Fahrzeugboden. Sobald das Auto über die entsprechenden Straßenabschnitte fährt, wird elektrische Energie über ein Magnetfeld übertragen.
Honda beschäftigt sich seit 2021 mit der Technik und hat inzwischen eine kurzzeitige Spitzenleistung von bis zu 150 kW pro Übertragungseinheit erreicht. Das entspricht der Größenordnung mittelmäßiger DC-Schnelllader.
Erste Autobahn ab 2027
Noch dieses Jahr soll auf einem Testgelände eine neue Versuchsstrecke entstehen. Dort werden die im Asphalt versenkten Komponenten unter Dauerbelastung geprüft. Honda simuliert dafür unter anderem eine Million Radüberrollungen und untersucht Ladeleistung, Haltbarkeit und elektromagnetische Abstrahlung.
Im japanischen Geschäftsjahr 2027 (ab April) folgt der nächste Schritt. Auf der Tateyama Expressway in der Präfektur Chiba soll das System erstmals auf einer öffentlichen Autobahn getestet werden. Dann geht es vor allem darum, wie zuverlässig die Energieübertragung bei höheren Geschwindigkeiten funktioniert.
Honda arbeitet mit einer Frequenz von rund 85 kHz. Sender und Empfänger sind so ausgelegt, dass die Energieübertragung auch bei Abstand zur Fahrbahn und kleinen seitlichen Abweichungen funktioniert.
Besonders interessant für Lkw
Die Empfangseinheit passt laut Honda in den Unterboden eines Pkw. Für größere Fahrzeuge können mehrere Module kombiniert werden. Bei schweren Nutzfahrzeugen - etwa 40-Tonnern – sind bis zu vier Einheiten vorgesehen.
Gerade dort sieht Honda großes Potenzial. Elektrische Lkw brauchen große Batterien und verlieren während langer Ladepausen Zeit und Geld. Eine entsprechend ausgerüstete Autobahn könnte unterwegs laufend Energie liefern und damit kleinere Akkus ermöglichen.
Auch der Einbau in bestehende Straßen wird bereits mitgedacht. Die Ladeeinheiten sollen modular aufgebaut sein und sich möglichst im Zuge gewöhnlicher Fahrbahnsanierungen installieren lassen. Damit würde sich der Aufwand gegenüber einem kompletten Neubau deutlich reduzieren.
Technik soll offen bleiben
Honda plant das System als herstellerübergreifende Infrastruktur. Fahrzeuge anderer Marken sollen die Straßen ebenfalls nutzen können, sofern sie die entsprechenden Standards erfüllen.
Bis zu einem großflächigen Einsatz bleiben allerdings viele Fragen offen. Kosten, Wirkungsgrad, Wartungsaufwand und die Energieversorgung entlang der Strecke müssen sich erst im realen Betrieb bewähren.
Der Autobahn-Test ab 2027 wird deshalb besonders interessant. Dann zeigt sich erstmals unter Alltagsbedingungen, ob Hondas Idee von der rollenden Ladesäule tatsächlich funktioniert.
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