Die Koalition hat am Mittwoch die Begutachtungsentwürfe für die Reform von Präsenz- und Zivildienst in Begutachtung geschickt. Im Pressefoyer nach dem Ministerrat zeigte man sich optimistisch, die für Teile notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zusammen zu bekommen.
Kernpunkt der Verständigung ist, dass der Präsenzdienst von sechs Monaten auf gesamt neun verlängert wird. Nach einem halben Jahr wird ein Monat Truppenausbildung angehängt. Zu einem späteren Zeitpunkt sind noch zwei Monate an Milizübungen zu absolvieren. Die Betroffenen werden schon vier Jahre im Voraus über den Zeitpunkt letzterer informiert, was auch für die Dienstgeber von Vorteil sei, wie NEOS-Klubobmann Yannick Shetty betonte.
Mehr Geld für Präsenzdiener
Weiters soll es eine deutliche Attraktivierung des Präsenzdiensts etwa durch einen Urlaubsanspruch geben. Zudem steigt die Vergütung auf 1000 Euro. Ob man dem Wunsch der Grünen, auch den Zivildienst auf dasselbe finanzielle Niveau anzuheben, nachkommen könnte, wollte Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) nicht kommentieren.
Gegenstand der koalitionären Vereinbarung ist, dass der Zivildienst erst dann von neun auf elf Monate verlängert wird, wenn die Zahl der männlichen angetretenen Grundwehrdiener in einem Kalenderjahr 13.875 unterschreitet. Dies wird allerdings erst im übernächsten Jahr der Fall sein. VP-Klubchef Ernst Gödl bestätigte, dass somit der Zivildienst erstmals 2029 länger dauern könnte.
Ziel 2027 „durchaus möglich“
In Kraft treten soll die Reform an sich schon mit kommendem Jahr. Dieses Ziel einzuhalten sei „durchaus möglich“, meinte Gödl. Nach der Begutachtung will man das Gesetzespaket im November im Nationalrat einbringen und im Dezember beschließen. In den kommenden Wochen will man weiter Gespräche mit den Freiheitlichen und den Grünen führen, um die für die Zivildienst-Änderungen notwendige Verfassungsmehrheit sicherzustellen. Gödl hat bereits Bereitschaft für gute Kompromisse erkannt.
Gewürdigt wurde von allen drei Vortragenden, dass es sich um die größte Reform des Wehrdiensts seit zwei Jahrzehnten handle. Gemeinsames Ziel sei es, die Sicherheit in Österreich zu erhöhen und das Land krisenfester und resilienter zu machen, formulierte Leichtfried. Es gehe darum, Wehr- und Zivildienst zukunftsfit zu machen, meinte Gödl. Dabei brauche das Bundesheer eben auch eine starke Miliz.
Erlerntes muss geübt werden
Shetty hob mehrfach ein neues Prinzip namens „üben statt absitzen“ hervor. Die Stehzeiten beim Heer sollten künftig deutlich reduziert werden. Mit der Reform werde auch klar gestellt, dass Erlerntes geübt werden müsse. Begrüßt wurde vom NEOS-Klubchef weiter ein Nebenaspekt der Reform – nämlich dass die Stellungsstraße zur Gesundheitsstraße ausgeweitet ist und damit auch interessierten Frauen offen steht.
Grüne begrüßen Begutachtung
Die Grünen begrüßen den Beginn der Begutachtung. Das sei das „Mindeste und ein ganz normaler parlamentarischer Prozess“, betonte Wehrsprecher David Stögmüller. Eine derartige Entscheidung dürfe nicht als „Husch-Pfusch in Hinterzimmern ausgeschnapst werden“. Nun liege der Entwurf am Tisch und alle, die davon betroffen sind, könnten sich einbringen. Die Grünen seien weiter „gesprächs- und verhandlungsbereit“, „Blankoscheck“ gebe es aber keinen, so Stögmüller: „Für uns steht fest: Das Bundesheer darf nicht gegen den Zivildienst ausgespielt werden.“ Mit den Grünen werde es keine Einschränkung beim Zivilersatzdienst oder eine Ungleichbehandlung von Zivildienern in puncto Gehalt geben.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.