Die Art und Weise, wie Österreicher im Internet nach Informationen suchen, ist im Umbruch: Zwar ist Google immer noch die erste Adresse für eine Online-Recherche, KI-Chatbots werden aber immer beliebter und lösen die Suchmaschine in einigen Bereichen bereits ab. Für Medien, die von Seitenbesuchen und Werbeerlösen leben, wird es eng.
Schließlich zählt das automatisierte Extrahieren der Informationen aus dem Quelltext einer News-Website durch einen KI-Bot nicht als vermarktbarer Seitenaufruf – die Werbung, die normalerweise die Finanzierung der Informationsquelle sichern würde, wird gar nicht erst angezeigt.
Google wird seltener besucht, Chatbots öfter
Wie rasch sich die Nutzungsgewohnheiten verändern, zeigt nun eine Studie der Mediaagentur-Gruppe WPP Media Österreich, aus welcher der „Standard“ zitiert. Demnach ist Google zwar in Österreich immer noch für 46 Prozent der Befragten die Hauptquelle für Online-Infos, doch es geht abwärts: Vor einem Jahr konsultierten noch 59 Prozent zuerst Google, wenn sie eine Information suchten. Besonders rasant schreitet der Wandel bei jüngeren Menschen voran – hier ist Google nur noch für 39 Prozent die erste Anlaufstelle.
Umgekehrt verhält es sich mit KI-Chatbots wie ChatGPT: Diese werden laut der Studie bereits von 43 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher täglich genutzt – im Vorjahr waren es noch 35 Prozent. 47 Prozent nutzen solche Angebote zumindest wöchentlich, zehn Prozent seltener. Insgesamt erklärten drei Viertel der Studienteilnehmer, KI-Anwendungen aller Art – vom Chatbot bis zum Bildgenerator – im Alltag zu verwenden. Befragt wurde eine Online-Stichprobe aus 1032 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren – bei älteren Internetnutzern würde das Ergebnis vielleicht anders aussehen.
Wenn KI antwortet, klicken die wenigsten auf Quell-Link
Erwähnenswert: Für die Untersuchung wurde bei Google nicht zwischen der Suchmaschine und KI-Antworten unterschieden, die Google seit geraumer Zeit ausspuckt. Der Unterschied ist aber zentral: In der Suchmaschine ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer sich die Quelle einer Information ansieht und auf den Link dorthin klickt, höher als bei einer KI-Antwort. Klicken bei einer Google-Suche immerhin noch 39 Prozent der Nutzer auf den Link zur Quelle, sind es bei KI-Antworten nur noch 21 Prozent. Christian Müller von WPP Media: „Die KI-Antwort ist oft schon die Endstation.“
WPP-Österreich-Geschäftsführer Andreas Vretscha warnt vor einer „strukturellen Veränderung des Informationsverhaltens“: Die Menschen suchen online nicht mehr eine Liste möglicher Quellen für eine Information, sondern erwarten sich im KI-Zeitalter, dass ihnen die Information bereits fertig aufbereitet vorgelegt wird. Die Website, von der KI-Bots Informationen absaugen, fällt dabei um die Werbeeinahmen um. Und Marken sind gefordert, ihre Websites für die Info-Absaugung durch KI-Bots zu optimieren – damit sie, wenn sich schon niemand die Werbung für ihre Produkte auf den Quell-Websites ansieht, zumindest in den KI-Antworten genannt werden.
Für die Werbewirtschaft entsteht nach der Suchmaschinenoptimierung ein neues Geschäftsfeld: Die KI-Bot-Optimierung von Inhalten werde wichtiger, weil mehr als die Hälfte der KI-Nutzer ihre reguläre Suchmaschinennutzung zurückfahre. Auch wenn Google bei harten Fakten wie Öffnungszeiten oder Adressen mit 60 bis 72 Prozent die erste Anlaufstelle bleibe.
Für Medienunternehmen, die oftmals rein werbefinanziert arbeiten, wird es durch die neuen Trends bei der Online-Recherche jedenfalls eng: In einzelnen Themenbereichen laufen KI-Bots den Suchmaschinen bereits den Rang ab – und bringen damit auch die Websites, die von Google & Co. gefunden und verlinkt werden, in Bedrängnis. Bei Gesundheitsfragen beispielsweise führt der Weg oftmals nicht mehr zu „Dr. Google“, sondern zu „Dr. ChatGPT“ – 43 Prozent stellen KI Gesundheitsfragen, statt spezialisierte Gesundheitsportale zu besuchen. Immerhin: 61 Prozent gaben an, die KI-Antworten „meistens“ zu überprüfen – was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass vier von zehn Befragten den KI-Antworten blind vertrauen und nicht nachforschen.
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