Wahr oder falsch?

Mythos Kortison in der Rheumatherapie

Gesund Konkret
13.10.2026 10:00

Die Verordnung von Kortison löst bei Rheuma-Patienten unterschiedliche Reaktionen aus: Während die einen darauf schwören, fürchten andere starke Nebenwirkungen und lehnen die Einnahme ab. Wie wirkt das Medikament und wann ist es angezeigt? Ein Experte klärt auf.

„Bei vielen Rheumapatienten löst das Wort Kortison Glücksgefühle aus. Denn Kortison ist seit Jahrzehnten eines der stärksten entzündungshemmenden und damit schmerzstillenden Medikamente bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Oft führt schon die Einnahme von kleinen Mengen nach kurzer Zeit zu einem Verschwinden aller Beschwerden. Schmerzgeplagte Rheumatiker sind plötzlich schmerzfrei“, berichtet Dr. Thomas Schwingenschlögl, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie und Ernährungsmedizin aus Wiener Neustadt, NÖ. 

Aber er kennt auch die andere Seite – nämlich Skepsis bis Angst vor dem Wirkstoff, vor allem vor Nebenwirkungen wie z.B. Gewichtszunahme,  Wassereinlagerungen oder Schlafstörungen, die bei langfristiger Einnahme auftreten können. 

Dosierung: So hoch wie notwendig, aber gleichzeitig so niedrig wie möglich
Dosierung: So hoch wie notwendig, aber gleichzeitig so niedrig wie möglich(Bild: stock.adobe.com)

Dr. Schwingenschlögl: „Kortison ist heute die Therapiegrundlage für eine Vielzahl von Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen, wobei neben Gebieten wie der Lungenheilkunde, der Onkologie oder Gastroenterologie vor allem die Rheumatologie ein bevorzugter Indikationsbereich ist. Die entzündungshemmende und immunmoduliernde Wirkung konnte in zahlreichen Studien belegt werden. Für viele schwerkranke Menschen ist Kortison lebenswichtig!“

Die Geschichte des Kortisons

1948 wurde das erste Mal ein Kortisonpräparat erfolgreich an einer schwerkranken Rheumapatientin in den USA eingesetzt. Die Forscher erhielten für diese Entdeckung 1950 den Nobelpreis für Medizin. Glucocorticoide (GC), häufig eben als Kortison bezeichnet, sind eine Gruppe von Hormonen, die unser Körper selbst in der Nebennierenrinde herstellt. Man kann sie nun auch künstlich als Medikament herstellen.

Verabreichungsformen: oral (zum Schlucken), Infusion, Injektionen in Gelenke, Muskeln, Schleimbeutel, Sehnenscheiden, lokal für Haut und Schleimhäute.

Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), Polymyalgia rheumatica (Muskelentzündung im Alter), Kollagenosen wie Lupus erythematodes und Myositiden, rheumatisches Fieber mit Herzklappenentzündung und Gefäßentzündungen (Vasculitiden). Das Mittel ist auch bei einem Gichtschub, bei Schuppenflechte oder starken Gelenksabnützungen hilfreich.

Zitat Icon

Kortison ist und bleibt in der Rheumatherapie ein notwendiges und oft lebensrettendes Medikament.

Dr. Thomas Schwingenschlögl, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie und Ernährungsmedizin

„Die Dosierung unter 7,5 mg pro Tag gilt dabei als niedrig. Dies entspricht ungefähr jener Menge, die unsere Nebenniere täglich produziert. Dabei finden sich die höchsten Kortisonwerte gegen 8.30 Uhr, die niedrigsten um Mitternacht. 30 bis 45 Minuten nach dem Aufstehen wird der Kortisonspiegel höher, ebenso nach dem Essen. Diese natürliche Verteilungskurve ist äußerst wichtig für die Uhrzeit der Medikamenteneinnahme!“, so der Experte. Grundsätzlich gilt für alle Dosierungen: So hoch wie notwendig, aber gleichzeitig so niedrig wie möglich.

Kombinationstherapie als Mittel der Wahl
Die richtige Einnahmemenge  wird anhand der individuellen Beschwerden und der Entzündungsmarker aus dem Blut bestimmt. Kortison muss langsam ausgeschlichen werden. Rheumatologe Dr. Schwingenschlögel rät zu folgender Vorgangsweise: „Als langfristige Monotherapie sind  Glucocorticoide weniger geeignet. Die Stärke der GC liegt in der Kombination mit anderen modernen Rheumamitteln wie Biologika, Small Molecules und Methotrexat, die den Krankheitsverlauf von rheumatischen Entzündungen entscheidend ändern. Eine sogenannte low-dose Therapie ist vorteilhaft.“

Schreckgespenst Nebenwirkungen

Ist eine Langzeiteinnahme notwendig, kann es zu Entwicklung von Osteoporose kommen, weiters Gewichtszunahme, erhöhte Blutzucker- und Blutdruckwerte, dünner Haut und oberflächlichen Hautblutungen, erhöhter Infektionsgefahr, innere Unruhe und Schlafstörungen. Dr. Schwingenschlögl beruhigt aber, dass man den meisten Nebenwirkungen gut gegensteuern kann. Unbedingt regelmäßig kontrollieren lassen!


 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung