Recherchen in Curaçao:

Illegale Online-Casinos in österreichischer Hand

Digital
23.09.2026 10:02
Porträt von krone.at
Von krone.at

Zahlreiche Online-Casinos, die sich auf Glücksspiellizenzen der Karibik-Insel Curaçao berufen, sind in österreichischer Hand oder werden von österreichischen Personen betrieben, teilt die Recherche-Plattform „Jetzt“ mit. Curaçao ist neben Malta so etwas wie das globale Mekka der Online-Glücksspielindustrie, auch wenn die Lizenzen außerhalb des Inselstaates rechtlich nicht viel wert sind. In Österreich gibt es noch ein Monopol, in anderen EU-Ländern braucht es lokale Lizenzen.

Dessen ungeachtet sind die Online-Casinos mit Lizenzen von Curaçao auch von Österreich aus erreichbar. Und oft werden auch gezielt österreichische Spieler angesprochen. Dabei könnten diese Seiten für andere Märkte gesperrt werden - wie es etwa die Casinos Austria-Tochter Win2Day macht: Deren Online-Spieleangebot ist nur von Österreich aus erreichbar.

Hunderte Lizenzanträge
Die deutsche IT-Sicherheitsexpertin und Journalistin Lilith Wittmann verschaffte sich Zugang zum Computersystem der Curacao-Glücksspielbehörde. Unter hunderten Lizenzanträgen, die Wittmann heruntergeladen hatte, befanden sich auch etliche mit Österreich-Bezug, so „Jetzt“. Der Karibik-Staat fordert lediglich, dass die Online-Casinos für die Bewohner des Insel-Staates sowie anderer Länder, die Teile des Königreichs der Niederlande sind, gesperrt werden. Aber auch Spieler aus den USA oder von UNO-sanktionierten Ländern wie Nordkorea müssen geblockt werden.

Für andere Märkte gibt es seitens der Karibik-Insel keine Vorgaben. So gibt es einige Online-Casinos mit Österreich-Bezug, die entweder Österreichern gehören oder sich gezielt an österreichische Spieler wenden. Zum Beispiel soll ein Niederösterreicher über zwei Online-Casinos verfügen, die sich an „vermögende Kunden und VIPs in Zentraleuropa und Südasien“ richten. Kundinnen und Kunden mit österreichischer Telefonnummer und Adresse können sich registrieren und über ein maltesisches Konto auch Geld einzahlen.

Ein weiterer Österreicher ist laut den Unterlagen Miteigentümer von zwei Unternehmen, die von Curaçao aus Glücksspielseiten betreiben, wobei die Server in Europa stehen sollen. Hier werden die Beteiligungen laut „Jetzt“ über ein Firmengeflecht mit Unternehmen in Österreich, Luxemburg, Zypern und letztlich Curaçao gehalten.

Tausende Personen in der Datenbank
„Die geleakte Datenbank listet Staatsbürgerinnen und Staatsbürger von A wie Austria bis Z wie Zimbabwe auf – insgesamt Tausende, manche dürften Strohmänner und -frauen sein und/oder ohne ihr Wissen auf der Liste gelandet sein“, berichtet „Jetzt“.

Die Plattform hat die Unterlagen gemeinsam mit Wittmann, der niederländischen Plattform „Follow the money“ sowie mit den Sendern „NRK“ (Norwegen), „SVT“ (Schweden) und „NDR“ (Deutschland) ausgewertet.

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