Elif Eralp macht auch in der Türkei Schlagzeilen – und das nicht nur, weil sie als Spitzenkandidatin der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus einen großen Erfolg erzielt hat und die nächste Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt werden könnte. Auch die türkischen Wurzeln der Politikerin werden im Heimatland ihrer Eltern betont.
Wie berichtet, ging die Linke mit 25,7 Prozent der Stimmen als klare Siegerin aus der Berlin-Wahl hervor. Die CDU, die bisher mit Kai Wegner den Bürgermeister stellt, erreichte laut Landeswahlleitung nach Auszählung aller Stimmen mit ihrem Spitzenkandidaten Stefan Evers 18,8 Prozent und damit Platz zwei. Dahinter folgen die AfD (16,3 Prozent), die Grünen (14,3 Prozent) und die SPD (12,1 Prozent). Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW, 4,7 Prozent) verpasste den Einzug in das Abgeordnetenhaus am Sonntag ebenso wie die FDP (2,5 Prozent), die schon 2023 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war.
„Türkische Kandidatin sprengt die Urnen“
„Historisches Ergebnis in Deutschland: In Berlin geht der Sieg an die Partei der türkeistämmigen Bürgermeister-Kandidatin Elif Eralp“, titelte der Fernsehsender Halk TV. Und die Tageszeitung Sözcü schrieb: „Türkische Kandidatin sprengt die Urnen; die Deutschen sagten ,Elif‘!“
Dieser Siegestanz der Linkspartei sorgt im Netz für Diskussionen:
Die türkische Medienplattform Serbestiyet schrieb am Abend: „Die Tochter einer Familie, die nach dem Putsch vom 12. September floh, steht in Berlin kurz vor dem Amt der Regierenden.“
Eralp: „Wir haben Geschichte geschrieben“
Eralp selbst hatte in ihrer Rede direkt nach der ersten Prognose am Abend auf Türkisch gesagt: „Wir haben Geschichte geschrieben, Freunde.“ Die Siegerin stellte bei der Wahlparty der Linken gleich den Regierungsanspruch: „Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben. Vor allem die Menschen, die jeden Tag hier unsere Stadt mit am Laufen halten.“ Eralp wäre nicht nur erste linke Berliner Regierungschefin, sondern auch die erste mit Migrationshintergrund.
Die Eltern der 45-Jährigen flohen als Sozialisten und Gewerkschafter nach dem Militärputsch aus der Türkei, ihre Mutter war damals mit ihr schwanger. Geboren wurde Eralp dann 1981 in München.
Für ihren Einzug ins Rote Rathaus muss Elif Eralp nun eine Koalition mit Grünen und SPD schmieden. Rot-Rot-Grün – SPD-geführt – gab es in Berlin bereits, kommt nun also Rot-Grün-Rot? Sicher ist das nicht – denn es gibt einige Stolpersteine.
Vor allem aufgrund der Antisemitismus-Debatten hat die CDU schon mehrfach gefordert, dass die Partei vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet werden sollte. Der Landesvorstand der Partei hat dazu auf einer Klausurtagung sogar einen Beschluss gefasst.
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