„Krone“-Kommentar

Wenn Volksparteien nichts ändern, wird‘s ER tun

Kolumnen
22.09.2026 05:30

„Desaster“ nennt sogar der deutsche Bundeskanzler und Unionschef Friedrich Merz selbst den Ausgang der beiden Wahlgänge in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am vergangenen Sonntag, von der „schwersten Niederlage seit Jahrzehnten“ hatte er vor zwei Wochen nach dem überragenden Sieg der rechten AfD über die Merz-Partei in Sachsen-Anhalt gesprochen.

Vom Verlust der Mitte, vom Niedergang, dem Absturz der klassischen, der großen Volksparteien ist jetzt rundum die Rede.

Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Chefredakteur
Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/Imre Antal, stock.adobe.com)

Ja, die „klassischen Volksparteien“: Damit meint man in Deutschland Union und SPD, in Österreich deren Schwestern ÖVP und SPÖ. Sie verlieren dort wie da. Weil ihnen das Volk abhandenkommt, schrumpfen die Volksparteien zu Völkchenparteien.

Doch was tritt an ihre Stelle? Parteien an den äußeren Rändern – besonders auf der rechten Seite, aber nicht nur. Am Land zieht das Wahlvolk nach rechts, in der Stadt mitunter auch nach links.

Das zeigte sich in milderer Form mit dem kommunistischen Erfolg in der Stadt Salzburg und erst recht mit dem 35-Prozent-Ergebnis für die KPÖ und ihre Bürgermeisterin Elke Kahr jüngst im Juni in Graz.

Und am Wochenende eroberten die Linken Berlin, während die Rechten in Mecklenburg-Vorpommern wie zuvor in Sachsen-Anhalt durchmarschierten.

Das Volk hat sich geändert. Das werden die „großen, alten Volksparteien“ verstehen müssen – auch hierzulande. Sonst beerbt sie der selbst ausgerufene „Volkskanzler“.

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