Expertin klärt auf

Eine Störung der Schilddrüse richtig erkennen

Wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät, kann sich das auf den gesamten Organismus auswirken. Weil die Beschwerden oft unspezifisch sind, wird eine Funktionsstörung nicht immer sofort erkannt. Umso wichtiger ist eine gezielte Abklärung. Eine Nuklearmedizinerin aus Wien erklärt, worauf es ankommt.

Eine Störung der Schilddrüse zeigt sich in der Regel nicht durch ein einzelnes Symptom. Wie die Wiener Nuklearmedizinerin Dr. Gerhild Kaukal im Fachmagazin „Ärzte Krone“ berichtet, ergibt erst die Kombination mehrerer Beschwerden das typische klinische Bild einer Über- oder Unterfunktion. Da Ursache und Therapie eng miteinander verknüpft sind, ist eine sorgfältige Untersuchung wichtig.

Bildet die Schilddrüse zu viele Hormone, liegt eine Überfunktion (Hyperthyreose) vor. Der Stoffwechsel läuft dann auf Hochtouren, dies führt zu Beschwerden wie Herzrasen, vermehrtes Schwitzen, Nervosität, innere Unruhe, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme und Zittern der Hände. „Ältere Patienten zeigen oft atypische Symptome, hier steht Müdigkeit, Gewichtsverlust, Muskelschwäche oder Vorhofflimmern im Vordergrund“, erklärt Dr. Kaukal.

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Erst die Kombination mehrerer Beschwerden ergibt das typische klinische Bild einer Über- oder Unterfunktion.

Dr. Gerhild Kaukal Fachärztin für Nuklearmedizin, Wien

Eine Unterfunktion (Hypothyreose) hingegen verlangsamt alle Stoffwechselprozesse. „Klinisch zeigt sich dies vor allem durch Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung und kognitive Verlangsamung. Bei älteren Patienten sollte bei Müdigkeit oder depressiver Symptomatik stets auch an eine Hypothyreose gedacht werden“, so die Expertin.

Erster Schritt: TSH-Wert bestimmen
Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, ist die Bestimmung des TSH-Wertes die wichtigste erste Untersuchung. Liegt dieser Wert außerhalb des Referenzbereichs, werden zusätzlich die freien Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 gemessen. Was die Ergebnisse verraten: 

TSH-Wert erniedrigt – Überfunktion: Ist der TSH-Wert unter dem Normwert, fT4 und fT3 liegen aber noch im normalen Bereich, dann ist bereits das Vorstadium einer Schilddrüsenüberfunktion vorhanden (latente Hyperthyreose). Betroffene spüren vorerst keine oder nur sehr leichte Beschwerden.

Ist der TSH-Wet erniedrigt, fT3 und/oder fT4 aber erhöht, liegt bereits eine voll ausgeprägte Überfunktion (manifeste Hyperthyreose) vor. Hier treten auch deutliche Beschwerden auf und eine Therapie ist in der Regel sofort erforderlich, da unbehandelt eine Entgleisung des Stoffwechsels droht.

Zur Sicherung der Diagnose werden die Schilddrüsenautoantikörper, insbesondere TRAK (TSH-Rezeptor-Autoantikörper) bestimmt. Auch eine Schilddrüsen-Szintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchungsmethode) ist angeraten, um die Ursache der Überfunktion herauszufinden. Diese entsteht entweder durch gesteigerte Neuproduktion (Produktionshyperthyreose) oder (seltener) eine vermehrte Freisetzung gespeicherter Hormone aufgrund einer entzündungsbedingten Zerstörung von Schilddrüsengewebe (Destruktionshyperthyreose). Während erstere eine medikamentöse Therapie erfordert, klingt letztere meist von alleine ab.

TSH-Wert erhöht – Unterfunktion: Die Schilddrüsenunterfunktion zählt zu den häufigsten endokrinologischen Erkrankungen. Sie zeigt sich jedoch meist mit unspezifischer Symptomatik, wie Dr. Kaukal betont.

Zu den typischen Ursachen zählt eine chronische Entzündung durch eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift (Hashimoto-Thyreoiditis), aber auch durch Jodmangel, Medikamente oder Operationen. Die fehlenden Hormone müssen durch lebenslange, tägliche Tabletteneinnahme ausgeglichen werden.

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