Ein Bandscheibenvorfall kommt oft plötzlich und ist meist mit starken Beschwerden verbunden. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorsorge lässt sich das Risiko für schmerzhafte Rückenleiden deutlich senken. Erfahren Sie, welche Maßnahmen hilfreich sind, um Ihre Wirbelsäule gesund und belastbar zu halten.
Das „Kreuz mit dem Kreuz“ beschäftigt tausende Österreicher: Rund ein Viertel der Bevölkerung ab 15 Jahren klagt über chronische Kreuzschmerzen oder andere chronische Rückenleiden. Manchmal liegt gar ein Bandscheibenvorfall vor. „Davon spricht man, wenn der Gallertkern der Bandscheibe den äußeren Faserring durchbricht“, erklärt der Wiener Allgemeinmediziner Dr. Christian Maté. Das passiert mitunter langsam oder ganz plötzlich. Durch das austretende Gewebe kann es zu Druck auf die Wurzeln der aus dem Rückenmark austretenden Nerven oder auf das Rückenmark selbst kommen.
Meist unterer Rücken betroffen
Neun von zehn Patienten leiden unter einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (LWS). In etwa zehn Prozent der Fälle kommt es an der Halswirbelsäule (HWS) zu einem Bandscheibenvorfall. Im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) sind Bandscheibenvorfälle sehr selten – dann jedoch oft im unteren Bereich lokalisiert.
„Symptome, die darauf hindeuten, sind Rückenschmerzen, die in Arme oder Beine ausstrahlen sowie manchmal auch Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen“, beschreibt der Vorsorgespezialist Dr. Maté.
Folgende Maßnahmen sind wichtig, um den Rücken zu entlasten bzw. zu stärken:
Alarmsignale beachten: Treten Gefühlsstörungen im Bereich von After und Genitalien sowie der Innenseite der Oberschenkel auf oder kommt es zu plötzlichen Störungen beim Wasserlassen und Stuhlgang, sollten Betroffene umgehend ein Krankenhaus aufsuchen.
Manchmal bemerkt man keine Schmerzen
Was viele nicht wissen: Mitunter bleibt ein Bandscheibenvorfall gänzlich unbemerkt oder wird als Zufallsbefund entdeckt. Aus Untersuchungen mit Kernspintomografie weiß man, dass auch Menschen, die nicht unter Rückenschmerzen leiden, einen Bandscheibenvorfall haben können. Letztendlich hängt es sowohl von der Lage als auch vom Ausmaß des Bandscheibenvorfalls ab, ob und welche Symptome auftreten können.
Die Wirbelsäule altert mit uns. Erste Verschleißerscheinungen zeigen sich in der Regel ab 30 Jahren – zuallererst an den Bandscheiben.

Dr. Christian Maté, Allgemeinmediziner aus Wien
Bild: Eva Manhart
Dr. Maté.: „Wie die Elastizität der Haut mit zunehmendem Alter sinkt, nimmt auch die Spannkraft der Bandscheiben ab. Diese verlieren laufend die Möglichkeit, Nährstoff- und Wasserverluste auszugleichen und werden mit der Zeit immer poröser. Das macht die Bandscheiben anfälliger für Risse – und passiert auch bei fehlenden Belastungsreizen durch Inaktivität.“
Überlastung erhöht den Druck
Umgekehrt wirken sich aber auch starke oder wiederholte Überbelastung schädigend auf die Bandscheiben aus. Gefährdete Berufe finden sich deshalb häufig im Bau- und Transportgewerbe und in der Krankenpflege. Außerdem können Übergewicht und Fehlhaltung Druck auf die Wirbelsäule ausüben und so das Risiko eines Bandscheibenvorfalls erhöhen.
Jedoch auch statische Bürojobs im Sitzen können die Bandscheiben belasten. Daher alle 30 bis 60 Minuten aufstehen und Bewegungspausen einlegen. Einen ergonomischen Sessel und Schreibtisch anpassen lassen.
Oft keine Operation nötig
In mehr als 90 Prozent der Fälle ist eine konservative (also nicht-chirurgische) Therapie mit Medikamenten und physiotherapeutischen Maßnahmen ausreichend. Dabei geht es vor allem in der akuten Phase um die Linderung der Schmerzen und um das schrittweise Heranführen an eine normale Beweglichkeit. Schonung oder gar strenge Bettruhe sind bei einem Bandscheibenvorfall hingegen mittelfristig nicht sinnvoll.
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