Bei einem Test brach ein KI-Modell des US-Konzerns OpenAI aus und startete eigenhändig einen Hackerangriff. Angesichts des Vorfalls werden die Stimmen lauter, die internationale Regeln für Künstliche Intelligenz fordern. An vorderster Front: die philippinische Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa.
„Wenn die Nationen keine Regeln und Sicherheitsmaßnahmen bestimmen, werden Tech-Unternehmen entscheiden, welchen Weg die Menschheit einschlägt“, warnte Ressa in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.
Globaler Einfluss der Künstlichen Intelligenz
Als Algorithmus hinter den sozialen Medien habe die Anwendung von Künstlicher Intelligenz erstmals ein globales Ausmaß erreicht. „An jedem Tag, an dem Regierungen nicht handeln, verlieren sie mehr und mehr Kontrolle – und mit ihnen alle Menschen“, so Ressa, die seit Jahrzehnten als Journalistin tätig ist. Gemeinsam mit dem kanadischen Turing-Preisträger Yoshua Bengio leitet sie den Expertenrat zum „Globalen Dialog“ der UNO über Künstliche Intelligenz (KI).
Es gehe nicht allein um den Einzelnen, sondern um den Einfluss von KI auf die Demokratie. Tiktok etwa könne über Wahlergebnisse mitentscheiden, betonte Ressa. „Diesen Einfluss dürfen wir nicht hinnehmen. Wenn Regierungen darauf nicht reagieren, könnte die Demokratie aussterben“, ergänzte die Friedensnobelpreisträgerin von 2021.
„Hände nicht in den Schoß legen“
Ressa kritisierte zudem, dass die Rechenleistung, die die Entwicklung von KI und Menschheit bestimme, stark ungleich verteilt sei. „75 Prozent liegen in den Vereinigten Staaten, 15 Prozent in China und fünf Prozent in der EU“, erklärte sie weiter.
Angesichts der Macht der Tech-Konzerne die Hände in den Schoß zu legen, sei dennoch keine Option: „Wir sind ihre Absatzmärkte. Wenn der Rest der Welt sich zusammenschließt und eine auf das öffentliche Interesse ausgerichtete Technologieplattform aufbaut, können wir gewinnen.“
Einige Länder seien laut Ressa bereits dabei, eine entsprechende Plattform zu entwickeln. „Die EU hat das versucht. Das muss schneller vorangehen. Wir stehen auf den Trümmern der Welt, die war, und das Aufregende daran ist, dass wir sie in einer besseren Version neu errichten können.“
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