Eine Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel gilt seit 1. Juli. Zwei Arbeiterkammern haben die aktuellen Preise mit Werten aus den Vormonaten verglichen – und sehen einen deutlichen Rückgang.
Die Mehrwertsteuersenkung dürfte also von vielen Supermärkten an die Kunden weitergegeben werden. Zu dem Schluss kommen zwei Überprüfungen der Arbeiterkammern (AK) Wien und Steiermark.
Steuersatz von 4,9 Prozent gilt
Bereits Anfang des Monats war die Nationalbank (OeNB) zu einem ähnlichen Schluss gekommen. Für bestimmte Lebensmittel gilt seit 1. Juli numehr ein Steuersatz von 4,9 Prozent, nach zuvor zehn Prozent.
In allen geprüften Handelsketten sei die niedrigere MWSt auf unter anderem Milch, Joghurt, Butter, Eier, Reis, Nudeln, Brot, Weizenmehl sowie bestimmte Obst- und Gemüsesorten vollständig weitergegeben worden, schreibt die AK Wien am Donnerstag.
Viele der geprüften Geschäfte hätten die Preise im Vergleichszeitraum sogar stärker gesenkt, als es die reine MWSt-Senkung geboten hätte. Verglichen wurden zwischen dem 6. bis 13. Mai 2026 erhobene Verkaufspreise mit Preisen zwischen dem 6. und 14. Juli. Dies in den Onlineshops von Billa, Interspar und Spar sowie in jeweils drei Filialen von Hofer, Lidl, Penny und Billa Plus.
Unterschiedliche Entwicklungen
Die AK Steiermark stellte dann einen deutlichen Rückgang der Preise von April bis Juli fest. Der steirische AK-Warenkorb mit 17 Basislebensmittel habe im Juli rund 7,6 Prozent weniger gekostet als noch drei Monate zuvor. Spezifische Warenkörbe für „Billigprodukte“, „Markenprodukte“ und „Bioprodukte“ entwickelten sich sehr unterschiedlich. Die Billiglinie sei seit April um rund 5,3 Prozent billiger geworden, bei den Markenprodukten gab es einen Preisrückgang um 7,7 Prozent. Bioprodukte wurden in dem Vergleichszeitraum um moderatere ein Prozent günstiger.
Handel und SPÖ sehen sich bestätigt
Handelsverband-Chef Rainer Will sieht Kritik am Lebensmittelhandel durch den Befund desavouiert. „Wer dem Handel im Vorfeld pauschal unterstellt hat, die Entlastung würde nicht bei den Menschen ankommen, ist damit klar widerlegt.“ Für den Handelsvertreter zeige die AK-Untersuchung, dass der „intensive Wettbewerb im österreichischen Lebensmittelhandel funktioniert“.
Bestätigt sieht sich auch die SPÖ, die die Steuersenkung in der Regierung „durchgesetzt“ habe, so der rote Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim. Er kritisiert auch die beiden Oppositionsparteien FPÖ und Grüne, die die Maßnahme im Nationalrat nicht mitgestimmt hatten.
Steuersenkung für FPÖ „Mini-Entlastung“
Die Freiheitlichen warfen Seltenheim im Gegenzug „Augenauswischerei“ vor. FPÖ-Bundesparteisprecherin Lisa Schuch-Gubik spricht mit Blick auf die MWSt-Senkung von einer „Mini-Entlastung“, die über die Paketabgabe (die als Gegenfinanzierung der Maßnahme eingeführt wurde; Anm), wieder neutralisiert werde.
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