Alarmierende Studie:

Gewalt an Frauen hat Folgen für ganze Gesellschaft

Österreich
23.07.2026 12:42
Porträt von krone.at
Von krone.at

Gewalt gegen Frauen kann weitreichende Folgen haben – nicht nur für die unmittelbar Betroffenen, sondern auch auf Ebene ganzer Gesellschaften. Eine neue Untersuchung der Medizinischen Universität Wien zeigt erstmals anhand internationaler Daten aus 37 Ländern, dass ein höheres Ausmaß an geschlechtsspezifischer Gewalt mit höheren Suizidraten bei Frauen in Zusammenhang steht.

Dass Frauen nach Gewalterfahrungen häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden und ein erhöhtes Risiko für suizidale Krisen haben können, war bereits aus zahlreichen Einzelstudien bekannt. Ein Forschungsteam der MedUni Wien hat nun untersucht, ob sich dieser Zusammenhang auch auf Bevölkerungsebene nachweisen lässt.

Dafür analysierten die Wissenschafter Daten aus 37 Ländern der WHO-Region Europa. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Journal of Interpersonal Violence“ veröffentlicht.

Hilfe für Betroffene:

Gewaltindex mit Daten aus 37 Ländern verglichen
Das Team um Armin Trojer, Daniel König-Castillo und Stephan Listabarth von der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie verwendete den sogenannten „Violence against Women Index“ (VAWI).

Dieser Index misst das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt anhand von elf Indikatoren. Berücksichtigt werden dabei verschiedene Formen von Gewalt – darunter körperliche, sexuelle und psychische Gewalt sowie Benachteiligungen, die die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen einschränken können.

⭕️ #ViolenceAgainstWomen and female #suiciderates: A study by #MedUniVienna based on data from 37 countries in the @who.int​ European Region provides the first evidence of a population-level link ➜ higher levels of #GenderBasedViolence are associated with higher #suicide rates among women. ⬇️

[image or embed]

— MedUni Wien (@meduniwien.ac.at) 23. Juli 2026 um 11:52

Die Forschenden verglichen diese Werte mit den altersstandardisierten Suizidraten von Frauen in den jeweiligen Ländern. Zusätzlich wurden weitere Einflussfaktoren berücksichtigt, darunter das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, Arbeitslosenquoten sowie Daten zur Gesundheitsversorgung und Kriminalität.

Zusammenhang ab mittlerem Gewalt-Niveau
Alarmierend: Die Analyse ergab dabei einen statistisch signifikanten Zusammenhang: Ab mittleren VAWI-Werten zeigte sich ein Anstieg der weiblichen Suizidraten. Bei Ländern mit niedrigen VAWI-Werten zeigte sich hingegen ein gegenteiliger Zusammenhang. Laut Co-Studienleiter Daniel König-Castillo könnte dies unter anderem mit Unterschieden bei der Erfassung von Gewalt gegen Frauen und Suiziden zwischen den einzelnen Ländern zusammenhängen. Solche Unterschiede könnten statistische Auswertungen auf Bevölkerungsebene beeinflussen.

Die untersuchten VAWI-Werte lagen zwischen 0,035 in Norwegen und 0,292 in Moldawien. Die weiblichen Suizidraten reichten von 1,24 Todesfällen pro 100.000 Frauen in Griechenland bis 8,54 pro 100.000 Frauen in Belgien. Für Österreich weist die Studie einen VAWI-Wert von 0,096 aus – und liegt hierbei im Mittelfeld der untersuchten Länder. Auffällig ist jedoch die in der Studie ausgewiesene weibliche Suizidrate von 5,74 Fällen pro 100.000 Frauen.

Forscher fordern bessere Datengrundlage
Die Studienautoren betonen, dass die Ergebnisse auch die Bedeutung einer besseren und international vergleichbaren Datenerhebung unterstreichen. Gewalt gegen Frauen und Suizide würden weltweit nicht überall gleich erfasst, heißt es.

Eine bessere Datenlage könne nicht nur weitere Forschung ermöglichen, sondern auch dazu beitragen, das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und gezieltere Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, erklärt Studienleiter Stephan Listabarth.

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden oder von Suizidgedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern finden Sie HIER.
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