Ein Lkw einer südsteirischen Transportfirma war mit Parolen beklebt, die als rechtsextremistisch eingestuft werden können und das Nazi-Regime verharmlosen. Nachdem das Fahrzeug in Graz fotografiert wurde, gab es nun eine Anzeige bei der Polizei. Das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung ist informiert.
Montagfrüh am Grazer Lendplatz: Bei der Baustelle vor einem Hotel parkt ein Lkw einer südsteirischen Spedition. Ein Passant wird dabei auf drei Schriftzüge auf dem Fahrzeug aufmerksam: „Führerhaus“ steht über dem Fahrerhaus, am rechten Seitenfenster ist „Klagt nicht, kämpft“ zu lesen, und am linken „Arbeit macht frei“. Die Fotos liegen der „Krone“ vor.
„Arbeit macht frei“: Dieser zynische Satz prangt auch an Eingängen verschiedener Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten – etwa in Auschwitz –, in denen Hunderttausende Menschen aufgrund der NS-Rassenideologie ermordet wurden. „Der Slogan ist bekannt. Er will die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosen und die Opfer verhöhnen“, erklärt Daniela Grabovac, Leiterin der steirischen Extremismus-Präventionsstelle „next“. Dadurch könnte der Tatbestand des §3g im Verbotsgesetz (Wiederbetätigung) erfüllt sein. Auch eine Verwaltungsstrafe mit bis zu 10.000 Euro Strafhöhe ist möglich.
Die Entfernung des Slogans ist wesentlich. Sonst macht sich das Unternehmen mitschuldig.

Extremismus-Expertin Daniela Grabovac
Bild: Christian Jauschowetz
Wer hat die Slogans aufgeklebt?
Wichtig sei in so einem Fall der Vorsatz der Person, die den Schriftzug am Lkw angebracht hat, heißt es von der Grazer Staatsanwaltschaft. Die anderen beiden Parolen erfüllen nicht per se den Tatbestand nach dem Verbotsgesetz, sagt Grabovac. „Führerhaus“ ist als Anspielung nicht eindeutig, und der Spruch „Klagt nicht, kämpft“ ist historisch nicht ausschließlich dem rechtsextremen Milieu zuordenbar.
Ob der Lkw-Fahrer selbst die Sprüche aufgeklebt hat und inwiefern die Spedition davon wusste, ist unklar. Eine Anfrage der „Krone“ blieb unbeantwortet. Jedenfalls taucht ein Foto des Lasters mit der Aufschrift „Führerhaus“ bereits im März 2020 auf der Instagram-Seite des Unternehmens auf.
Staatsschutz wurde informiert
Nachdem der Vorfall am Montagabend bei der Polizei angezeigt wurde, laufen nun die Ermittlungen. „Das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung wurde verständigt“, heißt es von der steirischen Polizei gegenüber der „Krone“.


Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.