Ex-Formel-1-Pilot

„Dort attackieren, wo anderen der Saft ausgeht!“

Formel 1
23.07.2026 13:10
Porträt von Ann-Sophie Walten
Von Ann-Sophie Walten

Vor der Sommerpause macht die Königsklasse traditionell Halt in Ungarn.

Ex-Formel-1-Pilot und GPDA-Präsident Alexander Wurz erklärt der „Krone“, wo die Schlüsselfaktoren am Hungaroring liegen – und warum das „Sudern“ über die neuen Motoren reine Zeitverschwendung ist ...

Wenig erholt und mit viel Kummer im Gepäck reist die Königsklasse aus dem belgischen Spa weiter nach Ungarn, wo traditionell der letzte Grand Prix vor der Sommerpause stattfindet. Gleich sechs der 22 Piloten konnten in Belgien nicht auf die volle Leistung ihrer Motoren zurückgreifen. Was im Fahrerlager für reichlich Unmut sorgte ...

Der Grund: Ihre Power Units koordinierten das Laden und Entladen der Hybridbatterie nicht mit maximaler Effizienz. „Klar, die Situation auf energiehungrigen Strecken wie Silverstone oder Spa ist nicht optimal, wenn du Energie sparen musst, um dadurch unterm Strich schneller zu sein“, weiß Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz.

Alexander Wurz (li.) im Gespräch mit Mercedes-Boss Toto Wolff.
Alexander Wurz (li.) im Gespräch mit Mercedes-Boss Toto Wolff.(Bild: GEPA)

Die Auswirkungen können unterschiedlich ausfallen: Mal wird am Kurvenausgang zu viel Leistung abgegeben, mal wird am Kurveneingang zu wenig Energie zurückgewonnen. Teilweise wird Leistung ohne erkennbaren Grund zurückgehalten oder das sogenannte Superclipping – das Laden der Batterie über den Verbrennungsmotor unter Volllast – setzt zu früh ein.

„Man kann es negativ sehen oder einfach akzeptieren. Die Entscheidungen sind bereits getroffen worden, und es wird Verbesserungen geben. Es wird nachjustiert“, so Wurz. Und fügt noch hinzu: „Ziel der Formel 1 ist es, dass legendäre Vollgas-Passagen künftig wieder am Limit gefahren werden können.“

Kimi Antonelli
Kimi Antonelli(Bild: AP/Peter Powell)

Mit den Rennen in Monza und Baku warten im September weitere Strecken, auf denen das Debakel rund um das „Energiemanagement“ erneut zum Unruhestifter werden könnte ... „Welche Geschwindigkeitsunterschiede wir dort haben werden, hängt auch von der Einstellung des Deployments der Teams ab,“ erklärt der Fahrergewerkschaftspräsident. 

Gefangen im Hitzekessel 
Für das kommende Rennwochenende am Hungaroring gibt es im Wesentlichen zwei Schlüsselfaktoren, die laut Wurz entscheidend sind: „Wer hat die beste Aerodynamik und wer kommt mit den Reifen im Hitzekessel von Budapest thermisch am besten zurecht.“

Die Scuderia Ferrari reist mit Rückenwind nach Budapest. Der zweite Platz von Charles Leclerc und Rang vier von Lewis Hamilton in Spa brachten der Scuderia 30 Punkte und unterstrichen den positiven Trend der vergangenen Rennwochenenden.

Lewis Hamilton gratuliert Mercedes-Pilot Kimi Antonelli nach dessen Sieg im belgischen Spa. .
Lewis Hamilton gratuliert Mercedes-Pilot Kimi Antonelli nach dessen Sieg im belgischen Spa. .(Bild: AFP/PETER POWELL)

Auch die Statistik macht Hoffnung: In bislang 40 Grands Prix auf dem Hungaroring feierte Ferrari sieben Siege und stand 26-mal auf dem Podium. Hamilton ist mit acht Erfolgen zudem der Rekordsieger der Strecke. „Im Durchschnitt sind sie derzeit die zweite Kraft. Auf das Durchschnittsniveau von  Mercedes fehlt schon noch ein bisschen was.“

Zwar kann der SF-26 auf eine einzelne Runde im Qualifying derzeit nicht mit Mercedes mithalten - dort scheint die größte Schwäche der Scuderia zu liegen -, bei den Rennenstarts zählt Ferrari jedoch regelmäßig zu den stärksten Teams.

Wurz: „Auf irgendeine Art und Weise scheint der Ferrari sehr flexibel zu sein, was das Energiemanagement und den Energieverbrauch betrifft. Sie können sich die Energie über die Runde gut einteilen und deshalb beim Start oder in den ersten beiden Runden immer wieder an Stellen angreifen, an denen Mercedes mit seiner Energiesoftware bereits der Saft ausgeht ...“

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