Bregenzer Festspiele

Van der Bellen: „Ich mach’ da nicht mit“

Innenpolitik
22.07.2026 11:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

Während nebenan auf der Seebühne ein überdimensionaler Spiegel eindrucksvoll splittert, ruft Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Bregenzer Festspielhaus die Österreicher dazu auf, es sich nicht zu bequem zu machen – und unser Land zu verteidigen.

Van der Bellen ist kein Lauter, kein Polterer und nur selten ein Mann der klaren Worte („So sind wir nicht!“) – und dennoch geben seine Eröffnungsreden in Bregenz und Salzburg erfahrungsgemäß den Herrschenden im Lande (s)eine Linie vor. So mahnte er etwa den damaligen Kanzler Karl Nehammer indirekt, als der darüber sprach, was in Österreich „normal“ sei – und was nicht. Und auch Herbert Kickl, wenn auch nie namentlich genannt, erfährt zwischen den Zeilen, warum der Bundespräsident ihn nicht für kanzlertauglich hält. So auch heuer in Bregenz. 

Zu Beginn staatstragend-versöhnlich
Zum 80-jährigen Jubiläum der Festspiele spannte Van der Bellen den Bogen erst von der spektakulären Kunst am Bodensee zur politischen Gegenwart. Die Erfolgsgeschichte der Festspiele sei ein Beispiel dafür, was möglich werde, wenn Menschen sich „nicht mit dem einfach zu Erreichenden zufriedengeben“. Österreich habe nach Katastrophen immer wieder die Kraft gefunden, sich neu zu erfinden, sagte der Bundespräsident. Dabei warnte er jedoch davor, die großen Errungenschaften der Zweiten Republik als Selbstverständlichkeit anzusehen. Demokratie finde nicht nur am Wahltag statt.

Vor allem aber warnte er vor einfachen Antworten auf komplexe Probleme. In einer Zeit sozialer Netzwerke sei es leicht, „Wut zu schüren, Vertrauen zu zerstören und Menschen gegeneinander auszuspielen.“ Schwieriger sei es, Lösungen zu finden, und Vertrauen aufzubauen. Und schwieriger sei es, Menschen miteinander zu verbinden.

Wertekanon für Österreich
Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit, Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Mitmenschlichkeit und Verantwortung seien „keine altmodischen Begriffe aus dem Geschichtsbuch“, sondern die tragenden Fundamente des Landes. Diese Werte müssten nicht nur von Politik und Institutionen gepflegt werden, sondern von jedem Einzelnen – von Lehrern, Polizisten, Unternehmern, Journalisten, Bürgermeistern und Eltern.

Der deutlichste Satz fiel, als Van der Bellen auf jene zu sprechen kam, die  gezielt das Trennende betonen. Politische Kultur beginne dort, „wenn andere verächtlich gemacht werden oder versucht wird, das Niedrigste aus den Menschen herauszuholen“, und jemand aufstehe und sage: „Ich mach’ nicht mit.“ „Üben wir uns in Respekt. Respekt ist ansteckend. Dagegen müssen wir uns nicht impfen“, so der Bundespräsident.

Van der Bellen verglich die österreichische Gesellschaft mit einem Orchester. Für das Miteinander benötige man auch Taktgefühl.

„Ein Österreich, das sich nicht kleinmacht“
Das alles sei es, was eine freie, liberale Demokratie ausmache. Das verlange Geduld, Respekt, Kompromisse und Mut. Man müsse sie verteidigen. „Sie kostet uns mitunter etwas. Dafür gibt sie uns die Freiheit, unser Leben selbst zu gestalten. Und auch die Sicherheit, dass Macht an rechtsstaatliche Regeln gebunden ist.“

Wie sonst gerne Kickl strich Van der Bellen am Ende den „Stolz auf Österreich“ in seiner Rede hervor – ein Österreich, das „seine Geschichte kennt, ohne in ihr stecken zu bleiben. Das sich nicht kleinmacht. Das niemanden kleinmacht. Ein Österreich, das sagt: ,Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören.‘“

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