Nachdem er sein Haus in die Luft gejagt hat, liegt der 93-jährige Wiener Walter S. im künstlichen Tiefschlaf. Am Mittwoch hätte er einen Termin am Bezirksgericht gehabt. „Das hat ihn fertiggemacht“, erzählt ein Nachbar, dem sich der Senior nur Stunden vor der Tat anvertraut hatte.
Nach der verheerenden Gasexplosion in der Nacht auf Sonntag in Wien-Floridsdorf laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Wie berichtet, hat ein 93-jähriger Wiener sein Haus in die Luft gejagt, weil er nicht ins Altersheim wollte. Dabei wurden mehrere Gebäude beschädigt, acht Personen erlitten leichte Verletzungen.
Während Walter S. auf der Intensivstation im künstlichen Tiefschlaf liegt, bleibt die Frage nach dem Warum. Die geschockten Anrainer der idyllischen Einfamilienhaussiedlung am Wiener Stadtrand sind sich einig: Der Walter war ein netter Mensch, immer freundlich.
Das Haus aus den 1930er-Jahren hat der ehemalige Abteilungsleiter einer Installationsfirma schrittweise vergrößert, bis es schließlich seinem Stiefsohn übergeben wurde, mit einem lebenslangen Wohnrecht für Walter. „Man hat dem Buam noch zwei Millionen Schilling (145.344 Euro) gegeben als Entschädigung für Mietentgang“, weiß ein Nachbar, bei dem der Pensionist oft sein Herz ausgeschüttet hat.
Am Bezirksgericht dem Stiefsohn gegenübergestanden
Jeder wusste: Walter S. und sein Stiefsohn konnten nicht miteinander. Am Mittwoch wären sie sich am Bezirksgericht gegenübergestanden. Unter anderem soll der Pensionist die Unterschrift des Stiefsohnes in Zusammenhang mit einem Carport gefälscht haben. Neben der angeblichen Urkundenfälschung ging es noch um ein Bauwerksbuch, für das er allerdings bis 2030 Zeit gehabt hätte, sowie um das Schließen des Gartentors.
Er hat sein ganzes Geld in das Haus gesteckt. Der bevorstehende Gerichtstermin brachte ihn aus dem Häuschen.
Ein Nachbar
„Er war noch nie vor Gericht“
„Er war mit seinen 93 Jahren noch nie vor Gericht. Das hat ihn fertiggemacht“, weiß der Nachbar. „Wir haben ihn oft zu bestimmten Anlässen wie Weihnachten oder Silvester zu uns eingeladen“, fügt seine Frau hinzu. Denn vor knapp zehn Jahren sei seine geliebte Gattin verstorben. Seitdem lebte Herr S. alleine in dem großen Haus.
Der rüstige Senior war ein perfekter Hausmann, hat sogar noch den Rasen gemäht. Selbst sein Hausarzt staunte über seinen Gesundheitsstatus. Das Auto war ihm heilig, so fuhr er gerne mittags für ein günstiges Menü in ein nahes Möbelhaus.
Am Samstag um 17.30 Uhr hat Walter S. das letzte Mal mit seinem Nachbar, der gerade auf Kurzurlaub weilte, telefoniert und gemeint: „Ich habe keine Nerven mehr.“ Dieser antwortete: „Am Montag können wir über alles reden. Reg’ dich nicht auf, es wird alles gut gehen!“ Doch nichts wurde gut ...
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