Tödliches Stauende

Lkw-Unterfahrschutz ist fast völlig wirkungslos!

Motor
03.07.2026 05:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es ist ein Albtraum, der häufig tödlich endet: Plötzlich steht auf der Autobahn alles, man reagiert zu spät, weil man vielleicht zu schnell oder abgelenkt ist, und kracht mit dem Pkw ins Heck eines Lkw. Die Überlebenschancen sind gering, obwohl ein Unterfahrschutz gesetzlich vorgeschrieben ist.

Dabei ist es nicht so, dass dieser nicht grundsätzlich bei jedem Lkw vorhanden wäre. Oder abgebaut, entsprechend den Assistenzsystemen, die viele Lkw-Fahrer abschalten. Nein, sie sind nur schlicht (nahezu) wirkungslos. Das ist das Ergebnis mehrerer Crashtests mit Beteiligung von ADAC, Euro NCAP sowie Partnern aus Schweden und den USA haben.

Im ADAC Test- und Technikzentrum im bayerischen Landsberg wurde ein Fahrzeug mit 56 km/h auf ein stehendes und über 18 Tonnen schweres Lkw-Gespann aufgefahren. Dabei riss die Verbindung des Unterfahrschutzes ab und er wurde nahezu unbeschädigt zur Seite herausgeschleudert. Das Auto tauchte unter den Anhänger ein und wurde bis zur B-Säule aufgerissen. 

Ein weiterer Test von Euro NCAP in Großbritannien zeigte das gleiche Bild: Auch in diesem Szenario versagte der Unterfahrschutz und die Ladefläche des Aufliegers bohrte sich in die Fahrgastzelle, wobei sie den Fahrer geradewegs am Kopf getroffen hätte. Während in diesem Fall nur ein Dummy zu Schaden kam, hätte ein echter Mensch kaum eine Überlebenschance gehabt.

Assistenzsysteme helfen teilweise
Die Tests wurden auch auf die Assistenzsysteme moderner Fahrzeuge ausgeweitet. In dem Vergleich mit sieben aktuellen Modellen und einem Lkw-Nachbau zeigt sich, dass viele Fahrzeuge bei geringen Geschwindigkeiten in der Lage sind, das Hindernis zu erkennen und rechtzeitig abzubremsen. Je höher die Geschwindigkeit aber wird, desto herausfordernder wird die Aufgabe für das Assistenzsystem: Bei Tempo 130 hätte keines der Assistenzsysteme eine Kollision vermeiden können und es käme zu folgenschweren Kollisionen.

Der ADAC fordert vor diesem Hintergrund strengere Zulassungsvorgaben auf UN-Ebene sowie Unterstützung für die Nachrüstung bestehender Nutzfahrzeuge. 

Als Positivbeispiel dient die Entwicklung in den USA, wo bereits wirkungsvolle Unterfahrschutzsysteme im Einsatz sind. Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die am Markt verfügbaren Lösungen in der Lage dazu sind, die Energie bei einem Unfall aufzunehmen und ein Unterfahren des Fahrzeugs zu verhindern. 

Ein Zukunftstraum? Nicht unbedingt. Nach ADAC-Erkenntnissen gibt es solche Einrichtungen zumindest in Deutschland bereits.

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