Angst vor Spionage

Polestar darf keine Autos mehr in die USA liefern

Motor
29.06.2026 08:51
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Elektroautohersteller Polestar muss den Verkauf von Neuwagen in den USA einstellen. Das Verbot gilt für alle Fahrzeuge ab dem Modelljahr 2027, bereits produzierte Polestar 3 und Polestar 4 dürfen nach Angaben des Herstellers noch aus vorhandenen Beständen verkauft werden.

Hintergrund ist eine Entscheidung des US-Handelsministeriums, das der schwedisch-chinesischen Marke keine Genehmigung zum Vertrieb vernetzter Fahrzeuge erteilt hat.

Grundlage für das Verkaufsverbot ist die sogenannte „Connected Vehicles Rule“ des US-Handelsministeriums. Sie untersagt den Verkauf vernetzter Fahrzeuge, wenn entweder der Hersteller selbst oder der Lieferant bestimmter Software-Komponenten chinesisch ist oder unter chinesischer Kontrolle steht. 

Hinter der Regelung stehen vor allem Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Die US-Regierung betrachtet moderne vernetzte Autos mit ihren Kameras, Mikrofonen und Ortungsgeräten als eine Art „Computer auf Rädern“, der große Mengen sensibler Daten sammelt, etwa über Fahrtstrecken, Aufenthaltsorte, persönliches Verhalten oder die Umgebung militärischer Einrichtungen. Neben Spionage fürchten die USA auch Sabotage durch Fernsteuerung der Autos. 

Polestar kritisiert die Entscheidung und prüft rechtliche Schritte. Die USA spielten für die Premiummarke des chinesischen Geely-Konzerns zuletzt allerdings nur noch eine vergleichsweise kleine Rolle. Im ersten Quartal 2026 erzielte Polestar nach eigenen Angaben 94 Prozent seines weltweiten Einzelhandelsabsatzes außerhalb des Landes. Als Reaktion auf das US-Aus will das Unternehmen vor allem sein Geschäft in Europa sowie in weiteren internationalen Märkten ausbauen. 

Welche Überlegungen im Detail hinter der Entscheidung stehen, gibt das US-Handelsministerium nicht offiziell bekannt. Polestar-Schwester Volvo, die teilweise die gleichen Technik-Architekturen nutzt, darf weiterhin Autos in den USA verkaufen. Auch US-Hersteller wie Ford oder General Motors, die Fahrzeuge für den Heimatmarkt in China bauen oder dafür Komponenten nutzen, sind nicht von einem Verbot betroffen.

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