Vom Ozean bis ins All schweben und dabei ein 8-Gänge-Fine-Dining-Menü – kreiert von einem Österreicher – auf Sterne-Niveau genießen: Eatrenalin im Europa-Park im deutschen Rust ist ein weltweit einzigartiges Dinner-Erlebnis zwischen Realität und Traumwelten.
Ein Glas Champagner, ein Amuse-Bouche mit Pastinake und Trüffel. Dann erscheint an der Wand ein Countdown. 3, 2, 1. Eatrenalin beginnt. Eine Reise, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. In einem hellen Raum mit kleinem Wasserfall erhebt Lina ihre Stimme. Die künstliche Intelligenz begleitet durch den Abend. Nun öffnen sich die Türen zu den „Floating Chairs“. Jeder Gast nimmt auf einem der futuristischen Sessel mit Beistelltisch Platz. Sie vermitteln das Gefühl des schwerelosen Schwebens über dem Boden, obwohl sie rund 320 Kilo wiegen.
Sanft gleiten die Gäste in verschiedenen Choreografien durch Räume in immer neue Genusswelten. Etwa in die Tiefen des Ozeans, wo plötzlich ein Gericht mit Hamachi-Fisch, Gelber Rübe und Kamille erscheint. Später wird der Geschmack geschärft, bevor es in den japanischen Raum Umami geht. Ein Genuss ist auch der Verzicht auf das Handy für Fotos und Videos ab dem dritten Raum. So stehen Essen, Eindrücke und Überraschungsmomente noch mehr im Mittelpunkt.
Top-Kulinarik als besonderes Erlebnis
Jede Szenerie ist bis ins Detail inszeniert, begleitet von Licht, Musik, Düften und dem passenden Gang des Acht-Gänge-Menüs samt Getränken. Dabei werden alle Sinne angesprochen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen verschmelzen zu einem immersiven Gesamterlebnis. Man staunt, entdeckt, lässt sich auf Unerwartetes ein. Kulinarisch verantwortlich ist der aus Vorarlberg stammende Zwei-Sterne-Koch Peter Hagen-Wiest (siehe Interview S. 54).
Im Restaurant Ammolite – House of Light, das sich im Leuchtturm des Europa-Park-Hotels Bell Rock befindet, hält er seit über zehn Jahren zwei Michelin-Sterne. Für Eatrenalin entwickelt er die Menüs und lädt auch befreundete Spitzenköche ein, Gerichte zu kreieren. Für das neue Menü, das ab 25. Juni serviert wird, holte sich Hagen-Wiest Unterstützung von den ebenfalls je mit zwei Sternen dekorierten Köchen Hans Neuner (Restaurant Ocean, Portugal) und Dieter Koschina (Vila Joya, Portugal), beide Österreicher.
Die außergewöhnliche Reise ist Teil des Europa-Park Erlebnis-Resorts, zu dem neben Deutschlands größtem Freizeitpark mit über 100 Attraktionen und 14 Achterbahnen auch die riesige Wasserwelt Rulantica gehört.
Das Konzept von Eatrenalin wurde mehrfach ausgezeichnet (u. a. mit dem TEA Thea Award, dem Oscar der Unterhaltungsbranche) und hat sogar einen eigenen Fanclub. Die Idee dazu hatte Thomas Mack, der im Familienunternehmen die operative Leitung des Erlebnis-Resorts verantwortet, während eines „Fluges“ über Europa in der Attraktion „Voletarium“. Die Faszination eines Fahrgeschäfts sollte mit gehobener Gastronomie verschmelzen. 20 Mio. Euro und immenses Know-how aus allen Firmenbereichen investierte man in die Umsetzung dieses weltweit einzigartigen Projekts. „Unser Antrieb ist, Menschen glücklich zu machen“, sagt Thomas Mack im Gespräch. Genau das schafft dieses eindrucksvolle Erlebnis, das die menschlichen Sinne wahrlich das Staunen lehrt. Unter anderem mit einem Gericht, das man im Angesicht des Mondes genießt. Und auch Linas Geschichte, die als KI keine Sinne und Gefühle kennt, nimmt letztlich noch eine spannende Wendung.
Zurück Richtung Realität wird man ebenfalls sanft entlassen. Es bleibt Zeit, den Abend in der Cocktailbar, eine der renommiertesten Bars Deutschlands, ausklingen zu lassen. Und die Frage zu klären, wie man Eatrenalin nun am besten beschreibt. Nach über zwei Stunden voller Eindrücke, Gaumenfreuden und Überraschungen bleibt nur eine ehrliche Antwort: Man muss es selbst erleben.
Peter Hagen-Wiest, 2-Sterne-Koch und gebürtiger Bregenzer, über seine Vision für Eatrenalin und die Botschaft hinter seinen kulinarischen Kreationen.
„Krone“: Herr Hagen-Wiest, wie beschreiben Sie als kulinarischer Direktor Eatrenalin in drei Worten?
Peter Hagen-Wiest: Genussvoll, mutig und spannend.
Was ist das Mutige daran?
Dass wir auch Sachen machen, mit denen man nicht rechnet. Im nächsten Menü gibt es etwa Austern. Das funktioniert aber gut, weil man bei uns bereit ist, Neues zu probieren.
Welcher ist Ihr Lieblingsraum?
Der Umami-Raum, weil er so authentisch ist. Man könnte sich auch in Japan befinden.
Was ist die größte Herausforderung?
Die Logistik für 160 Gäste je Abend.
Wie beeinflussen Österreich und Länder, in denen Sie gearbeitet haben, Ihre Küche?
Meine Küche spiegelt meine Lebensreise wider. Man findet Einflüsse aus Portugal oder von daheim. Ich habe im Ammolite – House of Light schon einen Ofenschlupfer (Scheiterhaufen, Anm.) als Dessert serviert, ein Stück Kindheitserinnerung.
Welches Gefühl wollen Sie mit Ihren Gerichten vermitteln?
Ich war einmal in Barcelona in einem Drei-Sterne-Restaurant essen. Da habe ich nur ein Stück Ente und Sauce bekommen. Ein einfaches Gericht, aber eine Geschmacksexplosion, die ich nie vergessen werde. Es ist mein Wunsch, das mit meiner Küche zu erreichen.
Einzelne Gerichte im Menü kreieren befreundete Sterneköche.
Ja, das macht mir das Leben ein bisschen leichter (lacht). Sie bringen neue Ideen und das ist spannend.
Was sollen Gäste mitnehmen?
Im Idealfall geht es ihnen wie mir in Barcelona. Sie erinnern sich an ein Gericht und wollen wiederkommen.
Ihre Vision für Eatrenalin?
Unser Traum ist ein Michelin-Stern. Wir können nur jeden Tag einen guten Job machen. Das andere liegt nicht in unserer Hand.
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