Schatten, goldene Dächer und böhmischer Charme – auf den Spuren von Dan Browns Mystery-Thriller „The Secret of Secrets“, der in der „Stadt der 1000 Türme“ spielt. Der Tourismus bringt die prächtige Stadt an der Moldau mittlerweile an ihre Grenzen.
Früher Morgen in Prag, über der Moldau wabert noch silbriger, nebeliger Dunst, der die Stadt mystisch verschleiert. Erste Sonnenstrahlen treffen auf die Fenster des Fairmont Golden Prag. Ein traditionsreiches Haus direkt am Fluss, das die elegante Moderne mit dem stillen Pathos der Stadt, die seit Jahrhunderten von Legenden lebt, verbindet. Von hier aus starten wir den Weg durch die Metropole, die in Dan Browns neuem Roman „The Secret of Secrets“ nicht nur Kulisse ist, sondern ihr Eigenleben bekommt.
Schon beim Verlassen des Hotels saugt einen die Parizska (Pariser Straße) ein. Die breite, elegante Allee führt mitten hinein in die Altstadt, Luxusboutiquen – gezählte 60 von Dior bis Hermes – in prachtvollen Wohn- und Geschäftshäusern aus der Jahrhundertwende. Doch hinter den Fassaden, da beginnt das alte Prag – jenes geheimnisvolle Labyrinth, in dem Dan Brown mit sichtlicher Begeisterung seinen Thriller spielen lässt.
Eine bessere Lage (und ein besseres Haus) gibt es in Prag nicht. Das Fairmont Golden Prag ist die „1er-Adresse“. Einen Steinwurf vom Jüdischen Viertel entfernt, ein paar Meter vom Zentrum. Unfassbare 500 Millionen Euro sind von den Eignern für Renovierung und Neugestaltung investiert worden. Außen Beton, innen große Kunst und Wohlfühlen in 320 Zimmern, fünf Restaurants und Bars. Noble Gäste haben das Haus bevölkert. Michael Jackson, Meryl Streep, Richard Nixon, oder Niki Lauda, um einige zu nennen. Geführt wird das Hotel von einem Österreicher, Gerhard Struger ist der kompetente, sympathische und kunstaffine Manager. (www.fairmontgoldenprague.com)
Ein paar Schritte weiter: der Altstädter Ring. Kaum ein Platz in Europa hat eine derart intensive Atmosphäre. Ganz früh gehört er noch Einheimischen und jenen, die die Stadt erleben wollen, bevor die Besucherhorden eintreffen. Denn auch Prag hat dem Übertourismus nicht entfliehen können
Im Buch spielt dieser Platz mehrfach eine Rolle. Brown beschreibt ihn als Kreuzung von Wissenschaft, Mythos und Macht – einen Ort, an dem Zeichen in Stein verborgen sind und jede Fassadenlinie mehr erzählt, als ein flüchtiger Blick erfassen kann. Wer hier steht, versteht auch, warum Prag Autoren wie ein Magnet anzieht. Kafka, Rilke, Werfel oder dem Urvater aller „rasenden Reporter“, Egon Erwin Kisch, war die Stadt Inspiration.
Blutige Astronomische Uhr als Attraktion
Dann schlägt die Stunde der berühmten Astronomischen Uhr beim Altstädter Rathaus. Wenn das kleine Schauspiel zu jeder vollen Stunde beginnt, dann wird um die beste Kameraposition gerempelt, getreten, geschubst. Doch spannender als das touristische Spektakel ist, dass Brown gerade diese Uhr als Symbol für das zentrale Motiv seines Romans nutzt: Die Frage nach Zeit, Bewusstsein und dem, was jenseits des Sichtbaren liegt.
Übrigens, vor mehr als 600 Jahren wurde diese Uhr geschaffen, eine Meisterleistung. Die (durchaus blutige) Legende behauptet, die Prager Bürger hätten dem Meister, der sie gebaut hat, nach Fertigstellung die Augen ausgestochen, damit er in keiner anderen Stadt mehr ein ähnliches (Wunder-)Werk schaffen konnte.
10 Millionen auf der Karlsbrücke
Je näher man dann wieder der Moldau kommt, desto heller wird die Stadt. Die Sonne legt Gold auf die Dächer, während Straßenmusiker am Ufer ihre ersten Töne spielen. Die Karlsbrücke erscheint langsam aus dem Dunst, wer sie ganz früh besucht, kann für wenige Minuten vergessen, dass sie zu den meistbesuchten Orten Europas gehört. 10 Millionen Überquerungen pro Jahr, sagt die Tourismus-Statistik. Das ist natürlich die Staufalle Nummer 1.
Am anderen Brückenende steigt die Stadt hinauf zur Burg. Der Weg, eine Reise durch Jahrhunderte. Kleine Häuser – deshalb heißt dieser Stadtteil auch Kleinseite – ducken sich an den Hang, und plötzlich öffnet sich über allem die monumentale Silhouette des Hradschin, einst Machtzentrum der Habsburger.
Heute wirkt er wie ein historisches Bühnenbild. Hier passierte auch der berühmte Fenstersturz – nach religiösem Streit entledigten sich die Tschechen des Statthalters der Habsburger, indem sie ihn einfach aus dem Fenster warfen. War aber leider auch Auslöser des 30-jährigen Krieges, der halb Europa vernichtete.
MYSTIZISMUS IM JÜDISCHEN VIERTEL
Gleich daneben der Veitsdom, Herzstück der Burg, die größte Kirche Tschechiens, wo auch die Kronjuwelen ausgestellt sind. Dort leuchtet ein Licht, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Es fällt durch hohe Glasfenster und taucht das Innere in Blau und Purpur. Allerdings: Rechnen Sie mit langen Anstehzeiten. Und natürlich spielt die Kathedrale eine Schlüsselrolle. Brown verwebt hier Symbolik mit literarischer Spannung und macht aus dem Gotteshaus einen Ort, an dem uralte Geheimnisse in den Kapellen verborgen liegen.
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE
www.praguetouristinformation.com
ANREISE
Nachmittags verändert sich die Stimmung. Die Stadt wird lebendig, warm, dichter. Dann lohnt ein Spaziergang ins Jüdische Viertel Josefov. Hier verdichtet sich jene mystische Seite Prags, die Brown besonders fasziniert hat. Die „Altneu“-Synagoge etwa gehört zu den ältesten Europas. Der Legende nach soll auf ihrem Dachboden der Golem ruhen – die von Rabbi Löw aus Lehm geschaffene Figur, über die er schließlich die Kontrolle verlor und die Prag bis heute als Symbol des Unsichtbaren begleitet. Und der alte Jüdische Friedhof ist überhaupt eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Prag.
Die schmalen Gassen von Josefov verbreiten auch tagsüber eine eigentümliche Stimmung. Hier versteht man, warum Prag nicht einfach schön ist. Prag ist atmosphärisch, eine Stadt, die nicht alles von sich preisgibt.
Gegen Abend kehrt man zum Fluss zurück. Das Licht wird diesiger, die Fassaden der Altstadt spiegeln sich im träge fließenden Wasser, am Ufer werden Cafés und Bars langsam voll. Eine Stimmung zum Niederknien.
Die böhmische Küche in ein paar Worten: Würzig, deftig, wie bei Oma. Alles das gibt es in Hülle und Fülle.
DREI LOKALKLASSIKER
BIERKULTUR
Tschechische Bierkultur ist legendär, eine der ältesten in Europa. Von hier kommt das Pilsener. Die Tschechen – jetzt weiß man, woher „tschechern“ kommt – sind mit 121 Litern pro Kopf und Jahr Weltmeister im Bierkonsum.
Hier hat angeblich ein Schlitzohr, „der brave Soldat Schwejk“, berühmt durch Schriftsteller Jaroslav Hašek, sein Bier getrunken.
KONDITOREIEN
Die gute alte Mehlspeis, die wurde in der Zeit der Monarchie hier (mit)erfunden. Sie wird in eleganten Cafés auch heute noch zelebriert.
ROOFTOPBARS
Das nächtliche Prag von einer Dachbar aus zu erleben, ist ein Muss in der Hauptstadt. Für alle gilt: toll, spektakulär, (leider) sauteuer.
NACHTCLUBS
In der Hauptstadt gibt es den größten Klub Mitteleuropas. 5 Stockwerke; in jeder Etage geht die Post ab, zu verschiedenen Musikstilen, von Pop bis Techno. Direkt an der Moldau, wenige Schritte von der Karlsbrücke.
Und auch wenn es touristisch anmutet: Eine Moldauschifffahrt im Abendlicht gehört zu den stillen Höhepunkten eines Prag-Trips. Während die Karlsbrücke langsam vorbeizieht und die Burg über dem Wasser aufleuchtet, versteht man, warum die Stadt immer wieder zur Bühne großer Geschichten wird.
Unbedingt besuchen!
Am Moldauufer pulsiert das Leben. Tag und Nacht! Die Náplavka-Promenade ist hier der absolute Treffpunkt mit Bars, Cafés und Restaurants direkt am Wasser. Am Samstag gibt es dort den Bauernmarkt. Im Frühling und Sommer immer wieder (Gratis-) Konzerte (inklusive Sonnenuntergang).
Und dort liegen auch die berühmten Bar-Schiffe. Etwa das „Jazz Dock“ an der Janáckovo-Promenade, die „Kayak Beach Bar“ (hier kann man sich auch ein Padelboot leihen). Sogar eine Boots-Brauerei (Lod’ Pivovar) gibt es hier. Literaturbeflissene werden das Kafka Museum (www.kafkamuseum.cz) ebenso wenig auslassen wie das „Schwarze Theater“ (www.imagetheatre.cz) und die vielen alten Buchläden. Wer Klassik mag: Es gibt eine reiche Szene, fast täglich treten hier Stars dieses Genres auf. (www.bohemianconcerts.com)
Unbedingt vermeiden!
Niemals auf der Straße Geld wechseln (oft wird Falschgeld herausgegeben). Auch Wechselstuben mit „0% Kommission“ haben extrem schlechte Kurse. Nutzen Sie keine Euronet-Geldautomaten (erkennbar am blau-gelben) Logo: hohe Spesen. Wenn Sie mit Kreditkarte bezahlen, am günstigsten ist es in der Landeswährung, also in Tschechischen Kronen. Der Wenzelsplatz, am Tag eine Pracht, wandelt sich in der Nacht zum nicht ungefährlichen Rotlichtviertel. Aktuell ist der „Wenzel“ allerdings eine Großbaustelle.
Die Gegend um den Hauptbahnhof ist nächtens auch nicht zu empfehlen (Drogen, Prostitution). Taxis nur an Ständen mit dem „Fair Place“-Schild buchen. AAA Radiotaxi (+420 222 333 222) bzw. City-Taxi (+420 257 257 257) sind seriös! In Touristenfallen schreiben Kellner gerne handschriftlich Trinkgeld auf die Rechnung. Das ist unverschämt, es gibt keine Trinkgeldpflicht. In der Regel gibt man etwa 10%.
Zurück im Fairmont wirkt die Lobby wie ein Kontrastprogramm zum mittelalterlichen Prag draußen. Design, Kunst und Luxus treffen auf jene Ruhe, die man nach einem langen Entdeckungstag braucht. Und von der Rooftop-Terrasse aus scheint Prag noch einmal geheimnisvoller.
Und genau das ist vielleicht das Faszinierendste an Prag: Man besucht nicht einfach eine Stadt. Man betritt ein Rätsel.
Gerhard Felbinger
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