Eine frühe Reparatur kostete Richard Lietz vergangenes Wochenende seinen siebenten GT-Erfolg für Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans. Den ersten Gesamtsieg verdanken die Stuttgarter ebenfalls österreichischer Beteiligung: Luise Piëch, Gründerin der Porsche Holding Salzburg, brachte 1970 zwei rot-weiß-rote 917er an den Start – einer davon gewann! Der Porsche GT3 RS im Salzburg Design huldigt diesem Erfolg. Mit ihm führt jede Straße nach Le Mans...
Insgesamt 19 Gesamtsiege hat Porsche bereits in Le Mans geholt, der erste war das Ergebnis des Chaos-Rennens im Jahr 1970: Im Regen scheiterte ein Favorit nach dem anderen, nach 24 Stunden rasten Hans Hermann und Richard Attwood im rot-weiß-rot lackierten 917 mit Kurzheck zum Triumph. Die rot-weiß-rote Folierung des aktuellen GT3 im Salzburg Design erinnert an diesen magischen Moment, auch beim Einsteigen wird man an den 13. Juni 1970 erinnert – das Datum ist in die Fußmatten eingenäht.
Zwei Jahre nach dem Le-Mans-Triumph wurde der erste RS eingeführt, der jüngste ist bereits die sechste Generation. Und besitzt so viel Rennsport-Gene wie keiner zuvor: Deutlichstes Merkmal ist der mächtige Schwanenhals-Heckflügel, der erstmals bei einem Serien-Porsche die Dachlinie überragt. Und erstmals gibt es DRS, also per Knopfdruck verstellbare Flügel – das sorgt für weniger Abtrieb auf der Geraden und hilft den riesigen Bremsen (optional Keramik) beim Verzögern.
Die Spur ist 29 mm breiter als beim GT3, die Doppelquerlenker-Vorderachse in Tropfenform – um bis zu 40 kg mehr Abtrieb zu schaffen. Bei 285 km/h wird das Auto mit 860 Kilogramm auf den Asphalt gepresst.
Dreht bis 9000 Touren
Das Herzstück ist der Sechszylinder-Boxer, der bis 9000 Touren dreht – und bei 6000 noch einmal richtig Druck macht. Frei atmend, ohne Turbo. Mit 525 PS um 15 PS stärker als im „normalen“ GT3. Damit das Aggregat besser gekühlt wird, wurde von Richard Lietz’ Dienstwagen GT3 RSR das Konzept der zusätzlichen Front-Kühlung übernommen.
Dort, wo sonst bei einem 911er der Kofferraum sitzt, bläst nun ein Kühler die Warme Luft hinaus. Beim Fahren sieht man tatsächlich die Hitze vor der Windschutzscheibe flirren, diese wird über Finnen auf dem Carbon-Dach an die Außenseite des Autos geführt. Damit die Wärme nicht ans Heck gelangt, wo der Motor ja kühle Luft atmen soll.
Unbarmherzig und verkürzt
Öffnen wir die leichten Carbon-Türen, schlängeln uns in die Schalensitze vor dem Überrollkäfig, der beim Weissach-Paket sogar ebenfalls aus Kohlefaser besteht. Die linke Hand dreht nach Porsche-Tradition am Zündschloss, der Sechszylinder erwacht mit Getöse zum Leben. Der Klang der Auspuffanlage lässt sich auch hier über das Infotainment-Display einstellen.
Das Doppelkupplungsgetriebe prügelt seine sieben Gänge unbarmherzig hinein, die Übersetzung fällt im RS kürzer aus als im GT3. Damit ist nach nur 3,2 Sekunden ist der Hunderter erreicht, die Spitze liegt übrigens bei 296 km/h.
Die Lenkung ist schon um die Mittellage messerscharf, das 1450 kg leichte Geschoss giert auch dank verbesserter Hinterachslenkung nach Kurven. Aber Vorsicht: Die Semislicks und Keramik-Bremsen wollen warmgefahren werden, sonst findet man sich schnell in der „Auslaufzone“.
Denn der RS eher für die Rennstrecke gedacht: Auf den vier Drehreglern am Lenkrad verstellt man DRS-Flügel, Fahrmodus, Hinterachs-Sperre und sogar Druck- und Zugstufe der Dämpfer – wie im Rennsport. Klingt verrückt. Ist es auch. Und hat seinen Preis: 451.000 Euro kostete das Testauto im Salzburg Design. Aber: Näher kann man Le Mans auf der Straße nicht kommen.
Warum: Rennsport für die Straße, DRS-Flügel, einer der letzten Hochdrehzahl-Sauger
Warum nicht: hoher Preis, empfindliche Folierung bei Salzburg Design, null Kofferraum
Oder vielleicht: Mercedes-AMG GT 63 Pro 4matic+, Ferrari 296 Speciale, Lamborghini Temerario
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