„Krone“-Interview

ZZ Top: „Wir wollen den Blues am Leben erhalten“

Musik
17.06.2026 05:00

Die amerikanische Blues-Rock-Institution ZZ Top steht auch nach knapp 60 Konzertjahren noch immer voll im Saft. Frontmann Billy Gibbons steuert das Schiff auch nach dem Tod seines Kollegen Dusty Hill weiter. Am 7. Juli kommt die Kultband ins VAZ St. Pölten. Wir haben vorher bei Gibbons nachgefragt.

kmm

„Krone“: Billy, am 7. Juli kehren ZZ Top für eine Show im VAZ St. Pölten endlich wieder zu uns zurück. Woran erinnerst du dich besonders gerne, wenn du an Österreich denkst und worauf freust du dich schon sehr?
Billy Gibbons:
 Es steht außer Frage, dass wir uns sehr drauf freuen, endlich wieder in Österreich zu spielen. Wir freuen uns besonders darauf, einen guten Apfelstrudel zu finden und wissen gleichzeitig, dass wir beim Essen vorsichtig sein müssen, dass uns nicht der Staubzucker in den Bärten kleben bleibt. Das ist aber auch schon das einzige Risiko, das wir eingehen. Ansonsten freuen uns besonders darauf, die vielen Fans und Freunde, die wir über die Jahre gewonnen haben, wiederzusehen.

2023 warst mit einer Gibbons-Soloshow im Wiener Gasometer zu sehen, hast dort aber auch einige ZZ Top-Nummern zum Besten gegeben. Wo unterscheiden sich Konzerte von Billy Gibbons und ZZ Top am meisten?
Die Herangehensweise mit der Band ist etwas lockerer, das Song-Repertoire explosiver und wir haben ein klareres Konzertformat. ZZ Top ist unser Heimathafen und es gibt das alte Sprichwort „There’s no place like home“ – insofern ist es immer schön, mit der Band unterwegs zu sein.

Mittlerweile sind fast fünf Jahre ins Land gezogen, seid euer Kollege Dusty Hill verstarb und mit Elwood Francis als Bassist ein neues Kapitel in der Band aufgeschlagen wurde. Hat diese personelle Veränderung die gesamte Band und ihr Tun stark verändert?
Die Transition ging makellos über die Bühne, weil Elwood seit mehr als drei Jahrzehnten ein Teil der ZZ Top-Familie ist. Sein Spielstil am Bass macht ihn zu einem grandiosen Partner auf der Bühne.

In einem Podcast hast du einmal davon erzählt, dass euch die Firma Gilette 1984 eine Million Dollar angeboten hat, wenn ihr euch für eine Werbung rasieren würdet – ihr habt gesagt. War das rückblickend die beste Entscheidung eures Lebens?
Gut, sagen wir so: Eine Million Dollar ist heute nicht mehr das, was es damals war. Unsere Position hat sich mehr als 40 Jahre später nicht verändert. Keine Rasur, obwohl wir in anderen Bereichen alles versuchen, um uns das entgangene Geld dafür wieder hereinzuholen. Ich weiß nicht, ob es die beste Entscheidung unserer Karriere war, aber sie hat sich damals definitiv richtig angefühlt.

Bereust du andererseits Entscheidungen, die du im Laufe deines Lebens getroffen hast? Gibt es Dinge, die du heute anders lösen würdest?
Bei unserer „Worldwide Texas Tour“ Mitte der 70er-Jahre hatten wir echte Tiere mit dabei und hätten die Klapperschlangen wahrscheinlich etwas wärmer halten sollen. Sie sind jedenfalls in eine Art frühen Winterschlaf verfallen oder sonst etwas ähnlichem, was Schlangen halt so tun, wenn es ihnen zu kalt wird. Außerdem hätten wir das auf dem Booklet-Inlay des Albums „Tres Hombres“ abgebildete mexikanische Dinner verspeisen und nicht bloß fotografieren sollen. Es hat wohl mindestens genauso gut geschmeckt wie ausgesehen.

Ihr seid seit fast 60 Jahren, genaugenommen seit 1969, unterwegs und habt noch immer das nötige Feuer für Touren und Live-Shows. Was sind die Dinge, die euch noch immer motivieren und animieren?
Wir machen das, was wir immer machen wollten, mittlerweile schon eine ganze Zeit lang. Diese verrückten Outfits, die wir gewählt haben, werden noch lange für Aufregung sorgen. Bis auf die Tatsache, dass wir bis zum Gig noch ein bisschen proben müssen, ist alles in bester Ordnung mit uns.

Anstatt auf Europatour zu gehen und die großen Festivals abzufahren, könntest du auch schon längst daheim in Texas auf der Veranda sitzen, ein Bier aufmachen und den Ruhestand genießen. Warum machst du das nicht?
Es gibt für diese Motivation kein Geheimnis. So wie das Publikum uns und unseren Sound liebt, lieben wir das Publikum und haben immer eine gute Zeit. Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir uns und unsere eigene Show von außen beobachten. Es gibt’s nichts Schöneres auf der Welt, als allabendlich eine legendäre Show aufs Parkett zu legen.

Dein letztes Soloalbum datiert aus dem Jahr 2021, mit ZZ Top hast du das letzte Mal 2012 etwas veröffentlicht. Gibt es noch Hoffnung auf ein Bandalbum oder können wir uns das in die Haare schmieren?
Es gibt aktuell weder etwas Neues aus dem Camp Billy F Gibbons, noch aus dem Camp ZZ Top. Die ZZ Top-Studiomaschine hat vor geraumer Zeit beschlossen, ihre Kräfte auf die Bühnen dieser Welt zu bringen und dort alles zu geben. Die guten Dinge kommen zu jenen, die warten können, heißt es …

Was war denn die wichtigste Entscheidung, die du in deinem Leben je getroffen hast?
Als ich an diesem schicksalshaften Weihnachtstag zu meinem 13. Geburtstag eine elektrische Gitarre geschenkt bekommen habe, war alles anders. Ich habe den unvergessenen, großen B.B. King im Studio gesehen und all die Lieder gelernt, die er spielte. Eine Entscheidung, die mich bis heute prägt.

Du hast über all die Jahre mit so vielen tollen Musikern zusammengespielt – 2018 etwa mit CCR-Legende John Fogerty für den Song „The Holy Grail“. Würdest du dich als geborenen Teamplayer bezeichnen und mit welchen anderen Musikern möchtest du noch gerne arbeiten?
Das bringt mich jedenfalls zum Nachdenken. Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, aber es gibt eine fantastische weibliche Sängerin namens Z.Z. Ward. Wir würden gerne unsere Stile vermischen. Das wäre spannend. Außerdem würde der Typ, der im Marquee die Schilder vor Konzerten anbringt, dann wohl den Verstand verlieren, weil ihm der Buchstabe „Z“ ausgehen würde. Sehr talentiert und kurzweilig ist für mich die junge Blues-Sängerin Christine „Kingfish“ Ingram. Wir haben letztes Jahr mit ihr zusammengespielt und ich hoffe, dass wir das bald wieder tun können.

Derzeit werden wir Zeugen davon, wie Altmeister der Marke Paul McCartney oder Ringo Starr für Furore sorgen und noch immer um die Welt fahren. Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Wie schon gesagt, gibt es für uns keinen Grund derzeit mit dem Livespielen aufzuhören. Es gab schon Blues-Größen, die haben bis in ihre 90er hinein dazugelernt und gespielt. Mein Masterplan ist so lange wie möglich zu spielen und überall dabei irgendwas zu hinterlassen.

Du bist auch ein begnadeter Sammler von Gitarrenmodellen und sportlichen Autos. Wie viele Gitarren hängen und stehen bei euch herum und wie viele Autos in der Garage? Was sind deine wertvollsten Stücke?
Wir haben von allem ein bisschen, aber um ehrlich zu sein, haben wir aufgehört zu zählen. Autos nehmen wirklich verdammt viel Platz ein, dort war die Sammelwelle also irgendwann durchbrochen. Gitarren? Wahrscheinlich ist die Zahl mittlerweile vierstellig und der ultimative Favorit von allen ist die „Miss Pearly Gates“, eine Sunburst Les Paul aus 1959, die den besten Klang und auch die beste Resonanz hat. So ein Baby lässt du nicht gehen!

Gibt es nach so einer prunkvollen und erfolgreichen Karriere noch Ziele oder Träume, die bislang nicht erfüllt wurden?
Wir hatten einen ziemlich guten und erfolgreichen Run über die letzten knapp 60 Jahre. Das wichtigste Ziel ist es heute, den Blues laut und lebendig zu halten. Keep on rockin‘!

Live in St. Pölten
Am 7. Juli kommen ZZ Top für ein exklusives Österreich-Konzert ins VAZ St. Pölten. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten und weitere Informationen zum Top-Gig.

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