Klack, klack, klack – in der Wiener „Spincity“ fliegen die Tischtennisbälle. Doch hier geht es um weit mehr als Sport: Tischtennis-Profi Dominik Habesohn trainiert gezielt Menschen mit Parkinson. Für diese Sportler wird das Training zur Therapie. Eine Neurologin erklärt die Vorteile.
Thomas, Werner und Michael stehen konzentriert an der Platte. Alle drei leben mit Parkinson, einer fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems. Tischtennis bietet ihnen ganz spezielle Vorteile, die mit keinem anderen Training vergleichbar sind. „Tischtennis ist für diese Sportler nicht nur Training, sondern auch Therapie“, erklärt Trainer Dominik Habesohn, Europameister und mehrfacher Staatsmeister.
Zurück zu mehr Bewegung
Werner (78) ist von Beginn an dabei. Seine Diagnose bekam er vor zehn Jahren, das Zittern in den Händen begleitet ihn seither. „Ich habe früher viel Tischtennis gespielt. Nach einem Bericht über die Ping-Pong-Parkinson-WM in Deutschland wollte ich wieder anfangen. Beim Kauf eines neuen Schlägers kamen Dominik und ich ins Gespräch, auch über meine Krankheit und seinen Plan für dieses spezielle Training“, erzählt er.
Seit sechs Monaten trainiert er zweimal pro Woche in der Spincity – mit spürbarem Effekt: Er bewegt sich danach viel besser, ist konzentrierter – und das Zittern ist beim Spielen kaum da.
Auch Michael (72) profitiert von diesem Sport. Bei ihm äußert sich Parkinson ohne Zittern, dafür mit verlangsamten Bewegungen. Durch das regelmäßige Training haben sich Kondition und Konzentration deutlich verbessert – das bestätigt auch seine Frau.
Ich schlage gezielt abwechselnd lange und kurze Bälle. So muss sich der Spieler nach vorn und nach hinten bewegen.

Dominik Habesohn, Tischtennisprofi und Trainer
Bild: Eva Manhart
Thomas ist mit 57 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Er erhielt seine Diagnose bereits mit 49. Nach anfänglicher Therapie mit Medikamenten entschied sich Thomas für eine „Tiefe Hirnstimulation“, also die Implantation von Elektroden im Gehirn. Das Zittern ist weg aber das Gleichgewicht bleibt eine Herausforderung. Genau hier helfen Tischtennis und Trainer Dominik mit gezielten Übungen: schnelle Wechsel zwischen kurzen und langen Bällen fordern Bewegung nach vorn und hinten. Thomas hat das Ziel, an Parkinson-Meisterschaften teilnehmen.
Die Tischtennishalle Spincity in Wien-Liesing, wird von den Profisportlern Dominik und Daniel Habesohn sowie René Sabin betrieben. Dominik Habesohn (37), Europameister, dreifacher Doppel-Staatsmeister sowie zweifacher Vize-Staatsmeister im Einzel, leitet dort spezielle Trainingseinheiten für Menschen mit neurologischen Erkrankungen.
Adresse: Altmannsdorferstraße 154-156, 1230 Wien Kontakt:
+43 670 60 25 406 (Dominik),
+43 670 40 05 133 (René)
E-Mail: office@spincity.at
Warum Tischtennis so gut wirkt
Unterstützt wird das Projekt von Neurologin Dr. Karoline Ostertag, Leiterin der Ambulanz für Parkinson und Bewegungsstörungen Klinik Hietzing und Ordination in der Wiener Privatklinik. „Ein zentrales Problem bei Parkinson ist die Bradykinese – also die Verlangsamung und Verarmung der Bewegungen. Genau hier setzt Tischtennis an und fördert, was die Krankheit den Betroffenen nimmt: die Beweglichkeit“, erklärt sie.
Das Geräusch des Balles hilft gegen das Freezing. Es setzt einen akustischen Reiz und kann als Startsignal für die Bewegung dienen.

OÄ Dr. Karoline Ostertag, Neurologin, Klinik Hiezing
Bild: Sima Prodinger
Auch das „Freezing“ – ein plötzliches „Einfrieren“ beim Gehen, das den Start eines Schritts nach vorn erschwert – kann besser bewältigt werden. „Seitwärtsbewegungen fallen Patienten meist leichter“, erklärt Dr. Ostertag. Und genau diese werden beim Tischtennis ständig ausgeführt. „Auch das rhythmische Geräusch des Balles setzt einen akustischen Reiz und kann als Startsignal für die Bewegung dienen - oft sogar in späteren Krankheitsstadien.“
Effekt für Körper und Geist
Der Nutzen ist umfangreich: Seitwärts- und Ausfallschritte helfen, Stürze zu vermeiden. Reaktion, Hand-Auge-Koordination und Körpergefühl verbessern sich. Muskelsteifheit und Schmerzen lassen nach. „Viele Patienten berichten auch, dass sich ihr Tremor im Spiel reduziert“, berichtet Dr. Ostertag. Mental profitieren die Spieler ebenfalls: Konzentration, Reaktionsfähigkeit und sogar die Stimmung verbessern sich. Bewegung setzt Botenstoffe frei, die das Wohlbefinden steigern.
Und nicht zuletzt zählt der soziale Faktor: In der Spincity finden Spieler und Angehörige eine angenehme und lockere Atmosphäre für Gespräche, Motivation und Austausch – sowohl über den Sport als auch über die Krankheit.
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