Blutige Waffenruhe

Israels Minister fordert: „Libanon muss brennen“

Außenpolitik
20.06.2026 13:46
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, Israel davon abzuhalten, den Libanon weiter anzugreifen, verlaufen offenbar im Sande. Denn in der Nacht auf Samstag gab es erneut Luftangriffe im Süden des Landes und auch mehrere Tote. Ganz und gar keine Waffenruhe will Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir. Nach dem Tod von israelischen Soldaten forderte er: „Der gesamte Libanon muss brennen!“

Der libanesische Zivilschutz teilte am Samstag mit, dass allein in der Stadt Nabatieh 16 Leichen geborgen worden seien. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA wurden bei Angriffen von Kampfflugzeugen auf die Stadt Arabsalim im Raum Nabatieh drei Menschen getötet. Eine weitere Frau sei im Gebiet Tyros bei einem Angriff ums Leben gekommen. Nabatieh gilt als Hisbollah-Hochburg. Nach Angaben der libanesischen Armee starb ein Militärangehöriger bei einem Luftangriff auf der Straße zwischen Kfar Remaneh und Nabatieh. Die Armee warf Israel vor, mit ihren Angriffen jede Lösung zu verhindern, die eine Wiederherstellung von Stabilität im Libanon ermöglichen würde.

Israel und die vom Iran unterstützte Miliz hatten sich am Freitag nach Angaben von Vertretern der USA, Israels und der Hisbollah auf eine Feuerpause geeinigt. Sie sollte am Freitag, 16 Uhr (Ortszeit) in Kraft treten. Israels Armeesprecher Effie Defrin sagte laut der Tageszeitung „The Times of Israel“, die Truppen hätten trotz der Waffenruhe mit der Hisbollah „volle Handlungsfreiheit“, um in jedem Gebiet gegen jede Bedrohung vorzugehen. Es gebe keine Einschränkungen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte zuvor erklärt, Israel werde keine Angriffe auf seine Soldaten oder sein Territorium dulden.

Die Infografik stellt die wichtigsten Inhalte des 14-Punkte-Plans zum Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran dar. Zu den zentralen Punkten gehören das Ende militärischer Operationen, die Öffnung der Straße von Hormuz, die Aussetzung von Sanktionen gegen iranische Öl- und Petrochemieprodukte und die Kontrolle des iranischen Nuklearprogramms. Eingefrorene iranische Gelder sollen freigegeben werden und ein Plan über 300 Milliarden Dollar zur wirtschaftlichen Entwicklung Irans ausgearbeitet werden. Ein abschließendes Abkommen soll innerhalb von 60 Tagen verhandelt werden. Quelle: APA.

„Für jede Träne einer israelischen Mutter ...“
Die israelische Armee erklärte, vier ihrer Soldaten seien bei Angriffen der Hisbollah getötet worden. Entsetzt über diese Meldung zeigte sich Israels Sicherheitsminister Ben-Gvir. In einem langen Posting auf der Kurznachrichtenplattform X tönte der rechtsextreme Ressortchef: „Bei allem Respekt gegenüber den Amerikanern muss Israel der ganzen Welt klarmachen, dass das Blut unserer Söhne und die Sicherheit unserer Bürger nicht preisgegeben werden darf. Der gesamte Libanon muss brennen. Unsere oberste Pflicht ist es, die Bürger Israels und die Soldaten der IDF zu schützen, und diese Verpflichtung geht allen anderen Erwägungen vor.“ Er habe auch Premierminister Netanyahu ausgerichtet, „für jede Träne einer israelischen Mutter müssen tausend libanesische Mütter weinen“.

Die heftigen gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah hatten das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gefährdet, das eine Waffenruhe in der gesamten Region einschließlich des Libanon vorsieht.

Eine israelische Patrouille an der Grenze zum Libanon
Eine israelische Patrouille an der Grenze zum Libanon(Bild: AFP/JALAA MAREY)

Witkoff reist zu Gesprächen in die Schweiz
Dennoch dürfte es am Wochenende zu weiteren Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA kommen. Medienberichten zufolge befindet sich Trumps Schwiegersohn Jared Kushner bereits in der Schweiz, Sondergesandter Steve Witkoff soll dorthin unterwegs sein. Sie sollen mit Vertretern des Mullah-Regimes Gespräche über ein neues Atomabkommen führen.

Auch der iranische Außenminister Abbas Araqchi plane, in die Schweiz zu reisen, zitierte das US-Nachrichtenportal „Axios“ eine informierte Quelle. Dies könne sich aber noch ändern. Die Iraner wollten zunächst abwarten, ob die neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah hält, hieß es weiter.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung