Die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, Israel davon abzuhalten, den Libanon weiter anzugreifen, verlaufen offenbar im Sande. Denn in der Nacht auf Samstag gab es erneut Luftangriffe im Süden des Landes und auch mehrere Tote. Ganz und gar keine Waffenruhe will Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir. Nach dem Tod von israelischen Soldaten forderte er: „Der gesamte Libanon muss brennen!“
Der libanesische Zivilschutz teilte am Samstag mit, dass allein in der Stadt Nabatieh 16 Leichen geborgen worden seien. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA wurden bei Angriffen von Kampfflugzeugen auf die Stadt Arabsalim im Raum Nabatieh drei Menschen getötet. Eine weitere Frau sei im Gebiet Tyros bei einem Angriff ums Leben gekommen. Nabatieh gilt als Hisbollah-Hochburg. Nach Angaben der libanesischen Armee starb ein Militärangehöriger bei einem Luftangriff auf der Straße zwischen Kfar Remaneh und Nabatieh. Die Armee warf Israel vor, mit ihren Angriffen jede Lösung zu verhindern, die eine Wiederherstellung von Stabilität im Libanon ermöglichen würde.
Israel und die vom Iran unterstützte Miliz hatten sich am Freitag nach Angaben von Vertretern der USA, Israels und der Hisbollah auf eine Feuerpause geeinigt. Sie sollte am Freitag, 16 Uhr (Ortszeit) in Kraft treten. Israels Armeesprecher Effie Defrin sagte laut der Tageszeitung „The Times of Israel“, die Truppen hätten trotz der Waffenruhe mit der Hisbollah „volle Handlungsfreiheit“, um in jedem Gebiet gegen jede Bedrohung vorzugehen. Es gebe keine Einschränkungen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte zuvor erklärt, Israel werde keine Angriffe auf seine Soldaten oder sein Territorium dulden.
„Für jede Träne einer israelischen Mutter ...“
Die israelische Armee erklärte, vier ihrer Soldaten seien bei Angriffen der Hisbollah getötet worden. Entsetzt über diese Meldung zeigte sich Israels Sicherheitsminister Ben-Gvir. In einem langen Posting auf der Kurznachrichtenplattform X tönte der rechtsextreme Ressortchef: „Bei allem Respekt gegenüber den Amerikanern muss Israel der ganzen Welt klarmachen, dass das Blut unserer Söhne und die Sicherheit unserer Bürger nicht preisgegeben werden darf. Der gesamte Libanon muss brennen. Unsere oberste Pflicht ist es, die Bürger Israels und die Soldaten der IDF zu schützen, und diese Verpflichtung geht allen anderen Erwägungen vor.“ Er habe auch Premierminister Netanyahu ausgerichtet, „für jede Träne einer israelischen Mutter müssen tausend libanesische Mütter weinen“.
Die heftigen gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah hatten das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gefährdet, das eine Waffenruhe in der gesamten Region einschließlich des Libanon vorsieht.
Witkoff reist zu Gesprächen in die Schweiz
Dennoch dürfte es am Wochenende zu weiteren Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA kommen. Medienberichten zufolge befindet sich Trumps Schwiegersohn Jared Kushner bereits in der Schweiz, Sondergesandter Steve Witkoff soll dorthin unterwegs sein. Sie sollen mit Vertretern des Mullah-Regimes Gespräche über ein neues Atomabkommen führen.
Auch der iranische Außenminister Abbas Araqchi plane, in die Schweiz zu reisen, zitierte das US-Nachrichtenportal „Axios“ eine informierte Quelle. Dies könne sich aber noch ändern. Die Iraner wollten zunächst abwarten, ob die neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah hält, hieß es weiter.
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